Untersuchung von dynamischen Büroarbeitsplätzen (IFA Report 4/2014)

Bild: Titelseite des IFA Reports 4/2014

Kurzfassung: Durch die stete Reduktion der physischen Arbeitslast und die steigende Anzahl an Büro- und Bildschirmarbeitsplätzen sind zunehmend mehr Beschäftigte von physischer Inaktivität am Arbeitsplatz betroffen. Die möglichen Folgen können Muskel-Skelett- und Herz-Kreislauf-Beschwerden sein. Meist können die negativen Folgen nicht allein durch eine aktive Freizeitgestaltung ausgeglichen werden, sodass eine Erhöhung der physischen Aktivität am Arbeitsplatz angestrebt werden sollte. Daher wurden verschiedene Konzepte zu „dynamischen Büroarbeitsplätzen“ entwickelt, die leichte physische Aktivität mit der Ausführung von Bürotätigkeiten verbinden. Zwei dieser dynamischen Arbeitsplätze (Laufband und Sitzergometer) wurden in der vorliegenden Untersuchung mit je zwei Intensitäten sowie als Referenz ein konventioneller Sitz- und ein Steharbeitsplatz in einer Laborstudie getestet. Hierbei wurden je fünf standardisierte Bürotätigkeiten ausgeführt. Zwölf Versuchspersonen (je sechs männlich und weiblich) nahmen freiwillig an der Studie teil, wobei diese die Arbeitsstationen und die dort zu erledigenden Tätigkeiten in einer randomisiert festgelegten Reihenfolge bearbeiteten. Die Erfassung der Körperhaltungen und physischen Aktivität sowie von Muskelaktivität (M. erector spinae und M. trapezius p. descendens), Herzfrequenz und Energieumsatz erfolgte mithilfe des CUELA-Messsystems. Die Arbeitsleistung der fünf Tätigkeiten wurde dokumentiert. Die subjektive Einschätzung der Arbeitsleistung und die Meinung der Untersuchten zu den Arbeitsstationen wurden mittels Fragebögen erhoben. Die Ergebnisse zeigen, dass die Körperhaltung an den dynamischen Arbeitsstationen vergleichbar zu denen an den jeweiligen konventionellen Gegenstücken ist. Im Vergleich zum konventionellen Sitzarbeitsplatz sind die Werte der Muskelaktivität nur für wenige Tätigkeiten an den anderen Arbeitsstationen signifikant höher, die der physischen Aktivität, Herzfrequenz und des Energieumsatzes hingegen in den meisten Fällen an den dynamischen Arbeitsstationen signifikant höher. Die objektiv ermittelte Arbeitsleistung war bei dynamischen Arbeitsstationen lediglich für Tätigkeiten mit der PC-Maus signifikant schlechter, ansonsten gab es keine Unterschiede. Subjektiv schätzten die Testpersonen allerdings ihre Arbeitsleistung an den dynamischen Arbeitsstationen schlechter ein als an den konventionellen. Auch der Komfort der dynamischen Arbeitsstationen wurde tendenziell als geringer beurteilt, sodass hier noch Potenzial für Weiterentwicklungen hin zu ergonomisch besser gestalteten dynamischen Arbeitsstationen besteht.

Botter, J.; Burford, E.M.; Commissaris, D.; Könemann, R.; Hiemstra-van Mastrigt, S.; Douwes, M.; Weber, B.; Ellegast, R.: Untersuchung von dynamischen Büroarbeitsplätzen (IFA Report 4/2014). Hrsg.: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), Berlin 2014
ISBN: 978-3-86423-110-0
ISSN: 2190-7994