FAQ Themenfeld "Erd – und Straßenbau"

  • Wie sind Asphaltarbeiten in Tunneln, Gebäuden und anderen schlecht belüfteten Arbeitsbereichen auszuführen?

    Bei Arbeiten in den genannten Bereichen ist damit zu rechnen, dass die Belastung aus Bitumen und Aerosolen in der Luft aber auch aus den Emissionen von eingesetzten Motoren eine gesundheitsschädliche Konzentration erreichen. Als Schutzmaßnahmen bieten sich an, dass die Einbautemperatur von Asphalt und Gussasphalt gemäß den vorhandenen technischen Regeln abgesengt wird. Als weitere Schutzmaßnahme kommen lüftungstechnische Maßnahmen in Betracht. Die verwendeten Motoren müssen schadstoffarm sein. Dieselmotoren müssen über einen Partikelfilter verfügen.

  • Was ist bei Asphaltarbeiten in bzw. neben fließendem Verkehr zu beachten?

    Werden solche Arbeiten ohne weitergehende Schutzmaßnahmen ausgeführt, besteht eine erhebliche Gefährdung des Personals, von Fahrzeugen angefahren oder überfahren zu werden. Schutzmaßnahmen sind unter Beachtung der "Technischen Regeln für Arbeitsstätten ASR A5.2" durchzuführen. Mögliche Schutzmaßnahmen sind: Sperrungen von Verkehrswegen, Umleitungen einzelner Verkehrsteilnehmer, Aufbau transportabler Schutzeinrichtungen, Geschwindigkeitsbegrenzungen u.a.

  • Unter welchen Voraussetzungen dürfen Mitarbeiter bei Straßenbauarbeiten Maschinen bedienen.

    Maschinenführer müssen vom Arbeitgeber mit der Bedienung von Straßenbaumaschinen beauftragt sein. Dieser kann sie beauftragen, wenn der Straßenmaschinenführer das 18. Lebensjahr vollendet hat, in der Bedienung und der Arbeit mit der Maschine unterwiesen wurde. Der Geräteführer muss zuverlässig sein und seine Befähigung gegenüber dem Unternehmer nachgewiesen haben.Die Befähigung kann im Bereich der Bauwirtschaft beispielsweise durch den Besuch von maschinenbezogenen Lehrgängen nach ZUMBau für bestimmte Geräte erworben werden.

  • Welche Schutzmaßnahmen sind bei Asphaltarbeiten im Freien zu beachten?

    Bei Arbeiten im Freien, insbesondere bei Arbeiten zwischen März und September besteht für Freiluftarbeiter Gefahr aus dem UV-Licht der Sonne. Sonnenschutz durch geeignete Kleidung und durch Verwendung von Sonnenschutzmitteln mit hohem Lichtschutzfaktor sind unabdingbar.

    Bei hohen Temperaturen ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten.

  • Sind Rückfahrpieper oder –rauscher bei Baumaschinen Pflicht? Dürfen Rückfahrpieper oder –rauscher bei Baumaschinen ausgeschaltet werden?

    In unserer Stellungnahme möchten wir uns auf den Bereich der selbstfahrenden Arbeitsmaschinen, hier insbesondere auf die Erd- und Straßenbaumaschinen, konzentrieren. Des Weiteren weisen wir darauf hin, dass sich unsere Anmerkungen nicht auf die StVZO bzw. StVO beziehen.

    Die relevanten Grundlagen für das Inverkehrbringen von Maschinen regelt die EG-Maschinenrichtlinie 2006/42/EG. Die nationale Umsetzung erfolgt durch das Produktsicherheitsgesetz bzw. die 9. Verordnung zum Produktsicherheitsgesetz (9. ProdSV). Der Betrieb von Maschinen ist in der Betriebssicherheitsverordnung beschrieben.

    Das Thema "Rückfahrsignalanlagen" ist in dem oben beschriebenen Regelwerk in Zusammenhang mit den dort beschriebenen Anforderungen an die Sicht des Maschinenführers zu betrachten:

    Auszug aus 2006/42/EG Anhang I:

    1. Grundlegende Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen

    1.2.2. Stellteile (Absatz 5):

    Von jedem Bedienungsplatz aus muss sich das Bedienungspersonal vergewissern können, dass niemand sich in den Gefahrenbereichen aufhält, oder die Steuerung muss so ausgelegt und gebaut sein, dass das Ingangsetzen verhindert wird, solange sich jemand im Gefahrenbereich aufhält.

