abgeschlossen 03/2026
Primäres Ziel des Vorhabens war es, die Rate behandlungspflichtiger Rezidive operativ therapierter chronischer Subduralhämatome (cSDH) durch eine zusätzliche endovaskuläre Embolisation der frontalen sowie parietalen Äste der Arteria meningea media (MMA) zu senken. Als primärer Endpunkt wurde das Auftreten eines Rezidivs des cSDH nach operativer Therapie untersucht. Zur Überprüfung des primären Endpunkts wurde als primäre Hypothese propagiert, dass eine zusätzliche Embolisation der MMA innerhalb eines Beobachtungszeitraums von drei Monaten zu einer Senkung der Rezidivrate operativ therapierter cSDH führt. Der Eintritt des prognostizierten Therapieerfolgs einer Reduzierung des Rezidivrisikos ginge einerseits mit der Vermeidung rezidivassoziierter Komplikationen wie neurologischen Ausfällen, eines komatösen Zustands oder Todes der Erkrankten einher. Andererseits könnten so Nachfolgeoperationen zur Entlastung der cSDH vermieden werden, die mit erhöhter Morbiditat und Mortalitat assoziiert sind. Die genesenen Personen im erwerbsfähigen Alter könnten somit rascher an ihren Arbeitsplatz zurückkehren und mit höherer Wahrscheinlichkeit ohne Erwerbsfähigkeitsminderung wieder in ihren Beruf einsteigen.
Anhand einer randomisiert-kontrollierten Studie wurden die Patientinnen oder Patienten zufällig entweder der Kontrollgruppe oder der Interventionsgruppe zugeteilt. Während die Personen im Kontrollarm nach dem aktuell etablierten Behandlungsstandard therapiert wurden, erhielt die Interventionsgruppe eine zusätzliche Embolisation der MMA mittels digitaler Subtraktionsangiographie. An der Studie teilnahmeberechtigt waren alle volljährigen Personen, die mittels einer oder mehrerer Bohrlochtrepanationen an der Erstmanifestation eines cSDH am UKB operiert wurden. Basierend auf publizierten Daten wurde eine Differenz der Rezidivrate von 20 % zwischen Kontroll- und Interventionsgruppe innerhalb von drei Monaten angenommen. Bei einer Power von 80 % und einem Signifikanzniveau von 5 % ergab sich eine auswertbare Stichprobengröße von 138 (69 pro Gruppe), um eine statistisch signifikante Differenz nachweisen zu können. Nach Erreichen der Hälfte der Zielstichprobe wurde eine a priori geplante Interimsanalyse nach O’Brien-Fleming durchgeführt. Bei einer signifikanten Überlegenheit der experimentellen Therapie oder einem deutlich geringeren Effekt als erwartet sollte die Studie vorzeitig beendet werden.
Von den 93 randomisierten Patientinnen und Patienten konnten im Rahmen der Interimsanalyse 64 für die Auswertung des primären Endpunkts berücksichtigt werden. Das mittlere Alter betrug 74,6 ± 13,3 Jahre; 66,7 % der Teilnehmenden waren männlich. In der Interventionsgruppe entwickelten 5 von 26 Personen (19,2 %) ein Rezidiv eines chronischen Subduralhämatoms (cSDH), verglichen mit 9 von 38 (23,7 %) in der Kontrollgruppe (p = 0,672). Revisionsoperationen waren in der Interventionsgruppe nicht erforderlich, während sie in der Kontrollgruppe bei vier Patienten/-innen (10,5 %) durchgeführt wurden (p = 0,140). Unerwünschte Ereignisse im Zusammenhang mit der MMAE traten nicht auf. Die geringe Risikodifferenz zwischen den Studiengruppen zum Zeitpunkt der Interimsanalyse führte zum vorzeitigen Studienabbruch. Unter Berücksichtigung der Limitationen und internationaler Studiendaten liefert die MEMBRANE-Studie Hinweise auf die Sicherheit der MMAE und deren potenziellen Nutzen zur Rezidivprävention des cSDH im klinischen Alltag. Infolgedessen wurde im klinischen Routinebetrieb die regelhafte Evaluation der Indikation zur zusätzlichen MMAE implementiert. Insbesondere bei Versicherten mit gerinnungsaktiv therapierten Vorerkrankungen ist eine Steigerung der Behandlungssicherheit durch die MMAE absehbar.
-branchenübergreifend-
Gefährdungsart(en):-Verschiedenes-
Schlagworte:Rehabilitation, Unfall
Weitere Schlagworte zum Projekt:Subduralhämatom, Arteria meningea media, Schädelhirntrauma