Den Eingliederungsprozess auf den Kopf gestellt

Designing Work for Inklusiveness

25.03.2020

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Netto-Zunahme von verfügbaren Fachkräften. Foto: Pixabay

Die Studierenden der HGU haben an einem Projekt teilgenommen, das in Kooperation mit der Universität Maastricht organisiert und durch den ESF (Europäischer Sozialfonds) gefördert wurde. Im Projekt ging es um den Ansatz der Uni Maastricht, "Designing Work for Inklusiveness", die Anpassung des Arbeitsplatzes an den Versicherten/die Versicherte.

Den Höhepunkt stellte eine mehrtägige intensive Erarbeitung von Gestaltungsmöglichkeiten und die anschließende Umsetzung der Untersuchungsergebnisse bei der BGW (Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienste und Wohlfahrtspflege) in Bochum unter Einbeziehung der BGW Bezirksgeschäftsführung dar. Die Leitung dieses praxisorientierten Wahlpflichtmodus im Wintersemester 2019/2020 lag bei Prof. Dr. Bert Wagener (HGU).

Bei der Rehabilitation nach Arbeitsunfall oder bei Berufskrankheiten steht seit jeher der Versicherte im Mittelpunkt. Häufig wird versucht, Defizite auszugleichen und diesen für einen möglichen Arbeitsplatz zu befähigen. Der Ansatz der "Designing Work" der Universität Maastricht (NL) geht einen anderen Weg. Es wird die Frage gestellt, ob Inklusion nicht eher der Arbeitsplatz für den Versicherten angepasst werden muss. Können einzelne Arbeitsschritte nicht auf die Fähigkeiten der Person zugeschnitten werden? Ist dies nicht ein Gewinn für alle Beteiligten? Mangel an Facharbeiter*innen, Inklusion, Arbeitsanalyse und Arbeitsorganisation sind die zentralen Elemente in diesem Modul.

Inklusion als Geschäftliche Lösung (Business Solution)

Auf die Person zugeschnittene Maßnahmen scheitern leider oft an der betrieblichen Praxis. Daher sind auch nachfrageorientierte Ansätze notwendig, gezielt auf die inklusive Arbeitsgestaltung. Arbeitsorganisationen sind meistens noch exklusiv auf eine Auslese von Mitarbeiter*innen ohne Behinderungen ausgerichtet. Durch eine flexiblere Aufgabenteilung, angemessene Führung, Begleitung und Arbeitsbedingungen wird Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen ermöglicht.

Inklusive Arbeitsumgestaltung (Inclusive Redesign) als Methode

Es gilt, die Diskrepanz zwischen geforderter und realer „Leistungsfähigkeit“ zu beheben. Die Antwort darauf ist eine angemessene Arbeitsteilung und Arbeitsplatzgestaltung. Es wird die Arbeit den Menschen angepasst, statt den Menschen an den Arbeitsplatz anzupassen.

Die Umverteilung der Arbeitsaufgaben soll den heutigen Kriterien bezüglich der Qualität der Arbeit entsprechen. Eine systematische Analyse von Arbeitsvorgängen und Arbeitstätigkeiten bildet den Kern. Anschließend erfolgt eine Umverteilung von Arbeitsaufgaben. Es entstehen neue Arbeitsstellen für Menschen mit Behinderungen und es wird kostbare Zeit von Fachkräften freigesetzt, im Ergebnis eine Netto-Zunahme von verfügbaren Fachkräfte.

Praxisnah lernten die Studierenden die Hintergründe sowie die Bedeutung im Alltag der UVT kennen. Nach einer Einführungsphase erfolgte die Analyse ausgewählter Arbeitsprozesse im Realbetrieb.

Literaturtipp: Shaping Inclusive Workplaces Through Social Dialogue, ISBN 978-3-319-66932-0.

Pressekontakt

Hochschule der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (HGU)

Saskia Köpsell, Referentin
Seilerweg 54
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Tel: +49 30 13001-6505