    (Absatz 6):

    Ist das nicht möglich, muss die Steuerung so ausgelegt und gebaut sein, dass dem Ingangsetzen ein akustisches und/oder optisches Warnsignal vorgeschaltet ist. Einer gefährdeten Person muss genügend Zeit bleiben, um den Gefahrenbereich zu verlassen oder das Ingangsetzen der Maschine zu verhindern.

    Ergänzend ist zu beachten:

    3. Zusätzliche grundlegende Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen zur Ausschaltung der Gefährdungen, die von der Beweglichkeit von Maschinen ausgehen

    3.3.1. Stellteile (Absatz 6):

    Nummer 1.2.2 Absatz 6 betreffend akustische und/oder optische Warnsignale gilt nur für Rückwärtsfahrt.

    Der Möglichkeit die Fahr- und Arbeitsbewegung der Maschine ausreichend kontrollieren und sicher zu bedienen zu können, ist durch geeignete Kontrollmaßnahmen sicher zu stellen. Bei den von uns behandelten Maschinen ist dies durch die Schaffung von Sicht zu gewährleisten.

    Dies wird durch die harmonisierte Normenserie EN 474 Teil 1 bis Teil 12 konkretisiert.

    Automatische Warneinrichtungen sind nur für bestimmte Sonderfälle vorgesehen, hierauf geht die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG im Anhang I, 3.6 "Informationen und Angaben", 3.6.1 "Zeichen, Signaleinrichtungen und Warnhinweise", Absatz 3 ein:

    Ferngesteuerte Maschinen, bei denen unter normalen Einsatzbedingungen ein Stoß- oder Quetschrisiko besteht, müssen mit geeigneten Einrichtungen ausgerüstet sein, die ihre Bewegungen anzeigen, oder mit Einrichtungen zum Schutz von Personen vor derartigen Risiken. Das gilt auch für Maschinen, die bei ihrem Einsatz wiederholt auf ein und derselben Linie vor- und zurückbewegt werden und bei denen der Fahrer den Bereich hinter der Maschine nicht direkt einsehen kann.

    Ergänzend sei in diesem Zusammenhang auch noch auf die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) Anhang 1, Abschnitt 3.1.6 d hingewiesen:

    Reicht die direkte Sicht des Fahrers nicht aus, um die Sicherheit zu gewährleisten, sind geeignete Hilfsvorrichtungen zur Verbesserung der Sicht anzubringen.

    Bei den vom Hersteller zusätzlich angebrachten Einrichtungen, die nach Aktivierung der Rückwärtsfahrt kontinuierliche akustische Warntöne (Dauerpiepen oder -rauschen) erzeugen, handelt es sich unserer Auffassung nach nicht um geeignete Schutzmaßnahmen gegen Gefährdungen durch Sichteinschränkungen bei Erdbaumaschinen im üblichen Einsatz.

    Gemäß Punkt 1 im Anhang 2 BetrSichV müssen die Mindestanforderungen aus Anhang 2 zur Bereitstellung und Benutzung von Arbeitsmitteln bei der Gefährdungsbeurteilung nach § 3 BetrSichV einbezogen werden. Wird bei dem Vorhandensein von geeigneten Schutzeinrichtungen (z. B. Spiegel oder nach hinten vorrangig Kamera-/ Monitorsysteme) ein Dauerpieper oder –rauscher abgeschaltet, so müssen als Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung Fahrer und Personen im Umfeld der Erdmaschine nachweislich (schriftliche Dokumentation erforderlich) über die Abschaltung des Dauerpiepers/-rauschers sowie die Sichtverhältnisse von Erdbaumaschinen und das richtige Verhalten im Umfeld von Erdbaumaschinen unterwiesen werden.

    Abschließend sei noch festgehalten, dass im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung auch viele Gründe gegen den Einsatz von "Dauerpiepern" oder "Dauerrauschern" sprechen können:

    • Wenn mehrere Maschinen mit derartigen Systemen auf einer Baustelle arbeiten, sind die Beschäftigten einem z.T. dauernden zusätzlichen Geräuschpegel ausgesetzt.
    • Eine Lokalisierung einer sich annähernden Maschine wird hierdurch erschwert.
    • Bei den im Bereich derartiger Systeme arbeitenden Beschäftigten tritt ein Gewöhnungseffekt auf.
    • Besondere Gefährdungen entstehen, wenn gleichzeitig Maschinen/Fahrzeuge ohne derartige Systeme auf der Baustelle zum Einsatz kommen.
    • Der Fahrer verlässt sich darauf, dass die Beschäftigten im Umfeld der Maschine auf das Warnsignal reagieren.

    Aus den vorgenannten Gründen sind derartige Systeme unter anderem auch nicht in der DIN EN 474-1 "Erdbaumaschinen – Sicherheit" vorgesehen.

