FAQ

Rechtliches zu Verkehrswegen, Treppen, Fußböden und Zugänge zu Maschinen

  • Grundsätzliche Entscheidung: Arbeitsstätte oder Arbeitsmittel?

    Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewegen sich auf innerbetrieblichen Verkehrswegen. Wenn man wissen möchte, welche Vorgaben und technischen Regeln für einen Verkehrsweg gelten, muss man eine grundsätzliche Betrachtung durchführen: Ist der Verkehrsweg Teil eines Arbeitsmittels oder Teil einer Arbeitsstätte:

    • Verkehrswege in und auf Arbeitsmitteln sind zum Beispiel Zugänge zu maschinellen Anlagen oder auf Fahrzeugen, wo Treppen, Laufstege und Arbeitsbühnen das Bedienen und Instandhalten einer Anlage ermöglichen (z.B. große Pressen / Pressstraßen, chemische Anlagen, automatisierte Fördertechnik, usw. ). In diesem Fall unterliegen die Verkehrswege den Anforderungen an die Bereitstellung von sicheren Produkten auf dem Markt, dass in Deutschland hauptsächlich durch das Produktsicherheitsgesetz und die zugehörigen Verordnungen geregelt ist. Meist werden hier Anlagen betrachtet, die unter die Maschinenrichtlinie fallen. Zur Umsetzung kommen in der Regel harmonisierte Normen zum Einsatz, insbesondere die Normenreihe DIN EN ISO 14122 als Sicherheitsgrundnorm (Typ-B), die ggf. durch vorrangig anzuwendende Typ-C-Normen für konkrete Produkte ergänzt oder geändert wird. Für die Benutzung gelten dann die Vorgaben aus der Betriebssicherheitsverordnung.
    • Alle weiteren Wege für Fußgänger und Fahrzeuge in einem Betrieb sind dann Verkehrswege in einer Arbeitsstätte. Hier gibt es wiederum zwei unterschiedliche Rechtsbereiche, die das Einrichten und Betreiben dieser Verkehrswege regeln:
      • bundesländerspezifisches Baurecht, ggf. Sonderbauverordnungen und Baurichtlinien
      • Arbeitsschutzrecht: Arbeitsstättenverordnung in Verbindung mit technischen Regeln für Arbeitsstätten

      Wird eine Arbeitsstätte gebaut, müssen diese beiden Rechtsbereiche eingehalten werden. Viele Bereiche überschneiden sich dabei, es gibt aber auch unterschiedlichen Anforderungen. Was dann anzuwenden ist, erfahren Sie in der zweiten Frage "Ich habe noch eine Baugenehmigung, warum gilt denn jetzt noch etwas anderes?".

    Zwischen den Anforderungen an die Zugänge zu Anlagen und den anderen Verkehrswegen in einer Arbeitsstätte bestehen zum Teil deutliche Unterschiede, wobei in bestimmten Regeln mal der eine und mal der andere Rechtsbereich eine höhere Anforderung stellt. Es kann also nicht generell gesagt werden, dass die Anwendung eines Bereiches sicherer wäre.

    Ein Verkehrsweg oder Zugang kann nur einem der beiden Rechtsbereiche zugeordnet werden, nicht erlaubt ist sich für eine konkrete Planung aus beiden Rechtsbereichen zu bedienen um damit Sonderlösungen zu schaffen.

  • Ich habe doch eine Baugenehmigung, warum gilt denn jetzt noch was anderes? Zum Verhältnis zwischen Bauordnungsrecht und Arbeitsschutzrecht.

