Gefahrenschwerpunkt Frachtcontainer

Containerbeladung im Hafen

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Containerumschlag
Bild: Kirk R. Williams, Berufsgenossenschaft für Transport und Verkehrswirtschaft

Etwa 90 Prozent des globalen Güterverkehrs erfolgen heute mithilfe von Frachtcontainern. Allein in den deutschen Seehäfen werden jährlich rund 15 Mio. Transporteinheiten umgeschlagen. Das Öffnen und Entladen von Frachtcontainern kann mit vielfältigen Gefährdungen und Gesundheitsrisiken für den Menschen verbunden sein. Davon betroffen sind zum Beispiel Beschäftigte, die im Hafen Frachtcontainer für Kontrollzwecke oder zum Umladen der Ware zu öffnen haben, aber insbesondere auch die Empfänger der Güter im Binnenland. Nach Erhebungen deutscher Hafenbehörden sind bis zu 20 % der auf dem Seeweg eintreffenden Frachtcontainer mit gesundheitsgefährlichen Gasen und Dämpfen belastet.

Im Rahmen des "Internationalen Pflanzenschutzübereinkommens" (IPPC) der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) müssen Verpackungshölzer zum Verhindern der Verschleppung von Schadorganismen wie Pilzen oder Insekten in andere Gebiete der Erde vor dem Verschiffen behandelt werden. Dies geschieht entweder mit hochtoxischen Begasungsmitteln oder durch Hitzebehandlung. Vorgaben zur praktischen Umsetzung des Übereinkommens macht die "Richtlinie zur Regelung von Holzverpackungsmaterial im Internationalen Handel" (ISPM Nr. 15). Die Maßnahmen beziehen sich nicht nur auf Holz als Verpackungsmaterial, sondern auch auf Hölzer und Holzerzeugnisse als Transportgut sowie weitere Naturstoffe, die Schadorganismen übertragen können.

Rund 25 % der belasteten Frachtcontainer enthalten Rückstände von Begasungsmitteln. Der größere Anteil von ca. 75 % enthält Reste von Industriechemikalien, das heißt Rückstände aus dem Herstellungsprozess der Waren. Während die Anzahl der zugelassenen Begasungsmittel begrenzt ist und für begaste Frachtcontainer Kennzeichnungsvorschriften gelten, ist die Palette der Industriechemikalien je nach Produkt und Hersteller beliebig groß. Darüber hinaus gibt es keine äußeren Kennzeichen für belastete Frachtcontainer. Dies macht es in der betrieblichen Praxis schwer, belastete von unbelasteten Frachtcontainern zu unterscheiden.

Bei unzureichender oder fehlender Begasung oder bei Hitzebehandlung kommt es gelegentlich vor, dass die Güter selbst oder auch das Ladungssicherungs- und Transportmaterial – wie z. B. Holzpaletten – mit Schimmel befallen sind und somit Schimmelsporen in die Containerluft emittieren. Die mit Begasungsmittelrückständen, Industriechemikalien oder mit Schimmel belastete Containerluft kann beim Einatmen zu einer Gesundheitsgefährdung der Beschäftigten führen, wenn diese Frachtcontainer unsachgemäß öffnen und entladen.

Begaste Frachtcontainer sind nach international geltenden Transportvorschriften mit Warnhinweisen zu kennzeichnen. Häufig fehlen diese Kennzeichnungen jedoch oder weisen Mängel auf, sodass sich entlang der Lieferkette immer wieder unerwartete gefährliche Situationen ergeben und Unfälle ereignen. Als "begast" geltende Frachtcontainer dürfen nach der Gefahrstoffverordnung nur durch sach- oder fachkundige Personen geöffnet werden. In der Technischen Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 512 "Begasungen" werden Merkmale, die als Hinweise auf Begasungsmittel gelten, aufgeführt. Beim Vorliegen dieser Merkmale sind einschlägige Schutzmaßnahmen vorgeschrieben, und erst nach längeren Belüftungsphasen und messtechnischer Überprüfung des Innenraumes darf eine Freigabe des Frachtcontainers erfolgen. Entsprechende Regelungen fehlen jedoch für Industriechemikalien, mechanische Gefährdungen und biologische Agenzien.

Neben chemischen und biologischen Gefährdungen sind nicht zuletzt auch mechanische Gefährdungsmöglichkeiten zu beachten. So können z. B. Unfälle verursacht werden beim Öffnen der Containertüren aufgrund verrutschter Ladung oder beim Entfernen von Ladungssicherungen.

Die möglichen Gefährdungen und Belastungen beim Umgang mit Frachtcontainern müssen vor der Aufnahme von Arbeiten im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung abgeklärt werden.

Die auf diesen Seiten zusammengestellten Informationen wurden zusammengetragen von einer Arbeitsgruppe der gewerblichen Berufsgenossenschaften und des IFA in Zusammenarbeit mit Fachleuten staatlicher Stellen sowie weiteren Fachleuten aus der betrieblichen Praxis.

Die Gefährdungsbeurteilung und somit der Schutz der Beschäftigten bei ihrer Arbeit ist das zentrale Anliegen dieser Internetseiten. Dazu werden die möglichen Gefährdungen und die geeigneten Schutzmaßnahmen sowie ein Dokumentationsschema (PDF, 725 kB) für die Gefährdungsbeurteilung dargestellt.

Informationsportal "Gefährliche Container"

Zielgruppen:

Personen, die Tätigkeiten mit, an oder in Containern durchführen
Sie sollen über mögliche Gefährdungen, erforderliche Schutzmaßnahmen und zu beachtende Vorschriften informiert werden.

Ärztliches Personal und Rettungsdienste, die auf Menschen treffen, die infolge von Tätigkeiten mit Containern möglicherweise Einwirkungen chemischer oder biologischer Agenzien ausgesetzt waren.