  • Wie ist bei Grabentiefen > 2 m Tiefe die Absturzsicherung auszubilden? (Absturzsicherungen im Bereich des Baggers, Absturzsicherungen seitlich des Grabens)

    Verkehrssicherung

    Eine Vollsperrung wird regelmäßig mit Einschränkungen angeordnet. Also beispielsweise "Anlieger frei", "Busverkehr frei" etc. Dadurch wird aber die Vollsperrung praktisch aufgehoben. Denn in der Praxis wird munter in die Baustelle gefahren, wenn dem rollenden Rad die Möglichkeit gegeben wird. Von einer Vollsperrung kann dann keine Rede mehr sein und somit ist auch kein wirkungsvoller Schutz für die in der Vollsperrung tätigen Versicherten möglich. Ist es überhaupt zulässig und rechtlich haltbar eine Vollsperrung mit Einschränkungen anzuordnen? Oder heißt Vollsperrung eben Vollsperrung mit den entsprechenden Einschränkungen für den Verkehr, die Anwohner, die Gewerbetreibenden, die Buslinie etc.

    Ist zulässig, siehe RSA 9d – Teil A Punkt 2.4 "Vorschriftzeichen":

    zu Zeichen 250 bis 253 (Verbot für Fahrzeuge aller Art und bestimmte Kraftfahrzeuge)

    Häufig verbleibt zwischen dem Beginn der Umleitungsstrecke für bestimmte oder alle Fahrzeuge und dem Beginn der Arbeitsstelle ein Straßenabschnitt, der noch genutzt werden kann. Zeichen 250 bzw. 253, mit Zusatzzeichen (z. B. Z 1020-30, Z 1026-32, Z 1028-30), ist dann bereits am Beginn des Straßenabschnittes (Beginn der Umleitung) aufzustellen. Erforderlichenfalls kann zusätzlich angegeben werden, bis wohin die Zufahrt für Anlieger möglich ist (Zusatzzeichen 1028-33). Im übrigen sind die RUB zu beachten

  • Dürfen Erdbaumaschinen mit Sonnenschutzfolie ausgestattet werden?

    Grundsätzlich gilt: Es ist bei Erdbaumaschinen, die am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen nur erlaubt, was auch durch die STVO bzw. STVZO erlaubt ist.

    STVO § 23 (4):
    Wer ein Kraftfahrzeug führt, darf sein Gesicht nicht so verhüllen oder verdecken, dass er nicht mehr erkennbar ist.

    STVZO § 40 Satz 2:
    Scheiben aus Sicherheitsglas, die für die Sicht des Fahrzeugführers von Bedeutung sind, müssen klar, lichtdurchlässig und verzerrungsfrei sein.

    BetrSichV: Anhang 1 Abs 1.6
    Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass sich Beschäftigte nicht im Gefahrenbereich selbstfahrender Arbeitsmittel aufhalten. Ist die Anwesenheit aus betrieblichen Gründen unvermeidlich, hat der Arbeitgeber Maßnahmen zu treffen, um Gefährdungen der Beschäftigten so gering wie möglich zu halten.

    BGR 500 Kapitel 2.12 /
    3.3 Gefahrenbereich von Erdbaumaschinen
    3.3.4 Die Versicherten haben die nach Abschnitt 3.3.3 festgelegten Maßnahmen zu beachten und insbesondere vor Betreten des Gefahrbereichs Kontakt mit dem Maschinenführer aufzunehmen und die Arbeitsweise miteinander abzustimmen. Die Kontaktaufnahme kann z.B. durch Handzeichen mit Sichtkontakt erfolgen.

    BGR 500 Kapitel 2.12 /
    3.7 Einweiser
    3.7.3 Zur Verständigung zwischen Maschinenführer und Einweiser sind Signale zu vereinbaren. Die Signale dürfen nur vom Maschinenführer und vom Einweiser gegeben werden.

    Der Unternehmer hat beim Einsatz von mobilen selbstfahrenden Arbeitsmitteln und Fahrzeugen dafür zu sorgen, dass der Fahrer eine ausreichende Sicht auf den Fahr- und Arbeitsbereich hat. Sonnenschutzfolie dürfen die Kontaktaufnahme von Dritten mit dem Führer von selbstfahrenden Arbeitsmitteln und Fahrzeugen nicht beeinträchtigen. Der Unternehmer muss diesen Punkt in seiner Gefährdungsbeurteilung beachten und regeln.

Ansprechpersonen

Leitung Themenfeld
Dipl.-Ing. Klaus-Michael Krell
c/o BG BAU – Prävention
Friedrich-Gerstlacher Straße 15
71032 Böblingen
Telefon: +49 7031 625 345

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