    Sowohl das Bauordnungsrecht als auch das Arbeitsschutzrecht stellen Anforderungen und Vorgaben an ein Gebäude. Wenn ein Gebäude eine Arbeitsstätte ist, dann sind neben der entsprechenden bundeslandspezifischen Bauordnung und ggf. Sonderbauordnungen oder Richtlinien auch die Arbeitsstättenverordnung und die zugehörigen technischen Regeln zu beachten. Anforderungen an Arbeitsstätten richten sich an den Arbeitgeber und sie müssen nicht in der Planung genehmigt werden. Bei einer Baugenehmigung durch das zuständige Bauamt werden die Anforderungen an Arbeitsstätten nicht abgeprüft. Deswegen kann es die Fälle geben, dass ein Gebäude genehmigt ist, aber die Punkte für Arbeitsstätten nicht berücksichtigt wurden. Im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin wurde ein Rechtsgutachten erstellt, dass das Zusammenwirken der beiden Rechtsbereiche betrachtet. Das Gutachten kann bei der baua: kostenfrei heruntergeladen werden. Das Ergebnis ist vereinfacht ausgedrückt, dass beide Rechtsbereiche gleichwertig nebeneinander stehen, sie sich nicht widersprechen oder kollidieren, sondern gegenseitig ergänzen. Deshalb sollte bereits in der Planung berücksichtigt werden, wenn es sich um eine Arbeitsstätte handelt, denn Gestaltungen von Raumhöhen, Raumanordnungen, Raumgrößen, Verlauf von Verkehrswegen und Treppen lassen sich später nicht mehr oder nur mit sehr hohem (und meist unverhältnismäßigem) Aufwand wieder ändern.

  • Wenn Bauordnungen und die Arbeitsstättenregelungen etwas Unterschiedliches fordern, was muss ich dann anwenden?

    Die beiden Rechtsbereiche kollidieren nicht, sondern sind gleichwertig anzuwenden und ergänzen einander. In der Praxis heißt dies konkret, dass die jeweils höhere Anforderung anzuwenden ist. Die höhere Anforderung kann sowohl aus dem Bauordnungsrecht als auch aus dem Arbeitsstättenrecht kommen.

    Im Folgenden listen wir einige typische Beispiele auf (Liste ist nicht abschließend, Angaben müssen immer im konkreten Fall und Bundesland mit den geltenden Vorgaben abgestimmt werden):

    Anforderungen nach Bauordnungen / Sonderbauverodnungen Anforderungen nach Arbeitsstättenverordnung und technischen Regeln für Arbeitsstätten Umzusetzen in einer Arbeitsstätte:
    Arbeitsstätte allgemein:
    Höhe von Absturzsicherungen an Ebenen, Treppen, Galerien usw.: bis 12 m Absturzhöhe 90 cm, darüber 110 cm
    Nach Schulbaurichtlinie immer mind. 110 cm
    Höhe von Absturzsicherungen an Ebenen, Treppen, Galerien usw.: bis 12 m Absturzhöhe 100 cm, darüber 110 cm
    Arbeitsstätte allgemein:
    bis 12 m Absturzhöhe 100 cm, darüber 110 cm
    In Schulen: 110 cm
    Flucht- und Rettungswege: Der zweite kann über Rettungsgeräte der Feuerwehr erfolgen Vorhandensein des zweiten Fluchtweges nach Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung, aber:
    Der zweite Fluchtweg muss selbstständig nutzbar sein
    Der zweite Fluchtweg muss selbstständig nutzbar sein und kann auch als Notausstieg ausgebildet werden
    Treppen dürfen gewendelte Läufe haben Treppen im ersten Fluchtweg müssen gerade Läufe haben, Treppen im Verlauf von zweiten Fluchtwegen dürfen gewendelte Läufe haben Treppen im ersten Fluchtweg müssen gerade Läufe haben
    Treppen in Gebäuden nach Verkaufsstättenverordnung müssen auf beiden Seiten Handläufe haben Ein beidseitiger Handlauf wird erst ab einer Treppenbreite von 150 cm gefordert Handläufe auf beiden Seiten

Privatgelände, Mehrfamilienhäuser und Verkehrssicherungspflicht

  • Gelten die Arbeitsschutzregeln (DGUV Regeln, DGUV Information, technische Regeln für Arbeitsstätten) auch in Wohngebäuden und auf dem Privatgelände?

