Häufig gestellte Fragen und Antworten zum "Atemschutz"

  • Arbeitsmedizinische Vorsorge oder Eignungsuntersuchung … Was ist der Unterschied?

    Arbeitsmedizinische Vorsorge

    Die Benutzung von Atemschutzgeräten bedeutet im Allgemeinen eine zusätzliche Belastung für die atemschutzgerättragende Person.

    Die meisten Atemschutzgeräte machen die arbeitsmedizinische Vorsorge gemäß "Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge" (ArbMedVV) erforderlich. In der Arbeitsmedizinische Regel AMR 14.2 Einteilung von Atemschutzgeräten in Gruppen werden die Atemschutzgeräte in die Gruppen 1 bis 3 eingeteilt. Entsprechend dieser Einteilung hat der Unternehmer beziehungsweise die Unternehmerin eine Wunschvorsorge zu ermöglichen, eine Angebotsvorsorge anzubieten oder eine Pflichtvorsorge zu veranlassen.

    Bei der Vorsorge sind die Arbeitsplatzverhältnisse, wie Arbeitsschwere, Klima, und die Tragedauer des zu gebrauchenden Atemschutzgerätes zu berücksichtigen.

    Bestandteile der Vorsorge sind ein Beratungsgespräch, eine Anamnese und bei Bedarf - mit Zustimmung des Beschäftigten - eine Untersuchung. Für die Vorsorge bietet sich der Berufsgenossenschaftliche Grundsatz G 26 "Atemschutzgeräte" an.

    Der/die Beschäftigte erhält eine entsprechende Vorsorgebescheinigung und auf Wunsch das Ergebnis und den Befund seiner/ihrer arbeitsmedizinischen Vorsorge.

    Der Unternehmer oder die Unternehmerin erhält die Information über die Teilnahme an der Vorsorge.

    Eignungsuntersuchung

    Bei dem Gebrauch von Atemschutzgeräten der Gruppe 2 oder 3 in Kombination mit Tätigkeiten, wie zum Beispiel:

    • besonders anstrengenden physischen und/oder psychischen Tätigkeiten
    • Tätigkeiten mit erhöhter Eigengefährdung
    • Tätigkeiten mit erhöhter Gefährdung von Dritten

    muss der Unternehmer oder die Unternehmerin im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung überprüfen, ob für die atemschutzgerättragende Person eine Eignungsuntersuchung erforderlich ist.

    Bestandteile der Eignungsuntersuchung sind ein Beratungsgespräch, eine Anamnese und eine Untersuchung. Für die Eignungsuntersuchung bietet sich der Berufsgenossenschaftliche Grundsatz G 26 "Atemschutzgeräte" an.

    Die Eignungsuntersuchung sollte von einem Arzt oder einer Ärztin durchgeführt werden, der oder die über die notwendigen Kenntnisse der jeweiligen Arbeitsbedingungen verfügt.

    Der/die Beschäftigte erhält den Befund seiner/ihrer Eignungsuntersuchung und eine ärztliche Bescheinigung über seine/ihre Eignung, die er/sie oder, nach seiner/ihrer schriftlicher Einwilligung, der untersuchende Arzt oder Ärztin an den Unternehmer bzw. die Unternehmerin weiterleiten sollte. Der Unternehmer oder die Unternehmerin benötigt diese Bescheinigung für die Entscheidung, ob der/die Beschäftigte/n für die vorgesehene Tätigkeit eingesetzt werden kann.

  • Wo findet man Hinweise zur Tragezeitbegrenzung von Atemschutzgeräten?

    Die Tragezeitbegrenzung ergibt sich aus der tätigkeitsbezogenen Gefährdungsbeurteilung, bei der zweckmäßigerweise der Arbeitsmediziner eingebunden wird. Hinweise zur Tragezeitbegrenzung sind in der DGUV Regel 112-190 "Benutzung von Atemschutzgeräten" enthalten.

  • Dürfen Minderjährige unter Atemschutz eingesetzt werden?

