Wegeunfälle im Straßenverkehr

Die Arbeitsstelle auf dem eigenen Hof oder im eigenen Stadtviertel zu haben, wie es noch vor 100 Jahren üblich war, ist heutzutage eine Rarität. Im Normalfall müssen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer viele Kilometer zwischen Wohnung und Arbeitsstätte pendeln.

Das Statistische Bundesamt hat 2020 gemäß Mikrozensusergebnissen ermittelt, dass bis zu 30 % der Erwerbstätigen in Deutschland zur Arbeit pendeln. 68 % nutzten dazu das Auto; Tendenz: steigend. 13,7 Prozent erreichten ihren Arbeitsplatz mit öffentlichen Verkehrsmitteln und rund 18 Prozent per Fahrrad oder zu Fuß.

In 2020 ereigneten sich in Deutschland 152.823 Wegenunfälle, von den die überwiegende Mehrzahl "Wegeunfälle im Straßenverkehr" sind, das heißt: Unfälle auf dem Weg zur Arbeit oder von der Arbeit nach Hause. 238 Wegeunfälle endeten 2020 für die Betroffenen leider tödlich. Dabei ist gegenüber 2019 auf Grund der Corona-Pandemie und des daruas resultierenden eingeschränkten Verkehrsaufkommens ein relative Rückgang festzustellen.

Der unmittelbare Weg zählt

Als Wegeunfall werden Unfälle auf dem unmittelbaren Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstelle (dem so genannten "Ort der versicherten Tätigkeit") bezeichnet. Wegeunfälle sind dem Arbeitsunfall versicherungstechnisch gleichgestellt. Auch der Weg von der Arbeitsstelle zu einem so genannten "Dritten Ort" fällt unter den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung, wenn dieser aus betrieblichen Gründen aufgesucht wird. In diese Kategorie der "Dienstwege" fallen etwa Dienstreisen, Dienstgänge oder die Anfahrt zum Kunden und zurück.

Zusätzlich sind bestimmte “Umwege” versichert, so zum Beispiel das Abholen von Teilnehmern einer Fahrgemeinschaft oder der Transport von Kindern zu einer Kindertagesstätte oder Tagesmutter. Umwege privater Natur, beispielsweise der Gang zur Bank, um Geld abzuheben oder der Einkauf für die Mittagspause, gelten als "eigenwirtschaftliche Tätigkeit" und stehen nicht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.

Entscheidend für den Versicherungsschutz ist, dass der Versicherte den unmittelbaren Weg wählt, das heißt, er kann entweder den zeitlich oder den geographisch kürzesten Weg wählen. Wer zwar auf dem unmittelbaren Weg von oder zum Ort der versicherten Tätigkeit, aber mehr als zwei Stunden nach Arbeitsende einen Unfall erleidet, steht grundsätzlich nicht mehr unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.

Anzeige eines Wegeunfalls

Wegeunfälle werden behandelt wie Arbeitsunfälle. Das bedeutet: Der Verunglückte muss von einem Durchgangsarzt untersucht werden; die Erstversorgung kann natürlich zunächst durch einen anderen Arzt erfolgen. Erklärt der (nach der Ersten Hilfe hinzugezogene) Durchgangsarzt den Patienten für mehr als drei Tage arbeitsunfähig, so ist der Arbeitgeber innerhalb von drei Tagen zur schriftlichen oder online durchgeführten Meldung bei der zuständigen Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse verpflichtet. Bei einem tödlichen Unfall kann die Meldung an den Unfallversicherungsträger (BG oder UK) von den Hinterbliebenen auch telefonisch, per Fax oder per E-Mail erfolgen.

Weiterführende Links:

  • Schriftliche Unfallanzeige als Word-Dokument zum kostenlosen Download: Formtexte
  • Suche nach einem Durchgangsarzt:
    Durchgangsarzt-Datenbank(Link funktioniert nicht im MS Internet Explorer, aber mit dem Browser Chrome)

Ansprechperson

Dr. Sven Timm
Stabsbereich Prävention (SB Präv)
Referat Strategische Kooperationen, Prävention
Tel: +49 30 13001-2000

Weitere Informationen

Film zu Wegeunfällen
Im April 2019 veröffentlichte der VDSI gemeinsam mit dem DVR einen 10-minütigen Verkehrssicherheitsfilm "Ich weiß ja, wie es sicher geht". Der Film thematisiert Wege-, Dienstwege- und Arbeitsunfälle im Straßenverkehr. Weiter zum Film