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Achtung Blaulicht – Evaluation des Trainings "Verkehrssicherheit bei Einsatzfahrten" des DVR und der DGUV

Projekt-Nr. FF-FP 0366

Status:

abgeschlossen 11/2017

Zielsetzung:

Der Verkehrssicherheitsrat und die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung haben vor einigen Jahren ein eintägiges simulatorbasiertes Verkehrssicherheitstraining speziell für Einsatzfahrten entwickelt. Ziel der vorgelegten Studie war es herauszufinden, wie sich das Training auf die Verkehrssicherheit von Sondersignalfahrten im Rettungsdienst auswirkt. Dazu wurde eine multimethodale Evaluation für verschiedene Aspekte der vier Ebenen Reaktion, Lernen, Verhalten und Resultate durchgeführt. Der Einfluss weiterer Faktoren, wie etwa Erfahrung der Fahrerinnen und Fahrer oder Zusammensetzung der Trainingsgruppen, auf die Wirksamkeit des Trainings wurden überprüft und Verbesserungsmöglichkeiten und notwendige Rahmenbedingungen für den Trainingserfolg abgeleitet.

Aktivitäten/Methoden:

Um die für die Evaluierung notwendige eindeutige Rückführung der Effekte auf das Training zu ermöglichen, wurde ein erweitertes Interventions-/Kontrollgruppendesign gewählt, bei dem die Kontrollgruppe als Wartegruppe ausgelegt war und eine zusätzliche Gruppe zur Untersuchung reiner Messeffekte herangezogen wurde. Mit einer kontrollierten Prä-Post-Messung (T1-T2) zur Wirksamkeitsprüfung, einer Wartegruppenerhebung (T2-T3) zur Erfassung der Replizierbarkeit und einer weiteren längerfristigen Messung (T4) zur Erhebung der Nachhaltigkeit von Effekten, wurde ein aufwendiges quasiexperimentelles Untersuchungsdesign mit bis zu vier Messzeitpunkten realisiert. Zur Sicherstellung der Generalisierbarkeit wurde das Training in Sachsen sowie im südlichen Bayern jeweils im ländlichen und städtischen Raum durchgeführt. Alle Trainings wurden von demselben Trainer durchgeführt. Teilnehmen konnten alle Rettungsdienstmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, die mindestens 40 Stunden im Monat Rettungstransportwagen, Notarzteinsatzfahrzeuge oder Notarztwagen fahren und deren Rettungsdienstorganisation sich zur Teilnahme an der Studie bereit erklärt hatte. Alle Teilnehmenden wurden möglichst gleichmäßig auf die Untersuchungsgruppen aufgeteilt. Methodisch wurden die Evaluationsebenen wie folgt erfasst: Die Reaktionsebene, die die Akzeptanz und Zufriedenheit mit dem Training beinhaltete, wurde mittels Befragungen direkt nach dem Training und zu unterschiedlichen späteren Zeitpunkten erhoben. Die Lernebene mit den Aspekten der Einstellungsänderung und des Wissenszuwachses wurde mit Fragebögen zu den Themen Risikobereitschaft und Verkehrssicherheit sowie einem wiederholten Wissenstest erfasst. Für die Verhaltensebene wurden neben weiteren Fragebögen reale Einsatzfahrten mithilfe von Fahrprofildaten (u. a. Quer- und Längsbeschleunigung, Geschwindigkeiten) und Videoaufzeichnungen untersucht. Auf der Resultatebene wurden die Belastung und Beanspruchung während des realen Einsatzgeschehens untersucht sowie die Dauer der Einsatzfahrten als wirtschaftliche Kenngröße. Die Erfassung der Beanspruchung erfolgte sowohl mit (schichtbegleitenden) Fragebögen zu kurzfristigen und langfristigen Beanspruchungsfolgen als auch mittels der Messung physiologischer Daten (EKGs) während der Einsätze.

Ergebnisse:

Auf der Reaktionsebene zeigte sich, dass die Teilnehmenden das Training direkt nach der Durchführung sehr positiv und langfristig noch recht gut bewerteten. Auf der Lernebene konnte durch das Training ein signifikanter Wissenszuwachs erzielt werden und die Risikowahrnehmung, v. a. bei Normalfahrten wurde durch das Training erhöht. Dieser Einstellungseffekt war in der Wartegruppe replizierbar, im langfristigen Verlauf jedoch nicht nachhaltig. Auf der Verhaltensebene fanden sich in den Fahrprofilen Verringerungen der mittleren und maximalen Geschwindigkeiten bei Sondersignalfahrten durch das Training. Diese Veränderungen der Geschwindigkeit erwiesen sich sowohl als replizierbar wie auch als nachhaltig. Längerfristig zeigte sich auch eine Verringerung der Längsbeschleunigung. Belastbare Effekte auf der Resultatebene fanden sich nicht, allerdings ist bemerkenswert, dass sich trotz veränderter Geschwindigkeiten die durchschnittliche Dauer der Einsatzfahrten nicht verlängerte. Alle weiteren gemessenen Parameter der Ebenen Lernen, Verhalten und Resultate zeigten keinen Trainingseffekt. Da (überhöhte) Geschwindigkeit zu einem der größten Einflussfaktoren im Unfallgeschehen zählt, sollte mit einer Reduzierung eine Erhöhung der Verkehrssicherheit bei Einsatzfahrten einhergehen. Fasst man alle Ergebnisse des Projekts zusammen, muss abschließend konstatiert werden, dass das Training belastbare (replizierbare und nachhaltige) und positive, wenn auch kleine, Effekte erzielt und ggf. durch einige Maßnahmen (wie z. B. heterogen zusammengesetzte Trainingsgruppen) in seiner Wirksamkeit verbessert werden kann.

Stand:

27.04.2018

Projekt

Gefördert durch:
  • Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V. (DGUV)
Projektdurchführung:
  • IPASUM München
Branche(n):

Gesundheitswesen

Gefährdungsart(en):

Psychische Fehlbelastungen, Mechanische Gefährdungen

Schlagworte:

Prävention, Qualifizierung, Ausbildung, Didaktik etc., Verkehrsunfälle

Weitere Schlagworte zum Projekt:

Blaulicht, Verkehrssicherheit, Einsatzfahrten