    Die technischen Regeln und Informationen richten sich an Unternehmer/Arbeitgeber und enthalten Vorgaben zum Schutz ihrer Beschäftigten. Bei deren Anwendung kann ein Arbeitgeber davon ausgehen, dass er die Forderungen der Arbeitsstättenverordnung (z.B. Einbau eines rutschhemmenden Fußbodens) eingehalten hat. Der Geltungsbereich und der Einflussnahmebereich des Arbeitgebers beschränkt sich dabei auf die Arbeitsstätte, deren Kriterium nach der Definition u.a. ist, dass es sich um das „Gelände eines Betriebes“ handeln muss. Ein Arbeitgeber kann logischer- und sinnvollerweise nur auf seinem Betriebsgelände und in seinen Gebäuden für die bauliche Gestaltung verantwortlich sein (z.B. den Einbau eines rutschhemmenden Fußbodens). Werden beispielsweise Handwerker, Lieferanten, Postboten etc. in einem Privathaushalt tätig fällt dies nicht unter das Kriterium „Gelände eines Betriebes“ bzw. das Gelände seines Betriebes, mit der Folge, dass deren Arbeitgeber dort nicht für die gleichen baulichen Begebenheiten sorgen kann. Privatpersonen sind auch nicht der Normenadressat für Arbeitsschutzvorschriften. Es lässt damit (zunächst) festhalten, dass die Regelungen für Arbeitsplätze/Arbeitsstätten grundsätzlich nicht auf Privatbereiche anzuwenden sind. Dies bedeutet allerdings nicht, dass eine Privatperson deswegen nicht nichts machen muss, sondern sie hat eine "Verkehrssicherungspflicht".

  • Was ist die Verkehrssicherungspflicht in Bezug auf Fußböden und wie kann ich sie erfüllen?

    Die "Verkehrssicherungspflicht" ist ein Begriff der Rechtsprechung, die sich aus dem Schadensersatzparagraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches (§ 823) ableitet, dass jemand zum Schadenersatz verpflichtet werden kann, der eine Gefahrenquelle schafft oder unterhält. Arbeitgeber erfüllen ihre Verkehrssicherungspflicht in der Regel indem sie der baulichen Gestaltung nach den Arbeitsstättenregeln Rechnung tragen und entsprechende Reinigungs- und Instandhaltungsmaßnahmen treffen (z.B. Räumen und Streuen bei Schnee und Eis).

    Für Privatgrundstücke und Wohngebäude sind wir als Unfallversicherung nicht zuständig, möchten hier aber das Thema aufgreifen, da wir regelmäßig danach gefragt werden. Für Privatperson und –grundstücke gilt ebenso die Verkehrssicherungspflicht. Dazu gehören selbstverständlich die meist auch kommunal geregelte Räum- und Streupflicht, aber auch die bauliche Gestaltung mit geeigneten Fußböden. Hierzu stellt das deutsche Baurecht bzw. das Länderbaurecht und zugehöriges Sonderbaurecht keine allgemeinen Anforderungen an die rutschhemmenden Eigenschaften von Fußböden. Auch für den öffentlichen Bereich gibt es kaum Vorgaben, zumindest keine allgemein geregelten, maximal kommunal gestellte Anforderungen. Auch einer Privatperson muss klar sein, dass in einem Außenbereich nicht jeder Boden verlegt werden kann. Eine Möglichkeit sich abzusichern, bzw. die Verkehrsflächen sicher zu gestalten, ist wiederum die Regelungen für Arbeitsstätten heranziehen und sich daran zu halten. In Ermangelung anderer technischen Regeln oder Vorgaben wird dies oftmals gemacht oder auch von ausführenden/planenden Firmen empfohlen. Auch in der Rechtsprechung sind Richter bereits mehrfach dieser Argumentation gefolgt und ziehen als Stand der Technik die Anforderungen des Arbeitsschutzes heran und übertragen diese auf den Privatbereich. Das ist kein Automatismus, sondern liegt in der Entscheidung der Richter.

