abgeschlossen 02/2026
Re-Analyse
Die Re-Analyse einer retrospektiven Kohortenstudie mit deutschen Fabrikarbeitern zur Lungenkrebsmortalität nach Titandioxid (TiO2)-Exposition unter Berücksichtigung des Rauchverhaltens (Beobachtungszeit 1950 bis 1999).
Machbarkeit
Die Überprüfung der Machbarkeit eines Record Linkage zwischen Kohortendaten und den Landeskrebsregistern Niedersachen und Nordrhein-Westfalen, um die Studiendaten mit Mortalitätsinformationen ab dem Jahr 2000 zu ergänzen.
Re-Analyse
Die Studie untersucht eine historische Arbeiterkohorte (N = 7 410) aus drei deutschen TiO2-produzierenden Fabriken (1950 bis 1999). Die Lungenkrebsmortalität in der Kohorte wurde mit jener in der Allgemeinbevölkerung verglichen (externer Mortalitätsvergleich). Dafür wurden standardisierte Mortalitäts-Ratios (SMR) berechnet, nach Expositionsniveau stratifiziert und indirekt für Rauchen adjustiert. Weiterhin wurde innerhalb der Kohorte der Zusammenhang zwischen der Höhe der TiO2-Exposition und der Lungenkrebsmortalität untersucht (interner Vergleich). Hierfür wurde das Hazard Ratio (statistisches Maß) für Tod durch Lungenkrebs mithilfe von Cox-Regressionen (statistisches Verfahren zur Analyse von Überlebenszeiten) bei um 0/10/20 Jahre verzögerter Exposition modelliert, für fünf berufliche Co-Expositionen adjustiert und nach Rauchstatus stratifiziert.
Machbarkeit
Für die Machbarkeitsprüfung waren genaue Absprachen mit den zuständigen Landeskrebsregistern über die konkreten Abläufe erforderlich, die Entwicklung eines Datenschutzkonzeptes und weiterhin die Einholung eines positiven Votums der zuständigen Ethikkommission. Die drei deutschen TiO2-produzierenden Fabriken waren über das gesamte Vorhaben (Re-Analyse und Machbarkeitsprüfung) zu informieren.
Re-Analyse
Insgesamt 4 862 Männer erfüllten alle Einschlusskriterien. Frauen (n = 347) wurden wegen geringer Gruppengröße von den Analysen ausgeschlossen. Rauchdaten lagen für 55 % der männlichen Kohorte vor. Im Beobachtungszeitraum (1950 bis 1999) sind 67 % mehr Arbeiter an Lungenkrebs verstorben, als es aufgrund der Altersstruktur zu erwarten gewesen wäre; ein Trend über Expositionsterzile war nicht ersichtlich. Es wurde zudem ein geringgradiger Zusammenhang zwischen der Höhe der kumulativen TiO2-Exposition und Lungenkrebsmortalität bei Nichtrauchern gefunden (bei um 20 Jahre verzögerter Exposition), jedoch nicht bei Rauchern. Wendet man das unter Nichtrauchern ermittelte HR auf median exponierte Arbeiter der Kohorte an, ergibt sich ein um 47 % erhöhtes Risiko, an Lungenkrebs zu versterben.
Machbarkeit
Beide Krebsregister befürworteten grundsätzlich ein Record Linkage zwischen kryptografierten Stammdaten der Kohorte (Namen, Adresse, Geburtsdatum) und den ebenfalls verschlüsselten Stammdaten der Krebsregister. Ein Detailkonzept zur konkreten Umsetzung des Record Linkage sowie die dazu erforderlichen datenschutzrechtlichen Grundlagen wurden erarbeitet und durch die zuständigen Fachgremien der Register und Beauftragte für den Datenschutz genehmigt. Ein positives Votum der Ethik-Kommission der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz wurde eingeholt. Vertreter der TiO2-produzierenden Fabriken baten darum, über neue Ergebnisse informiert zu werden. Die Umsetzung des Record Linkage ist für 2026 geplant. Damit wird die Grundlage für eine Analyse der Kohorte mit aktualisierten Mortalitätsdaten geschaffen.
-branchenübergreifend-
Gefährdungsart(en):Arbeitsbedingte Erkrankungen
Schlagworte:Exposition
Weitere Schlagworte zum Projekt:Titandioxid, Lungenkrebs