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Stürze durch Ausrutschen, Stolpern, Umknicken oder Fehltreten zählen seit Jahren zu den häufigsten Unfallursachen in deutschen Unternehmen und Einrichtungen. Nach Angaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) entfallen rund 25 % aller meldepflichtigen Arbeitsunfälle auf dieses Unfallgeschehen. Insbesondere im Bereich von Verwaltungs- und Büroarbeitsplätzen werden die damit verbundenen Gefährdungen oft unterschätzt. Die häufig unscheinbaren Gefahrenquellen – lose Teppichkanten, rutschige Eingangsbereiche oder unübersichtliche Treppenhäuser – können jedoch schwerwiegende Folgen haben, wie längere Ausfallzeiten oder dauerhafte Gesundheitsschäden.
Vor diesem Hintergrund haben sich die DGUV und die Unfallkasse Baden-Württemberg (UKBW) das gemeinsame Ziel gesetzt, eine innovative Anwendung zu entwickeln, die diese Gefährdungen realitätsnah und wirkungsvoll vermittelt. Mit Hilfe einer Virtual-Reality-Anwendung (VR-Anwendung) sollen Beschäftigte, Führungskräfte sowie weitere Zielgruppen wie Sicherheitsbeauftragte für typische Gefahrensituationen sensibilisiert und zu sicherem Verhalten befähigt werden. Der immersive Charakter der VR-Technologie ermöglicht es, Gefahrensituationen erlebbar zu machen – ohne reale Risiken – und somit Lernprozesse effektiver zu gestalten als mit klassischen Schulungsmethoden.
Im Rahmen einer Kooperation soll für das Aktionsthema "Stürzen, Stolpern, Ausrutschen" eine modulare Virtual-Reality-Software entwickelt werden, die gezielt auf die Anforderungen des Büro- und Verwaltungsumfelds abgestimmt ist. Die Anwendung basiert auf Erfahrungen aus dem Projekt ENTRAPon und vom BGHWmobil, wird jedoch neu konzipiert. Für die Anwendung wird ein wissenschaftlich anerkanntes Human-Factors-Konzept zur strukturierten Entwicklung virtueller Umgebungen verwendet (Eastgate et al. 2015). Sie ist als mobile Variante vorgesehen und soll mit handelsüblichen VR-Brillen, Controllern oder Handtracking betrieben werden. Die Software umfasst drei bis vier virtuelle Räume – darunter Büroarbeitsplätze, Treppenhäuser und Eingangsbereiche – in denen jeweils mehrere Gefahrenstellen realistisch umgesetzt werden. Nutzende bewegen sich frei durch die virtuelle Umgebung (360-Grad-Begehung) und haben die Aufgabe, Gefährdungen zu erkennen und adäquate Maßnahmen zu ergreifen. Durch ein integriertes virtuelles Menü, Auswahlmöglichkeiten zu Gegenmaßnahmen und direkte Rückmeldungen im Spielverlauf wird ein interaktiver Lerneffekt erzeugt. Ergänzend werden Gamification-Elemente wie Punktesysteme, Zeitvorgaben und eine Endauswertung eingesetzt, um Motivation und Wiederholungswert zu erhöhen. Storytelling-Ansätze sorgen dafür, dass die Nutzenden nicht nur Gefahren erkennen, sondern aktiv in deren Beseitigung eingebunden werden.
Das Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) übernimmt dabei die technische Entwicklung und koordiniert die Erstellung der Software und berät zur Auswahl geeigneter VR-Hardware, während die UKBW die fachliche und inhaltliche Zuarbeit leistet. Die Qualifikation von Fachpersonal für den späteren eigenständigen Einsatz der Software ist ebenso vorgesehen. Der Prototyp soll innerhalb des UKBW-Aktionsthemas "Stürzen, Stolpern, Ausrutschen" ab Herbst 2025 eingesetzt werden und steht perspektivisch auch weiteren Unfallversicherungsträgern zur Verfügung.
Verwaltungen
Gefährdungsart(en):Gestaltung von Arbeit und Technik, Mechanische Gefährdungen, ungünstige Arbeitsumgebung
Schlagworte:Sturz- und Absturzgefährung
Weitere Schlagworte zum Projekt:Virtuelle Realität, Stürzen, Stolpern, Ausrutschen, VR
Unfallprävention im Einzelhandelsszenario mithilfe von Techniken der virtuellen Realität (BGHWmobil):
https://www.dguv.de/ifa/forschung/projektverzeichnis/ifa5173.jsp