    Auch bei allgemein genutzten Flächen in Mehrfamilienhäusern wie beispielsweise Zuwegungen, Fluren, Treppenhäusern empfiehlt es sich die Regelungen für Arbeitsstätten heranzuziehen und einzuhalten, um als Eigentümer(-gemeinschaft) gegenüber Bewohnern und Gästen der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen.

Fußböden

  • DGUV-Regel 108-003 (vorher: BGR/GUV-R 181) und ASR A1.5/1,2 regeln beide die Rutschhemmung bzw. die R-Klassen in Arbeitsbereichen. Was gilt denn nun?

    Das Arbeitsschutzrecht regelt die Anforderungen an die rutschhemmenden Eigenschaften von Fußböden. Dabei gibt es derzeit zwei (technische) Regeln, die dies beinhalten: Zum einen die DGUV Regel 108-003 (wurde umbenannt ist aber inhaltsgleich zur BGR/GUV-R 181), welche von den Unfallversicherungsträgern herausgegeben wird und zum anderen die technische Regel für Arbeitsstätten ASR A1.5/1,2 "Fußböden", die zur Konkretisierung der Arbeitsstättenverordnung dient; Herausgegeben wird sie vom Ausschuss für Arbeitsstätten unter Federführung des BMAS auf Grundlage der ArbStättV als staatliche technische Regel. Bei der ersten Veröffentlichung der ASR A1.5 in 2013 wurden wesentliche Inhalte der DGUV-Regel 108-003 übernommen, so dass derzeit zwei Regeln existieren, die im Wesentlichen das gleiche regeln. Die Rangfolge zwischen den Regeln ist klar definiert: In den Vorbemerkungen der DGUV-Regel steht: Sind zur Konkretisierung staatlicher Arbeitsschutzvorschriften von den dafür eingerichteten Ausschüssen technische Regeln ermittelt worden, sind diese vorrangig zu beachten.

    Die Liste mit Anforderungen an R-Klassen in verschiedenen Arbeitsbereichen ist fast identisch, so dass der Unterschied faktisch kaum auffällt. Wenn es Unterschiede gibt, sind die Anforderungen der ASR A1.5 vorrangig und ausreichend. Im Rahmen der Erarbeitung der ASR A1.5 wurde auch die Liste überarbeitet und beispielsweise in folgenden Bereichen geändert:

     

    DGUV Regel 108-003 bzw. BGR/GUV-R 181

    • Waschräume und Toiletten: R10
    • gastronomische Küchen, Hotelküchen: bis 100 Gedecke pro Tag: R11 V4, über 100 Gedecke pro Tag: R12 V4
    • Aufbereitungsküchen (z.B. Fastfood, Imbiss): R12 V4

     

    ASR A1.5/1,2

    • Waschräume: R10 (unverändert), Toiletten: R9 (abgesenkt), Toiletten in Schulen: R10 (unverändert)
    • Gastronomische Küchen, Hotelküchen: R12, (unabhängig von der Gedeckanzahl, Wegfall V4)
    • Aufbereitungsküchen (z.B. Fastfood, Imbiss): R12, (Wegfall V4)
  • Warum wird diese Doppelregelung nicht vermieden?

    Die DGUV-Regel wurde deshalb nicht zurückgezogen, da der Geltungsbereich unterschiedlich ist: Beispielsweise fallen Transportmittel und Binnenschiffe nicht unter die Arbeitsstättenverordnung, weswegen die ASR A1.5 keine Anwendung findet, wohl aber die DGUV Regel. Außerdem sind weitere Inhalte der DGUV Regel 108-003 weiterhin erhaltenswert, die nicht in die ASR aufgenommen wurden. Sobald Ersatzregelungen erarbeitet sind, ist eine Zurückziehung der DGUV Regel 108-003 beabsichtigt.

  • Die DGUV-Regel 108-003 (vorher: BGR/GUV-R 181) hat den Stand von 2003; ist sie noch aktuell?