    Jugendliche unter 18 Jahren dürfen Arbeiten, bei denen sie schädlichen Einwirkungen von Gefahrstoffen im Sinne des Chemikaliengesetzes ausgesetzt sind nur durchführen, wenn es zur Erreichung des Ausbildungsziels erforderlich ist. Dies trifft nur für Atemschutzgeräte zu, die keiner Vorsorgeuntersuchung nach G 26 bedürfen. Ansonsten ist im Ausnahmefall der Arbeitsmediziner einzuschalten.

  • Dürfen Vollmasken von Personen getragen werden, die einen "3-Tage-Bart" haben?

    Aufgrund der durch den Bart vorhandenen Leckagestellen sind Personen mit Bärten im Bereich der Dichtlinien als Geräteträger von Vollmasken nicht geeignet.

  • Wie wird die Haltezeit von partikelfiltrierenden Halbmasken im Infektionsschutz eingestuft?

    Gemäß der DGUV Regel 112-190 "Benutzung von Atemschutzgeräten" sollten partikelfiltrierende Halbmasken bei "unzumutbar hohem Atemwiderstand oder spätestens nach einer Arbeitsschicht" ausgetauscht werden, da das Reinigen und Desinfizieren dieser Masken nicht möglich oder vorgesehen ist. Beim Umgang mit luftgetragenen biologischen Arbeitsstoffen sind die Masken in die erforderlichen Hygienemaßnahmen einzubeziehen. Im Rahmen des Infektionsschutzes ist es sinnvoll, partikelfiltrierende Halbmasken nach dem einmaligen Gebrauch zu entsorgen, um eine eigene Kontaminierung zu vermeiden. Der einmalige Gebrauch ist der Zeitraum fortwährender Benutzung dieser Masken, der durch das Entfernen aus dem Mund-Nase-Bereich begrenzt wird. Dies bedeutet beispielsweise, dass eine Pflege- oder Reinigungsperson, die die Maske in der Pause vom Gesicht nimmt, anschließend diese Maske auch entsorgt. Gleiches gilt für einen Arzt, der mehrere Patienten untersuchen muss und seine Maske nach der Untersuchung eines von einer Infektion betroffenen Patienten ablegt. Die Festlegung exakter Maßnahmen erfolgt im Rahmen der jeweiligen Gefährdungsbeurteilung.

  • Warum weisen Schutzanzüge in Verbindung mit Atemschutzgeräten unterschiedliche Tragedauern auf?

    In der DGUV Regel 112-190 werden in diesem Zusammenhang Chemikalienschutzanzüge und Schutzanzüge gegen radioaktive Kontamination betrachtet. Chemikalienschutzanzüge werden in 6 Typen nach ihrer Schutzwirkung eingeteilt:

    • Typ1 (1a, 1b und 1c) sind gas-, flüssigkeits- und staubdicht
    • Typ 2 und 3 sind flüssigkeits-, spray- und staubdicht
    • Typ 4 spray- und staubdicht
    • Typ 5 staubdicht
    • Typ 6 eingeschränkt gegen flüssige Chemikalien

    Um diese Eigenschaften zu erreichen, werden unterschiedliche Materialien bei der Herstellung des Schutzanzuges benutzt. Besonders das Flächengewicht g/m2 und der Wasserdampfdurchgangswiderstand Ret (m2Pa/W) beeinflussen dabei die Trageeigenschaften hinsichtlich des Tragekomforts. Je größer diese Werte sind, um so geringer ist der Tragekomfort. Dieses muss sich zwangsläufig auf die Tragedauern auswirken. So sind beide Werte für Schutzanzüge der Typen 1 und 2 sehr hoch. Bei den Typen 3 und 4 ist üblicherweise der Ret–Wert groß (Ret > 40).

    Die physiologische Belastung bei der Kombination von Schutzanzug und Atemschutzgerät wird in diesen Fällen überwiegend durch den Schutzanzug bestimmt. Die gleiche Aussage trifft auf den Schutzanzug gegen radioaktive Kontamination zu.

  • Was sind Schutzanzüge mit Hitzestress verringerten Eigenschaften?

    Schutzanzüge mit Hitzestress verringerten Eigenschaften sind PSA, die beim Gebrauch den Körper vor der Einwirkung flüssiger und fester Schadstoffe in der Umgebungsatmosphäre schützen und dabei einen geringeren Hitzestress verursachen.

