Gehörschützer

Auswahl von Gehörschützern

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Diverse Gehörschützer
Bild: IFA

Rechtliche Vorgaben zum Gehörschutz

Unabhängig von der Höhe der Lärmexposition besteht die Forderung, Lärmbelastungen an Arbeitsplätzen zu vermeiden oder soweit wie möglich zu verringern (Minimierungsgebot). Als Maßstab dient dabei der Stand der Technik. Wird einer der oberen Auslösewerte der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung überschritten, hat der Unternehmer ein Programm mit technischen und organisatorischen Lärmminderungsmaßnahmen aufzustellen und durchzuführen.

Lassen sich Lärmbelastungen nicht vermeiden, ist geeigneter Gehörschutz auszuwählen. Nach der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung muss der Arbeitgeber den Beschäftigten geeigneten Gehörschutz anbieten, wenn die unteren Auslösewerte der Exposition überschritten sind (LEX,8h > 80 dB(A) bzw. LpC,peak > 135 dB(C)). Ab Erreichen der oberen Auslösewerte muss der Gehörschutz getragen werden (LEX,8h ≥ 85 dB(A) bzw. LpC,peak ≥ 137 dB(C)).

Der Gehörschutz ist so auszuwählen, dass die maximal zulässigen Expositionswerte am Ohr unter Berücksichtigung der dämmenden Wirkung des Gehörschutzes eingehalten werden. Für den Restpegel L’ am Ohr muss also gelten: L’EX,8h ≤ 85 dB(A) bzw. L’pC,peak ≤ 137 dB(C). Für die Berechnung des Restpegels am Ohr wird in Deutschland standardmäßig der HML-Check verwendet. Es ist zuerst zu ermitteln, ob das Geräusch am Arbeitsplatz eher hoch-/mittelfrequent (HM-Klasse) oder tieffrequent (L-Klasse) ist. Dementsprechend wird der M-Wert oder der L-Wert des Gehörschützers als Dämmwert verwendet.

Zusätzlich müssen Praxisabschläge als Korrekturwerte berücksichtigt werden. Sie tragen dem Umstand Rechnung, dass im betrieblichen Einsatz meist nicht die Dämmwerte erreicht werden, die bei der Baumusterprüfung des Gehörschutzes ermittelt wurden. Grund sind neben Alterung und Verschmutzung der Produkte hauptsächlich Fehler oder Nachlässigkeiten beim Ein- oder Aufsetzen der Gehörschützer.

Nähere Erläuterungen zum HML-Check mit Praxisabschlägen finden sich in der DGUV Regel 112-194 (bisher: BGR/GUV-R 194) und der DGUV Information 212-024 (bisher: BGI/GUV-I 5024). Dieses Auswahlverfahren liegt auch dem IFA-Auswahlprogramm (siehe unten) und der IFA-Positivliste in der DGUV Regel 112-194 zugrunde.

Für individuell nach dem Ohrkanal des Trägers geformte Gehörschutz-Otoplastiken fordern sowohl die DGUV-Schriften als auch die staatlichen Technischen Regeln Lärm zur Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (Abschnitt 6.2.3) eine Funktionskontrolle bei der Auslieferung (innerhalb von sechs Monaten) und danach regelmäßig wiederkehrend mindestens alle zwei Jahre. Nur so kann individuell der korrekte Sitz der Otoplastik gewährleistet werden und damit die Schalldämmung, die bei der Baumusterprüfung ermittelt wurde und in der Benutzerinformation für das Produkt dokumentiert ist. Eine ausführliche Darstellung dieses Themas findet sich im Informationsmodul des Sachgebietes Gehörschutz im Fachbereich "Persönliche Schutzausrüstungen" der DGUV (Modul herunterladen (PDF, 45 kB) ).

Informationen zum Gehörschutz

Die wichtigsten Informationen zu Auswahl und Einsatz von Gehörschutz liefert die Information "Gehörschutz" (DGUV Information 212-024). Eine tiefergehende Darstellung findet sich in der Regel "Benutzung von Gehörschutz" (DGUV Regel 112-194). Diese Publikationen sind unter www.dguv.de/publikationen erhältlich.

Schriften und Informationen stellt auch das Sachgebiet Gehörschutz des Fachbereiches "Persönliche Schutzausrüstungen" der DGUV zur Verfügung. Insbesondere sind hier die Präventionsleitlinien zu nennen, die zu speziellen Themen noch detailliertere Informationen bieten.

Das IFA bietet zwei PC-Auswahlprogramme zum Download an. In einem allgemeinen Programm können die Lärmexposition sowie weitere Charakteristika des Arbeitsplatzes (beispielsweise hohe Staubbelastung oder Signalhörbarkeit) eingegeben werden; daraufhin wird eine Liste der geeigneten Gehörschutzprodukte erstellt. Das andere Programm richtet sich speziell an Musikerinnen und Musiker und enthält neben der Auswahl von Gehörschutz, der besonders für diese Berufsgruppe geeignet ist, auch ein Modul zur Berechnung der tatsächlichen Schallexposition über eine Woche.

Für manche Arbeitsbereiche werden spezielle Forderungen an die Signalhörbarkeit mit Gehörschutz gestellt. Weitere Informationen dazu finden sich unter Signalhörbarkeit beim Tragen von Gehörschutz.

Prüfung und Zertifizierung von Gehörschutz

Gehörschützer sind persönliche Schutzausrüstungen der Kategorie II und dürfen nur mit einer EG-Baumusterprüfbescheinigung in Verkehr gebracht werden. Das IFA ist im Rahmen von DGUV Test u. a. als Prüf- und Zertifizierungsstelle für Gehörschutz akkreditiert; es führt Baumusterprüfungen durch und stellt EG-Baumusterprüfbescheinigungen aus. Die Herstellerfirma bestätigt die Konformität ihres Produktes mit der entsprechenden EU-Richtlinie 89/686/EWG durch Anbringen des CE-Zeichens und Ausstellung ihrer Konformitätserklärung. Mit dem zusätzlichen IFA-Angebot von Entwicklungsprüfungen haben die Firmen die Gelegenheit, Defizite von Prototypen zu identifizieren.

Prüfung und Zertifizierung

Ansprechpartner

Dr. rer. nat. Sandra Dantscher

Fachbereich 4: Arbeitsgestaltung, Physikalische Einwirkungen

Tel: 02241 231-2613
Fax: 02241 231-2234