    Ja, der Stand von 2003 ist noch aktuell. Allerdings ist seit 2013 die ASR A1.5/1,2 "Fußböden" veröffentlicht, die im Wesentlichen das gleiche regelt, aber vorrangig zu beachten ist. Eine Überarbeitung der DGUV Regel findet durch die Unfallversicherungsträger nicht mehr statt, da eine Zurückziehung beabsichtigt ist und gemeinsam mit den staatlichen Gremien nur noch die ASR A1.5 weiterentwickelt wird.

  • Was ist der Unterschied zwischen DGUV Regel 108-003 und BGR181 bzw. GUV-R 181?

    Inhaltlich gibt es keinen Unterschied zwischen den Regeln. Bis vor einigen Jahren gab es zwei Dachverbände im Bereich der Unfallversicherungsträger, den Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG) und dem Bundesverband der Unfallkassen (BUK). Beide haben die inhaltsgleiche Regel 181 herausgebracht. Einziger Unterschied ist die Ansprache bzw. Benennung der Unternehmen. Nach der Fusion der beiden Dachverbände zur DGUV hat eine Neubenennung und Nummerierung des Vorschriften- und Regelwerkes stattgefunden. Die beiden vorhandenen Regeln BGR 181 und GUV-R 181 wurden bei gleichem Inhalt umbenannt in DGUV Regel 108-004 für die BGR 181 und DGUV Regel 108-003 für die GUV-R 181. Damit war die Regel doppelt vorhanden, so dass die DGUV Regel 108-004 zurückgezogen wurde und in der DGUV Regel 108-003 der Hinweis aufgenommen wurde, dass diese genauso für den gewerblichen Bereich gilt.

  • Zwischen angrenzenden Fußböden darf nur eine R-Gruppe Unterschied sein, wie groß muss ein Übergangsbereich sein?

    Angrenzende Fußböden die durchgehend begangen werden dürfen maximal eine R-Gruppe Unterschied haben. Über die Größe eines Übergangbereiches macht die ASR A1.5/1,2 keine direkte Aussage. Sie bestimmt aber auch, dass eine Sauberlaufzone im Eingangsbereich mindestens 1,5 m in Laufrichtung sein muss. Die Sauberlaufzone fungiert auch regelmäßig als Übergangsbereich zwischen R11 im Außenbereich und R9 im Eingangsbereich innen. Daraus kann man schließen, dass andere Übergangsbereiche auch eine Länge von 1,5 m in Laufrichtung haben sollten. Diese Länge ermöglicht zudem mit jedem Fuß einen Schritt in diesem Bereich zu machen.

  • Kann ich die R-Gruppe von einem eingebauten Boden bestimmen?

    Nein, die R-Gruppe eines Fußbodens der fest eingebaut ist, kann nicht mehr bestimmt werden. Ausnahme: Der Boden lässt sich zerstörungsfrei ausbauen oder herausnehmen, dann kann er in dem Laborprüfverfahren mit der Schiefen Ebene geprüft werden.

    Auch mit mobilen Messgeräten nach DIN EN 16165 – Anhang D (ersetzt DIN 51131) kann die R-Gruppe nicht bestimmt werden. Allerdings kann mit diesen Geräten und einem alternativen Bewertungssystem eingeschätzt werden, ob die Rutschhemmung des Bodens unter Betriebsbedingungen ausreichend ist. Informationen dazu enthält die DGUV Information 208-041.

  • Wo kann ich eine Messung der R-Gruppe beauftragen?

    Eine Messung der R-Gruppe kann bei allen Prüflaboratorien beauftragt werden, die nach DIN EN 16165 – Anhang B (ersetzt DIN 51130) prüfen können. Als Sachgebiet empfehlen wir das Institut für Arbeitsschutz der DGUV oder eines der anderen Prüflabore die an den von uns regelmäßig organisierten Erfahrungsaustauschen von Prüfstellen nach DIN EN 16165 – Anhang B (vorher DIN 51130) teilnehmen. Die Teilnehmendenliste steht zum download (PDF, 15 kB) bereit.

  • Wo kann ich eine Messung der Gleitreibung von Fußböden beauftragen?

