13.07.2026
v.l.nr.: Dr. Stephan Fasshauer, Claudia Plohmann, Brigitte Götz-Paul, Bärbel Bas, Ina Schwarze (Bild: Stephan Schütze, Bildschön / DGUV)
Wer an seinem Arbeitsplatz viel Kundenkontakt hat, ist häufig übergriffigem Verhalten ausgesetzt. Daten der gesetzlichen Unfallversicherung zeigen, dass dies besonders häufig für Beschäftigte im Gesundheitswesen gilt. Umso wichtiger ist es daher, mit präventiven Maßnahmen vorzubeugen, damit es möglichst nicht zu Übergriffen kommt. Wie dies gelingen kann, darüber informierte sich Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas am Montag bei einem Besuch im BG Klinikum Duisburg. Als Schirmherrin von #GewaltAngehen, der Kampagne der gesetzlichen Unfallversicherung gegen Gewalt bei der Arbeit, forderte Bas anlässlich ihres Besuchs mehr Respekt gegenüber den Beschäftigten in Gesundheitseinrichtungen.
"Insbesondere Menschen, die sich in den Dienst anderer stellen, ihnen helfen, sie schützen, für sie sorgen, verdienen Respekt und Dankbarkeit. Wer sie angreift, greift den Zusammenhalt unserer Gesellschaft an. Das können und dürfen wir nicht akzeptieren. Gewaltfreiheit ist kein Bonus, sondern Voraussetzung für gutes und sicheres Arbeiten", so Bas. Die Ministerin lobte gleichzeitig den Einsatz der gesetzlichen Unfallversicherung für Gewaltprävention und Beispiele guter Praxis wie das BG Klinikum in Duisburg. "Wir alle können etwas gegen Gewalt tun. Die Kampagne der gesetzlichen Unfallversicherung und das BG Klinikum zeigen, wie gemeinsames Engagement von Arbeitgebenden und Beschäftigten für Gewaltfreiheit zum Erfolg führt."
"Aus Sicht der gesetzlichen Unfallversicherung ist es wichtig, Gewaltprävention als gemeinsame Aufgabe zu begreifen", so Dr. Stephan Fasshauer, Hauptgeschäftsführer des Spitzenverbandes der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). "Gerade deshalb kommt es darauf an, dass alle ihren Teil dazu beitragen: Arbeitgebende, indem sie das Risiko Gewalt in die Gefährdungsbeurteilung einbeziehen, Beschäftigte, indem sie Gewaltvorfälle konsequent melden, und die Strafverfolgung, die die Vorfälle konsequent verfolgt." Die gesetzliche Unfallversicherung unterstütze Einrichtungen des Gesundheitswesens mit Beratung und Qualifizierung, aber auch mit Hilfsangeboten für Betroffene, die gewaltbedingte Arbeitsunfälle erleiden. Fasshauer: "Es ist wichtig zu verstehen, dass Gewalt nichts ist, was man aushalten muss. Über Gewalterfahrungen zu sprechen, ist der erste Schritt, damit sich etwas ändern kann."
Das BG Klinikum Duisburg hat das Thema Deeskalation bereits 2018 systematisch in seinen Strukturen verankert und die Maßnahmen seitdem kontinuierlich weiterentwickelt. Neben baulichen und organisatorischen Verbesserungen – insbesondere in der Zentralen Notaufnahme und in Wartebereichen – gehören regelmäßige Deeskalationstrainings, ein interdisziplinärer Qualitätszirkel sowie der Ausbau der psychologischen Krisenintervention heute zum Präventionskonzept. "Deeskalation ist für uns weit mehr als eine Methode – sie ist Ausdruck einer Haltung. Wir wollen ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem Sicherheit, Respekt und professionelle Zusammenarbeit selbstverständlich sind", sagt Geschäftsführerin Brigitte Götz-Paul. "Prävention ist für uns kein Zusatz, sondern ein zentraler Bestandteil unserer Verantwortung als Arbeitgeber und Gesundheitsversorger. Wir setzen auf Qualifizierung, Austausch und konkrete Maßnahmen, um die Sicherheit unserer Mitarbeitenden nachhaltig zu stärken."
Die Beschäftigten selbst spielen im Konzept zur Gewaltprävention eine zentrale Rolle. So verfügt das Klinikum über zwei ausgebildete Deeskalationstrainerinnen, Krankenschwester Claudia Plohmann und Ergotherapeutin Ina Schwarze. Beide engagieren sich auch als Testimonials für die Kampagne #GewaltAngehen.
Für Plohmann war eine eigene Gewalterfahrung Auslöser für die Beschäftigung mit dem Thema. "Gewaltprävention ist für mich eine Grundvoraussetzung für gute Pflege. Beschäftigte kümmern sich täglich um Menschen in schwierigen Lebenssituationen und sollten dabei keine Angst vor verbalen oder körperlichen Übergriffen haben müssen. Ein sicherer und respektvoller Arbeitsplatz schützt nicht nur die Mitarbeitenden, sondern verbessert auch die Qualität der Versorgung", schildert sie. "Wenn Respekt im Arbeitsalltag fehlt und Beleidigungen oder Gewalt hinzukommen, hinterlässt das Spuren. Umso wichtiger ist es, dass Betroffene Unterstützung erfahren und wissen, dass sie mit solchen Erlebnissen nicht allein sind."
Neben der Prävention setzt das BG Klinikum Duisburg auf die frühzeitige Unterstützung von Mitarbeitenden nach belastenden oder bedrohlichen Situationen. Das Klinikum hat den Bereich der Krisenintervention gezielt ausgebaut, um Mitarbeitende nach kritischen Ereignissen zeitnah professionell zu unterstützen. Hochspezialisierte Trauma-Psychotherapeutinnen und -Psychotherapeuten begleiten Betroffene unmittelbar nach belastenden Erlebnissen. Aufgrund der hohen Inanspruchnahme wurde das Angebot zuletzt weiter verstärkt. Damit verbindet das Klinikum Prävention mit konkreter Unterstützung und übernimmt aktiv Verantwortung für die psychische Gesundheit seiner Mitarbeitenden.
Wichtig sei zudem, sich mit den Ursachen von Gewalt zu befassen. Dieser Ansatz spielt für Ina Schwarze eine wichtige Rolle in der Gewaltprävention: „Patientinnen und Patienten sind durch den fremdbestimmten Alltag in der Klinik oft sehr angespannt, haben Ängste oder Sorgen. Ich habe im Arbeitsumfeld viele Extremsituationen gesehen“, so Schwarze. "Deeskalationstrainings helfen dabei, sich in andere Personen hineinzuversetzen, entsprechend zu agieren, Lösungen anzubieten und möglichst viele Konfliktsituationen zu verhindern."
Informationen zur Kampagne #GewaltAngehen sowie zu den Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung gibt es unter www.gewalt-angehen.de.
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