Ganzkörper- und Hand-Arm-Vibrationen

Muldenkipper im Gelände

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Vibrationsbelastungen: Ganzkörpervibration
Bild: IFA

Hand-Arm-Vibrationen

Hand-Arm-Vibrationen, Bild: IFA

Vibrationen werden auch als Schwingungen oder Erschütterungen bezeichnet. Ihre Wirkungen auf den Menschen können von Belästigung und Leistungsminderung über Gesundheitsgefährdung bis zur Gesundheitsschädigung reichen. Belastungen des Menschen durch Schwingungen am Arbeitsplatz unterscheidet man – abhängig von ihrer Einwirkstelle – in Ganzkörper- und Hand-Arm-Vibrationen.

Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV)

Seit Juli 2002 ist eine Europäische Richtlinie 2002/44/EG (PDF, 73 KB) zum Schutz der Beschäftigten vor schädlicher Vibrationseinwirkung am Arbeitsplatz in Kraft. Als Umsetzungshilfe auf nationaler Ebene ist ein Leitfaden erstellt worden, der sich an die Mitgliedstaaten richtet (deutschsprachige Handbücher zu den Themen Hand-Arm- sowie Ganzkörper-Vibration können als PDF-Dateien heruntergeladen werden).

Die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung vom 06. März 2007 setzt neben der EG-Richtlinie zum Schutz der Beschäftigten vor Vibrationen auch die EG-Richtlinie zum Schutz vor Lärm in nationales Recht um. Die Technische Regel zur Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (TRLV Vibrationen) vom März 2015 gibt Hinweise zur Umsetzung der Verordnung.

Für Arbeitsplätze mit Vibrationsbelastung ist eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Dabei beschreibt der Tages-Vibrationsexpositionswert A(8) die tägliche, auf acht Stunden normierte Vibrationsexposition. Er wird gebildet aus der Einwirkungsdauer (der Kontaktzeit mit einer vibrierenden Oberfläche) und einem Schwingungskennwert: für Hand-Arm-Vibrationen ist es der Schwingungsgesamtwert, für Ganzkörper-Vibrationen benötigt man die frequenzbewerteten Beschleunigungen in den drei Messrichtungen. Wichtig ist, dass diese Schwingungskennwerte stark von den Betriebsbedingungen vor Ort abhängig sind. Man kann sie auf der Basis von Messungen oder durch Schätzung mithilfe weiterer Informationsquellen (z. B. Herstellerangaben) erhalten. Kennwertrechner (HAV, GKV (XLSX, 35 kB)) im Internet helfen dann, den A(8) zu berechnen und ihn mit Auslöse- und Expositionsgrenzwerten zu vergleichen, die in der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung definiert sind: Der Auslösewert beträgt für Hand-Arm-Vibrationen 2,5 m/s2 und für Ganzkörpervibrationen 0,5 m/s2. Der Expositionsgrenzwert beträgt für Hand-Arm-Vibrationen 5 m/s2, für Ganzkörpervibrationen 0,8 m/s2 für die vertikale Schwingungsrichtung z und 1,15 m/s2 für die horizontalen Schwingungsrichtungen x und y.

Werden die Auslösewerte des A(8) überschritten, sind Präventionsmaßnahmen technischer und organisatorischer Art durchzuführen. Falls vorhanden sind persönliche Schutzausrüstungen bereitzustellen und zu benutzen. Arbeitsmedizinische Vorsorgemaßnahmen sind anzubieten. Die tägliche Vibrationsexposition darf die Expositionsgrenzwerte nicht überschreiten.

Es stehen darüber hinaus bereits maschinenübergreifende Normen als Handlungsanleitungen zur Verfügung, daneben aber auch

Messung, Beratung, Prüfung

Das IFA führt im Auftrag der Unfallversicherungsträger Messungen und Beratungen zu Vibrationsbelastungen an Arbeitsplätzen durch. Das Institut ist benannte Prüfstelle zur Bestimmung der Vibrationsemission von Maschinen und für Persönliche Schutzausrüstungen, außerdem ist es akkreditierte Stelle für die Schwingungsprüfung von Fahrzeugsitzen für die gewerbliche Wirtschaft. Hier werden z. B. die Emissionen zahlreicher handgehaltener und handgeführter Maschinen und Flurförderzeuge geprüft sowie Sitze von Erdbaumaschinen, Flurförderzeugen, Sattelkraftfahrzeugen, Vibrationsschutzhandschuhe (PDF, 747 kB) und dämpfende Beläge auf Einhaltung der Anforderungen an die Vibrationsminderung. Grundlage aller Prüfungen sind international, europäisch oder national genormte Prüfvorschriften.

Gefährdungsbeurteilungen, die im Rahmen der Lärm-Vibrations-Arbeitsschutzverordnung notwendig werden, führen auch folgende fachkundige Messstellen durch:

Berufskrankheiten

Über Jahre einwirkende Ganzkörper-Vibrationen im Sitzen können bandscheibenbedingte Schädigungen der Wirbelsäule (Berufskrankheit Nr. 2110) verursachen. Hand-Arm-Vibrationen können zu Gelenkschäden (Berufskrankheit Nr. 2103) oder Durchblutungsstörungen (Berufskrankheit Nr. 2104) führen und – neben anderen Einwirkungen – ein Karpaltunnelsymdrom hervorrufen (Berufskrankheit Nr. 2113). Prävention in diesem Bereich ist deshalb wichtig.

Informationen für Unfallversicherungsträger

Das IFA legt die Ergebnisse von Messungen der Vibrationsbelastung an Arbeitsplätzen in der Datenbank VIBEX ab, deren Daten den Unfallversicherungsträgern (UVT) auf Anfrage – z. B. zur Klärung der arbeitstechnischen Voraussetzungen bei Berufskrankheits-Verdachtsfällen – zur Verfügung gestellt werden (vgl. auch BIA-Report 3/2002, BGIA-Report 10/2006, IFA-Handbuch: Kennzahl Kennzahl 220 220).

Allen Unfallversicherungsträgern steht eine vom IFA erarbeitete Arbeitsanamnese-Software Vibration zur Verfügung, die zwischen den UVT abgestimmte Qualitätsanforderungen als Grundlage für die Bearbeitung von Verdachtsfällen von Berufskrankheiten erfüllt.

Computeranimiertes Video:

URL www.napofilm.net

Napo-Film (WMV, 4,4 MB) veranschaulicht Hand-Arm-Vibrationen

Ansprechpartner:

Dipl.-Ing. Christian Freitag

Fachbereich 4: Arbeitsgestaltung – Physikalische Einwirkungen

Tel: +49 (0)2241/231 2611
Fax: +49 (0)2241/231 2234