    Verschiedene Berufsgenossenschaften bieten solche Messungen für ihre Mitgliedbetriebe meist sogar kostenlos an (beispielsweise die Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik, die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe oder die Berufsgenossenschaft für Gesundheit und Wohlfahrtspflege). Auch das Institut für Arbeitsschutz der DGUV und eine Reihe von weiteren Prüflaboratorien und Gutachtern führen Messungen nach DIN 51131 durch.

Einführung der DIN EN 16165 – Rutschhemmung von Fußböden – Ermittlungsverfahren

  • Wieso gibt es jetzt eine europäische Norm zur Messung der Rutschhemmung von Fußböden? Und wieso enthält sie vier verschiedene Prüfverfahren?

    In Europa gab es bisher zahlreiche Normen und technische Regeln, die die Messung der Rutschhemmung von Fußböden regelten. Zum Teil gab es für das gleiche Messprinzip unterschiedliche Regelwerke, die sich technisch sehr ähnelten und nur in bestimmten Feinheiten unterschieden. Die Anwendungsbereiche waren auf einzelne Produktgruppen, Bereiche oder Länder beschränkt. Fußboden-Hersteller und Prüfinstitute mussten so eine Vielzahl unterschiedlicher Standards beachten und danach prüfen.

    Ziel bei der Erstellung der Norm war in Europa gebräuchliche Prüfverfahren zu vereinheitlichen und die Vielzahl der Regelungen auf vier Prüfverfahren zu reduzieren. Dabei steht nur das "WIE", also die Messmethode, im Fokus und wie die Messung durchgeführt wird. Es geht in der Norm nicht um Anforderungen an Fußböden, also darum wie die Ergebnisse zu verwenden sind. Der europäische Rechtsrahmen sieht vor, dass die Anforderungen an die Nutzungssicherheit eines Gebäudes und auch die Nutzungssicherheit einer Arbeitsstätte durch die Mitgliedsstaaten festgelegt wird.

    Es wurden vier Prüfverfahren in die Norm aufgenommen, da in unterschiedlichen Ländern bereits gute Erfahrungen mit den dazugehörigen Sicherheitssystemen gemacht wurden und da es kein Prüfverfahren gibt, das alle gewünschten und nötigen Eigenschaften vereint. Die schiefe Ebene (Anhang A und B) bietet den Vorteil, dass alle Arten von Böden, insbesondere auch profilierte Böden und Gitterroste geprüft werden können. Der Nachteil ist, dass das Verfahren nur im Labor eingesetzt werden kann und für fest eingebaute Böden im Betriebszustand nicht geeignet ist. Die Begehung durch eine barfüßige Person (Anhang A) hat den Vorteil, dass die Reibungseigenschaften in Verbindung mit menschlicher Haut gemessen werden können, da es bisher kein künstliches Hautersatzmaterial mit vergleichbaren Eigenschaften gibt. Die Pendelprüfung (Anhang C) und die Tribometer-Prüfung (Anhang D) können sowohl im Labor als auch vor Ort und im Betriebszustand eingesetzt werden. Sie haben beide den Nachteil, dass es Schwierigkeiten bei der Messung von profilierten Fußböden gibt.

    Eine Übertragbarkeit der Ergebnisse aus den verschiedenen Prüfverfahren untereinander ist nicht gegeben. Dies liegt an unterschiedlichen Parametern und Prüfmaterialien.

  • Welche Chancen bietet die neue Prüfnorm DIN EN 16165?

    Im Rahmen der Überarbeitung wurden die Messverfahren verbessert und lassen eine höhere Messgenauigkeit erwarten. Zugleich bietet die neue Prüfnorm durch vereinheitlichte Prüfverfahren die Chance, dass der Aufwand für unterschiedliche Messungen für Hersteller und Prüfinstitute reduziert wird. Zwar muss ein Hersteller weiterhin die Anforderungen (nach Bauordnungen und Arbeitsschutzrecht) in den europäischen Staaten erfüllen, allerdings kann er die gleiche Messung und das gleiche Messergebnis für verschiedene Länder verwenden. Wenn alle Länder sich in ihren Anforderungen auf die EN 16165 beziehen würden, heißt dies für einen Hersteller, dass er seinen Fußboden mit maximal vier Prüfverfahren testen muss, was zuvor bis zu 27 verschiedene Verfahren sein konnten. Dies reduziert Handelshemmnisse und entspricht den Grundsätzen für freien Warenverkehr im europäischen Binnenmarkt.

