Arbeitsmedizinische Vorsorge bei Belastungen durch "Vibrationen"

Arbeitsmedizinische Vorsorge wird u.a. für Tätigkeiten mit Einwirkung von Vibrationen nach der am 24. Dezember 2008 in Kraft getretenen "Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge" (ArbMedVV) durchgeführt.

Unabhängig davon enthält der § 11 (3) LärmVibrationsArbSchV weiterhin die Bestimmung zur "allgemeinen arbeitsmedizinischen Beratung", die jeder Beschäftigte bei Tätigkeiten mit Überschreiten der Auslösewerte "Vibrationen" erhalten muss und die im Rahmen der Unterweisung nach § 11 LärmVibrationsArbSchV erfolgen kann.

Die "Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge" (ArbMedVV) ist hier verfügbar.

Wenn bei Exposition durch Vibrationen die Expositionsgrenzwerte nach Anhang Teil 3 (1), Nr. 4 der ArbMedVV für Hand-Arm- oder Ganzkörper-Vibrationen erreicht oder überschritten werden, ist vom Arbeitgeber regelmäßig einePflichtvorsorge zu veranlassen. Die Expositionsgrenzwerte für Tätigkeiten mit:

  • Ganzkörper-Vibrationen: täglicher Expositionsgrenzwert, normiert auf einen Bezugszeitraum von 8 Stunden, als Tages-Vibrationsexpositionswert A(8) = 1,15 m/s2 in X- und Y-Richtung und A(8) = 0,8 m/s2 in Z-Richtung,
  • Hand-Arm-Vibrationen: täglicher Expositionsgrenzwert, normiert auf einen Bezugszeit¬raum von 8 Stunden, als Tages-Vibrationsexpositionswert A(8) = 5,0 m/s2.

Wenn bei Exposition durch Vibrationen die Auslösewerte nach Anhang Teil 3 (2), Nr. 2 der ArbMedVV für Hand-Arm- oder Ganzkörper-Vibrationen überschritten werden, ist vom Arbeitgeber regelmäßig eine Angebotsvorsorge anzubieten. Die Auslösewerte für Tätigkeiten mit:

  • Ganzkörper-Vibrationen: täglicher Auslösewert, normiert auf einen Bezugszeitraum von 8 Stunden, als Tages-Vibrationsexpositionswert A(8) = 0,5 m/s2,
  • Hand-Arm-Vibrationen: täglicher Auslösewert, normiert auf einen Bezugszeitraum von 8 Stunden, als Tages-Vibrationsexpositionswert A(8) = 2,5 m/s2.

Arbeitsmedizinische Regeln (AMR)

Arbeitsmedizinische Regeln (AMR) geben den Stand der Arbeitsmedizin und sonstige gesicherte arbeitsmedizinische Erkenntnisse wieder. Sie werden vom Ausschuss für Arbeitsmedizin (AfAMed) ermittelt oder angepasst und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) im Gemeinsamen Ministerialblatt (GMBl.) bekannt gegeben.

Folgende AMR sind auch bei Vibrationseinwirkungen relevant - ggf. werden weitere AMR hierzu veröffentlicht:

  • AMR Nr. 1 zu § 5 ArbMedVV Anforderungen an das Angebot von arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen
  • AMR Nr. 1 zu § 6 ArbMedVV Fristen für die Aufbewahrung ärztlicher Unterlagen
  • AMR Nr. 3.1 Erforderliche Auskünfte/Informationsbeschaffung über die Arbeitsplatzverhältnisse

DGUV Grundsatz G 46 "Belastungen des Muskel-Skelettsystems einschließlich Vibrationen" und Handlungsanleitung für die arbeitsmedizinische Vorsorge nach dem DGUV Grundsatz G 46 (BGI/ GUV-I 504-46)

Im Auftrag des damaligen BMWA wurde Ende 2005 vom AK 1.7 "Belastungen des Muskel- und Skelettsystems" des Ausschuss Arbeitsmedizin bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung ein Teil "Vibrationen" des Berufsgenossenschaftlichen Grundsatzes zur arbeitsmedizinsichen Vorsorge "Belastungen des Muskel- und Skelettsystems einschließlich Vibrationen“ (G 46) erarbeitet und in der Zeitschrift ASU veröffentlicht.

Der Grundsatz "G 46" inkl. der Anamnese- bzw. Untersuchungsbögen ist veröffentlicht in: DGUV (Hrsg.): "DGUV Grundsätze für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen", Gentner Verlag, Stuttgart, 5. vollständig neubeabeitete Auflage 2010, ISBN 978-3-87247-733-0 mit integrierter Volltext-CD-Rom, gebunden, 952 Seiten. Internet: www.asu-arbeitsmedizin.com dort > Start > Bookshop

Folgende durch Vibrationseinwirkungen bei der Arbeit verursachte Berufskrankheiten sollen durch geeignete Schutzmaßnahmen, darunter die arbeitsmedizinische Vorsorge, vermieden werden

  • Hand-Arm-Vibrationen (z. B. durch handgehaltene Arbeitsmittel oder Werkstücke verursacht)
    • BK 2103 "Erkrankungen durch Erschütterungen bei Arbeiten mit Druckluftwerkzeugen oder gleichartig wirkenden Werkzeugen oder Maschinen"
    • BK 2104 "Vibrationsbedingte Durchblutungsstörungen an den Händen, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können".
    • BK 2113 "Carpaltunnel-Syndrom" (Druckschädigung des Nervus medianus im Carpaltunnel (Carpaltunnel-Syndrom) durch repetitive manuelle Tätigkeiten mit Beugung und Streckung der Handgelenke, durch erhöhten Kraftaufwand der Hände oder durch Hand-Arm-Schwingungen): Hand-Arm-Vibrationen sind einer von drei Risikofaktoren für die Entstehung eines CTS.
    • BK 2114 "Gefäßschädigung der Hand durch stoßartige Krafteinwirkung (Hypothenar-Hammer-Syndrom und Thenar-Hammer-Syndrom)". Als mögliche Ursache für diese arbeitsbedingte Erkrankung an den Händen gelten auch Hand-Arm-Vibrationen
  • Ganzkörper-Vibrationen
    • BK 2110 "Bandscheibenbedingte Erkrankungen der Lendenwirbelsäule durch langjährige, vorwiegend vertikale Einwirkung von Ganzkörperschwingungen im Sitzen, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können"

Übersichten zur arbeitsmedizinischen Vorsorge bei Vibrationsbelastungen:

Handlungsanleitung für die arbeitsmedizinische Vorsorge nach dem berufsgenossenschaftlichen Grundsatz G 46

Die "Handlungsanleitung für die arbeitsmedizinische Vorsorge nach dem Berufsgenossenschaftlichen Grundsatz G 46 "Belastungen des Muskel- und Skelettsystems einschließlich Vibrationen" (Teil 2 "Vibrationen") (BGI/GUV-I 504-46) gibt die entsprechenden rechtlichen Vorgaben wieder und enthält für den Arbeitgeber ergänzende Hinweise für die Gefährdungsbeurteilung und die Auswahl des zu untersuchenden Personenkreises.