    Bei der PSA handelt es sich um Chemikalienschutzanzüge und Schutzanzüge gegen radioaktive Kontamination, die auf Grund ihres günstigen Wasserdampfdurchgangswiderstands Ret-Wert < 40 und anderen Materialeigenschaften der Schutzkleidung oder durch einen hohen Luft-Volumenstrom Q >600l/min innerhalb der Kleidung das Mikroklima günstig beeinflussen. Sind diese Bedingungen der Schutzkleidung nicht vorhanden oder nicht nachgewiesen, muss der Hersteller der Schutzkleidung in seiner Herstellerinformation einen Hinweis geben, dass die Schutzkleidung Hitzestress verursachen kann. Ist in der Herstellerinformation weder ein Hinweis auf Hitzestress noch eine Angabe zum Ret–Wert gegeben, fordern Sie eine konkrete Aussage durch den Händler/Hersteller.

  • Sind die Tabellenwerte für Tragedauern (Tragezeit) im Anhang 2 der DGUV Regel 112-190 "Benutzung von Atemschutzgeräten" (bisher BGR/GUV-R 190) verbindlich?

    Ausschlaggebend für die Festlegung einer Tragezeit ist immer die im Punkt 3.2.2 geforderte tätigkeitsbezogene Gefährdungsbeurteilung. Nur auf deren Grundlage und unter Einbeziehung eines Arbeitsmediziners können konkrete Tragezeiten festgelegt werden.

    Die im Anhang 2 aufgelisteten Zeiten sind Anhaltswerte bei mittlerer Arbeitsschwere und Raumtemperatur, bei deren Einhaltung im Allgemeinen die Überbelastung eines geeigneten Gerätträgers vermieden wird. Insofern können sie nicht die auf eine tätigkeitsbezogene Gefährdungsbeurteilung ermittelten konkreten Tragezeiten ersetzen.

  • Darf für den Gebrauch von Atemschutzgeräten gegenüber CMR-Stoffen auch eine niedrigere als die höchstmögliche Filterklasse ausgewählt werden?

    Wird eine Benutzung von Filtergeräten beim Umgang mit CMR-Stoffen erforderlich, ist grundsätzlich die höchstmögliche Filterklasse auszuwählen. Von der Forderung kann im Einzelfall abgewichen werden, wenn durch eine Gefährdungsbeurteilung nachgewiesen wird, dass ein ausreichender Personenschutz auch durch Atemfilter mit geringerer Filterklasse zu erreichen ist.

    Beispielsweise wird bei Einhaltung der speziellen Regelungen gem. TRGS 517, TRGS 519, TRGS 521 und TRGS 559 ein ausreichender Personenschutz mit der jeweils angegebenen niedrigeren Filterklasse erreicht.

  • Ist das Tragen von Filtergeräten beim Befahren von Behältern zulässig?

    In der DGUV-R 112-190 (bisher BGR/GUV R 190) heißt es unter 3.2.8.2 Gasfilter:

    ". . .In Behältern und engen Räumen, z.B. Bunkern, Kesselwagen, Rohrleitungen, Gruben, Kanälen, dürfen Filtergeräte mit Gasfilter nicht verwendet werden."

    In der DGUV Regel 113-004 "Behälter, Silos und enge Räume; Teil 1: Arbeiten in Behältern, Silos und engen Räumen" (bisher BGR/GUV-R 117-1) ist unter 4.2.4 Atemschutz, 4.2.4.2 zu finden:

    "Der Einsatz von Filtergeräten ist nur zulässig, wenn sichergestellt werden kann, dass kein Sauerstoffmangel auftritt. Erforderlichenfalls ist die Sauerstoffkonzentration kontinuierlich zu messen und Sauerstoffmangel durch optische oder akustische Warngeräte anzuzeigen. . ."

    Siehe auch Abschnitt 3.1.5.4 der DGUV Regel 112-190 "Benutzung von Atemschutzgeräten"

    Kann ich dennoch der Vorgehensweise aus der DGUV-R "Behälter, Silos und enge Räume" folgen?

    Ja, wenn durch Gefährdungsbeurteilung/Befahrerlaubnis nachgewiesen ist, z. B. durch Belüftungsmaßnahmen, dass kein Sauerstoffmangel auftreten kann.