    Prüfinstitute können sich europaweit auf vier Messverfahren konzentrieren und müssen insgesamt weniger unterschiedliche Prüfverfahren benutzen. Dies reduziert den administrativen Aufwand sowie die Ausgaben für Geräte, Prüfmaterialien und unterschiedliche Akkreditierungen.

    Europäische Produkt-TC´s, die sich mit den Eigenschaften verschiedener Fußbodenarten beschäftigen brauchen keine eigenen Prüfverfahren zu entwickeln, sondern können auf die Prüfnorm sowie die ohnehin bestehenden Anforderungen in den Mitgliedsstaaten verweisen.

  • Was ist mit den Prüfverfahren aus den deutschen Normen DIN 51097, DIN 51130 und DIN 51131 passiert?

    Die bisherigen deutschen Prüfverfahren wurden in der Erarbeitung der Norm EN 16165, bzw. bereits in der Vorgängerversion der CEN TS 16165 als Grundlage verwendet. Alle drei Verfahren wurden – auch mit den Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern – weiterentwickelt und stellen nun den aktuellen Stand der Prüfverfahren dar. Die Messprinzipien sind also weiterhin vorhanden. Dabei wurde

    • DIN 51097 im Anhang A,
    • DIN 51130 im Anhang B und
    • DIN 51131 im Anhang D
    • DIN EN 16165

    verarbeitet.

  • Wieso wurden mit der Einführung von DIN EN 16165 die deutschen Normen DIN 51097, DIN 51130 und DIN 51131 zurückgezogen? Gibt es eine Übergangsfrist?

    Wenn eine europäische Norm veröffentlicht wird, müssen nationale Normen, die den gleichen Regelungsgegenstand haben zurückgezogen werden. So sollen Doppelregelungen vermieden werden.

    Da es hierbei rein um Prüfverfahren geht, gibt es keine Übergangsregelung. Die neue Norm gilt ab sofort und ist auch einzusetzen.

  • Wo ist die Klassifizierung in R-Gruppen und ABC-Klassen geblieben?

    In den zurückgezogenen deutschen Normen (DIN 51097 und DIN 51130) wurde der Winkel als Prüfergebnis direkt in eine Klasse eingruppiert Diese Klassifizierung entsprach und entspricht den Vorgaben aus anderen Rechtsnormen für die Auswahl von und Anforderungen an Fußböden hinsichtlich der Rutschhemmung. In der europäischen Norm ist das Ergebnis "nur" noch der Winkelwert. Dieser kann erstens besser für eine Produktentwicklung genutzt werden und zweitens stellen ohnehin die einzelnen Länder die Anforderungen an die Auswahl von Fußböden wobei sie die Freiheit haben eine eigene bzw. andere (als die deutsche) Klassifizierung zu wählen.

    In die deutsche Fassung, DIN EN 16165, wurde ein nationaler, informativer Anhang aufgenommen, der die gleiche Klassifizierung wie bisher enthält, so dass in den Prüfzeugnissen nach der deutschen Fassung neben dem Winkelwert auch direkt die erreichte Klasse genannt werden kann.

  • Sind die Prüfergebnisse für die "schiefe Ebene barfuß" nach DIN EN 16165 – Anhang A gleichwertig zu DIN 51097?

