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Im Lehrerberuf gesund und motiviert bis zur Rente - Wege der Prävention und Personalentwicklung

Projekt-Nr. FF-FP 0314

Status:

abgeschlossen 10/2014

Zielsetzung:

Das Projektziel basierte auf einen praxisorientierten Beitrag zur Verlängerung der Verweildauer im Lehrerberuf. Ergänzend zum klassischen Präventionsansatz sollten für definierte berufsbezogene Phasen (Bewerberauswahl, Ausbildung, Berufsleben, Berufswechsel) im Lehrerberuf Möglichkeiten eruiert werden, möglichst lange im Lehrerberuf zu verweilen und umsetzbare Lösungen für alternative Berufswege (Karrieremodelle) aufzuzeigen. Dazu war geplant, ein zukunftsfähiges Konzept zu Präventions- und Personalentwicklungsstrategien sowie einen strategischen Leitfaden für das betriebliche Eingliederungsmanagement im Schulbereich vorzulegen. Parallel dazu erfolgte der Aufbau eines Netzwerkes zur präventiven und rehabilitativen Betreuung für den Schulbereich.

Aktivitäten/Methoden:

Es erfolgte zunächst eine Risikoanalyse, um Daten zur Arbeitsunfähigkeit sowie zur Frühberentung und zum betrieblichen Eingliederungsmanagement bereitzustellen. Durch Befragungen, Interviews und Fokus-Group-Discussions mit Experten sowie durch Verwendung der standardisierten Vitalitätsdiagnostik wurden Frühwarnindikatoren für frühzeitige Dienstunfähigkeit eruiert. Die Datenerhebung erfolgte mit Betriebsärzten als auch verschiedenen Lehrergruppen (z. B. erwerbstätige vs. langzeitkranke Lehrkäfte). Zudem wurden Strategien der innerbetrieblichen Personalentwicklung für Lehrkräfte erprobt. Ableitend daraus wurde ein Leitfaden für ein optimiertes betriebliches und überbetriebliches Eingliederungsmanagement entwickelt, der u. a. Schulleitern und Betriebsärzten Empfehlungen zum Umgang mit langzeiterkrankten Lehrkräften anbietet.

Ergebnisse:

Lehrberufe benötigen eine qualifizierte, den Besonderheiten ihrer Tätigkeit gerecht werdende betriebsärztliche Betreuung in einem interdisziplinären Kompetenznetzwerk. Die Pflicht zur betriebsärztlichen Betreuung von Lehrberufen wird in den Bundesländern äußerst unterschiedlich umgesetzt. Das Ziel, dass Lehrkräfte auch noch am Ende ihrer regulären Lebensarbeitszeit leistungsfähig, gesund und zufrieden sind, könnte durch ein präventives Gesamtkonzept, bestehend aus Maßnahmen des Arbeits‐ und Gesundheitsschutzes und der Gesundheitsförderung, erreicht werden. Die arbeitsmedizinisch‐psychologische Betreuung nach dem Dresdner Modell hat beim Erhalt und der Förderung von Arbeitsfähigkeit und Gesundheit als "Frühwarnsystem" eine zentrale Bedeutung. Sie erfolgt in Kooperation mit anderen in die Lehrergesundheit involvierten Fachrichtungen und Partnern. Das Betreuungskonzept konzentriert sich nicht nur auf die beruflichen Risiken (Belastungsfaktoren) und deren Vermeidung, sondern beachtet auch die Ressourcen des Lehrerberufes und ihre Nutzung (salutogenetischer Ansatz), und zwar unter Beachtung der individuellen altersabhängigen Leistungsveränderungen und Potenziale. Das präventive Gesamtkonzept muss Lernprozesse sowie einen wirksamen Transfer von Erfahrungswissen innerhalb der Entwicklungsphasen/Einstiegsphase (25+), Karrierephase (35+), Senioritätsphase (50+) im Lehrerberuf integrieren und bereits bei Gymnasiasten mit dem Studienwunsch Lehramt und den Lehramtsstudenten ansetzen.

In Abhängigkeit der jeweiligen Berufsphase – von den Berufseinsteigern bis zu den länger im Erwerbsprozess befindlichen oder erkrankten Lehrkräften – sollten geeignete Maßnahmen ergriffen werden, die Belastungserleben und Gesundheitsgefährdungen reduzieren. Solche Maßnahmen beginnen mit der Eignungsüberprüfung von Lehramtskandidaten und setzten sich fort mit dem Verfügbarmachen unterstützender Strukturen, abhängig von der Lebenssituation der Lehrkräfte (z. B. betriebsärztliche Vorsorge, betriebliches Eingliederungsmanagement) sowie abgestimmte Fort-/Weiterbildungs- und Personalentwicklungsstrategien. Dadurch soll eine primärpräventiv orientierte Unterstützung der Lehrkräfte über die gesamte Erwerbsbiografie hinweg gewährleistet werden. Zu jeder dieser berufsbezogenen Phasen wurden im Projekt Maßnahmen entwickelt und erprobt:

  • Gymnasiasten mit Studienwunsch Lehramt und Lehramtsstudenten: Verfahren zur Selbsterkundung der Passfähigkeit von beruflichen Anforderungen und individuellen Persönlichkeitsvoraussetzungen für am Lehrerberuf Interessierte (SELIG – Online‐Tool)
  • Lehrkräfte: arbeitsmedizinisch‐psychologische Vorsorge (Betreuung) – Frühwarnsystem entsprechend dem Dresdner Modell
  • Schulleiter, Personalräte, BEM‐Verantwortliche, Betriebsärzte: Weiterbildung zum betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) sowie zur Belastungs‐ und Gesundheitssituation von Lehrkräften, Handlungsleitfaden BEM,
  • Berufswechsler: Sammlung beruflicher Alternativen, Karrierematrix, Prozessbeschreibung

Das Konzept kann zur Verminderung von Fehlzeiten bzw. Reduzierung von Folgekosten arbeitsbedingter Erkrankungen für verschiedene Sozialversicherungsträger, vor allem im kurativen Bereich des Gesundheitssystems und im Rentenbereich, beitragen. Als mögliche Nutzer kommen die in die Lehrergesundheit involvierten Anwender (Arbeitsmediziner, Präventionsbeauftragte etc.) wie auch Sozialpartner (Kranken‐/Unfallversicherungen) in Betracht.

Stand:

15.01.2015

Projekt

Gefördert durch:
  • Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V. (DGUV)
Projektdurchführung:
  • Technische Universität Dresden
Branche(n):

Öffentlicher Dienst

Gefährdungsart(en):

Mehrfachbelastungen

Schlagworte:

Prävention, Arbeit und Alter, Bildung

Weitere Schlagworte zum Projekt:

Lehrer, Personalentwicklung, mein nächster Beruf