Gesunde Soziale Arbeit – Gesundheitsrisiken und Präventionspotentiale bei Sozialarbeitenden in Deutschland

Projekt-Nr. UVT BGW1694

Status:

abgeschlossen 05/2026

Zielsetzung:

Sozialarbeitende sehen sich mit steigenden Anforderungen hinsichtlich Flexibilität und erhöhter psychischer Belastung konfrontiert. In der Berufsgruppe zeigten sich eine hohe Burnout-Gefährdung und ein hoher Krankenstand. Es ist bislang unklar, inwieweit die veränderten Arbeitsbedingungen Einfluss auf die psychischen Belastungen und Beanspruchungsfolgen bei Sozialarbeitenden haben. Die Covid-19-Pandemie und der zunehmende Fachkräfteengpass verschärften die Situation. Das Hauptziel der Studie ist es, die berufsbedingten psychischen Belastungen und Beanspruchungsfolgen von Sozialarbeitenden in Deutschland systematisch zu erfassen, zu analysieren und Handlungsimplikationen abzuleiten. Es sollen umfangreiche Daten gewonnen werden, die eine detaillierte Analyse der arbeitsbezogenen psychischen Belastungen und ihrer Folgen sowie einen Vergleich mit anderen Berufszweigen und -gruppen ermöglichen. Über den Einblick in die spezifischen Belastungsfaktoren und der damit einhergehenden gesundheitlichen Folgen hinaus, dienen die Ergebnisse als Grundlage für die Entwicklung von Präventions- und Gesundheitsförderungsmaßnahmen. Diese können zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Sozialen Arbeit beitragen.

Aktivitäten/Methoden:

Es wurde eine explanative Studie mit quantitativen empirischen Methoden durchgeführt: Mittels Online-Fragebogen wurden die psychosozialen Arbeitsbedingungen und gesundheitsbezogenen bzw. motivationalen Outcomes bei Sozialarbeitenden in Deutschland über mehrere Zugänge abgefragt. Der Einsatz des Copenhagen Psychosocial Questionnaire (COPSOQ) ermöglicht Vergleiche mit Referenzdaten von allen anderen Berufen aus der COPSOQ-Datenbank. Der COPSOQ ist als Screening-Instrument zur Erfassung psychischer Belastungen und Beanspruchungsfolgen am Arbeitsplatz konzipiert. Ferner werden im Fragebogen ein Zusatzmodul des COSPOQ zu sexueller Belästigung am Arbeitsplatz sowie Items zu Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung integriert. Es wurden folgende Auswertungsmethoden zur Datenanalyse angewandt: Exploration, deskriptive Statistik sowie Inferenzstatistik (hier insbesondere Korrelations- und Regressionsanalysen sowie Mittelwertunterschiede). Es erfolgten Mittelwertsvergleiche zwischen dem generierten Sample der Sozialarbeitenden in Deutschland und anderen Berufsgruppen, die aus der COPSOQ-Datenbank entnommen wurden. Die Ergebnisse liefern Hinweise auf Präventionspotenziale. Über den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn hinaus wurden Implikationen für die Praxis und Politik abgeleitet.

Ergebnisse:

Die Ergebnisse zeigen, dass Work-Privacy-Konflikte (β=0,36; p<0,001), das Verbergen von Emotionen (β=0,14; p=0,001), Entgrenzung (β=0,13; p=0,002), emotionale Anforderungen (β=0,11; p=0,009) sowie die Arbeitsumgebung (β=0,09; p=0,026) Burnout-Symptome signifikant vorhersagten. Umgekehrt sagte die Verbundenheit zum Arbeitsplatz das Arbeitsengagement voraus (β=0,37; p<0,001). Die multiple Regressionsanalyse ergab keinen signifikanten prädiktiven Einfluss von Arbeitsressourcen auf Burnout-Symptome. Darüber hinaus lässt sich schlussfolgern, dass Sozialarbeitende in Deutschland im Vergleich zu anderen Berufsgruppen von herausfordernden Arbeitsbedingungen und höheren Beanspruchungsfolgen, wie beispielsweise Burnout-Symptomen, berichten. Sozialarbeitende gaben höhere emotionale Anforderungen (d=1,24; p<0,001) und Burnout-Symptomen (d=0,54; p<0,001) an als andere Berufsgruppen, verfügten jedoch auch über mehr berufliche Ressourcen wie Einfluss auf die Arbeit (d=0,56; p<0,001) und Entwicklungsmöglichkeiten (d=0,47; p<0,001).

Sozialarbeitende in Deutschland weisen damit ein ambivalentes Profil auf: Einerseits berichten sie von hohen Ressourcen; andererseits sehen sie sich hohen Anforderungen gegenüber, die Burnout-Symptome begünstigen können. Insgesamt erscheint es unerlässlich, die beruflichen Ressourcen zu stärken und gleichzeitig Anforderungen zu reduzieren, um die Gesundheit, das Wohlbefinden von Sozialarbeitenden in Deutschland nachhaltig zu fördern.

Stand:

27.08.2026

Projekt

Gefördert durch:
  • Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)
Projektdurchführung:
  • Universität Kassel
Branche(n):

-branchenübergreifend-

Gefährdungsart(en):

Arbeitsbedingte Erkrankungen

Schlagworte:

Arbeitsplatzgestaltung, Gesundheitliche Beeinträchtigungen und Störungen, Psychische Beanspruchung/Belastung

Weitere Schlagworte zum Projekt:

Gesundheitsrisiken, Sozialarbeit