IPA Journal 02/2026

Editorial

Prof. Dr. Thomas Brüning
Bild: André Stephan / Morsey & Stephan

Liebe Leserinnen und Leser,

Vorsorge ist besser als Nachsorge. Diese scheinbar simple Aussage beschreibt eines der zentralen Prinzipien der gesetzlichen Unfallversicherung: Primärprävention, also die Verhinderung von Erkrankungen, ist effektiver und effizienter, statt sie später mit hohem Aufwand und mit persönlichem Leid verbunden behandeln zu müssen.

Ein wichtiges Element ist dabei die Individualprävention. Sie ist auf die spezielle Situation der betroffenen Beschäftigten zugeschnitten und hat insbesondere seit dem Wegfall des Unterlassungszwangs im Berufskrankheitenrecht an Bedeutung gewonnen. Das IPA unterstützt die Unfallversicherungsträger mit verschiedenen Angeboten bei der Umsetzung individualpräventiver Maßnahmen.

Ein konkretes Beispiel für Individualprävention ist die Atemwegssprechstunde, die am IPA angeboten wird. Sie ist ein zentraler Baustein der Primärprävention, da sie die Möglichkeit bietet, frühzeitig präventiv tätig zu werden. Die Sprechstunde steht Versicherten zur Verfügung, bei denen der Verdacht besteht, dass eine obstruktive Atemwegserkrankung wie Asthma neu entstanden ist oder sich verschlechtert. In unserem Beitrag stellen wir die Erfahrungen der Atemwegssprechstunde am IPA speziell bei Beschäftigten im Friseurhandwerk vor.

Ebenfalls dem Friseurhandwerk widmet sich der Beitrag zur Identifizierung eines Pflanzenprodukts als Ursache einer beruflich bedingten Atemwegserkrankung. Dank der allergologischen Expertise des IPA konnte hier das auslösende Allergen identifiziert werden. Es zeigte sich einmal mehr, dass „natürlich“ nicht gleichbedeutend mit unbedenklich ist.

Nur wenn man weiß, welche Auswirkungen Arbeitsbedingungen auf die Gesundheit haben, können passgenaue Präventionsmaßnahmen entwickelt werden. Atemphysiologische Studien liefern hierfür eine wichtige wissenschaftliche Grundlage. In einer Studie des IPA wurde untersucht, welche Auswirkungen das Tragen von Masken auf Schülerinnen und Schüler hat. Aus den Ergebnissen der Studie werden praxisnahe Präventionsempfehlungen abgeleitet.

Ein weiteres Projekt, dass wir in dieser Ausgabe des IPA Journals vorstellen, beschäftigt sich mit dem Exposom. Das Exposom umfasst alle Umwelteinflüsse, denen ein Mensch im Laufe seines Lebens ausgesetzt ist. Ein internationales Konsortium unter Beteiligung des IPA hat das Ziel, das innere chemische Exposom zu kartieren. Die gewonnenen Daten sollen helfen, Risikofaktoren an Arbeitsplätzen bei unklaren oder komplexen Expositionen zu identifizieren, um gezielte Präventionsmaßnahmen abzuleiten.

In unserem Interview sprechen wir mit dem Hauptgeschäftsführer der DGUV, Dr. Stephan Fasshauer, über die Bedeutung der Forschungsinstitute der DGUV für die Präventionsarbeit der Unfallversicherungsträger und welche Rolle die Forschungsergebnisse für die Praxis spielen.

Zusätzlich berichten wir über die Einführung eines innovativen Praxismanagementsystems in der Poliklinik des IPA. Ziel ist es, Arbeitsabläufe zu digitalisieren und so effizienter und zeitsparender zu gestalten.

Die Beiträge dieser Ausgabe verdeutlichen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse die Grundlage einer wirksamen Prävention bilden. Zugleich zeigen sie die große fachliche Breite des IPA und den engen Praxisbezug seiner Forschung. Damit leistet das Institut einen wichtigen Beitrag, um die Unfallversicherungsträger bei ihrer Präventionsarbeit zu unterstützen – zum Wohle der Versicherten, Betriebe und Einrichtungen.

Eine interessante Lektüre wünscht Ihnen Ihr

Thomas Brüning