    Ja. Das Prüfverfahren und das Messprinzip sind gleich und die Bedingungen sehr ähnlich (z.B. konkret genanntes Netzmittel, etwas höhere Wassertemperatur). Die neue Norm ist deutlich umfangreicher, was in erster Linie an einer detaillierteren Beschreibung und der Einführung eines Verifizierungs- und Korrekturverfahrens beruht. Für Produkte, die nach alter Norm in den Grenzbereichen der Klassifizierung befinden, kann es sein, dass sich das Ergebnis geringfügig ändert. Die Erfahrungen im Rahmen der Erarbeitung haben gezeigt, dass bei der Wiederholungsprüfung von Produkten mit der neuen Norm gleichwertige Ergebnisse erzielt wurden. Aus Sicht der Unfallversicherungsträger bedeutet dies, dass die Prüfergebnisse und daraus abgeleitete Klassifizierung nach alter Norm DIN 51097 und neuer Norm DIN EN 16165 – Anhang A gleichwertig sind.

  • Sind die Prüfergebnisse für die „schiefe Ebene beschuht“ nach DIN EN 16165 – Anhang B gleichwertig zu DIN 51130?

    Ja. Das Prüfverfahren, das Messprinzip und die Prüfmaterialien (Prüfschuh, Motoröl) sind gleich. Die Beschreibung, wie der Winkel des Ausrutschens (vorher Akzeptanzwinkel) ermittelt wird wurde konkreter gefasst und leicht geändert mit dem Ziel die „Grenze des sicheren Gehens“ eindeutiger bestimmen zu können. Je nachdem wie dies zuvor ausgelegt wurde, können nun leichte Abweichungen auftreten, die bei Produkten, die sich nach alter Norm in den Grenzbereichen der Klassifizierung befanden, ggf. auch das Ergebnis geringfügig ändern. Die Erfahrungen im Rahmen der Erarbeitung haben gezeigt, dass bei der Wiederholungsprüfung von Produkten mit der neuen Norm gleichwertige Ergebnisse erzielt wurden. Aus Sicht der Unfallversicherungsträger bedeutet dies, dass die Prüfergebnisse und daraus abgeleitete Klassifizierung nach alter Norm DIN 51130 und neuer Norm DIN EN 16165 – Anhang B gleichwertig sind.

  • Sind die Prüfergebnisse für die „Gleitreibungsmessung“ nach DIN EN 16165 – Anhang D gleichwertig zu DIN 51131?

    Ja. Das Prüfverfahren und das Messprinzip sind gleich und der Prüfablauf sehr ähnlich. Änderungen gab es beim Verfahren zum Anschleifen der Gleiter, wobei in der Erarbeitung auf vergleichbare Ergebnisse wert gelegt wurde und durch ein maschinelles Anschleifen die Präzision erhöht werden soll. Das Verifizierungsverfahren wurde geändert, da es aber nicht für eine Korrektur des Ergebnisses verwendet wird, hat dies keinen direkten Einfluss auf das Prüfergebnis. Die Erfahrungen im Rahmen der Erarbeitung haben gezeigt, dass bei der Wiederholungsprüfung von Produkten mit der neuen Norm gleichwertige Ergebnisse erzielt wurden. Aus Sicht der Unfallversicherungsträger bedeutet dies, dass die Prüfergebnisse nach alter Norm DIN 51131 und neuer Norm DIN EN 16165 – Anhang D gleichwertig sind (gilt für die Messungen mit dem SBR-Gleiter).

    In der neuen Norm wurde mit dem „Mix-Slider“ ein neuer Gleiter eingeführt. Da dieser Gleiter nicht in der alten Norm DIN 51131 enthalten war und andere Reibmaterialien zu unterschiedlichen Ergebnissen führen besteht keine Gleichwertigkeit für Messungen mit dem „Mix-Slider“. Dieser Gleiter wurde/wird in EN 13893 für die Prüfung im Rahmen des Inverkehrbringens bei elastischen, laminierten und textilen Böden verwendet. In der Erarbeitung der EN 16165 wurde darauf geachtet, dass alle Parameter der EN 13893 erfüllt sind. Die Anforderungen sind teils konkreter, so dass von einer höheren Präzision ausgegangen werden kann. Als Unfallversicherung haben wir dazu keine eigenen Vergleichsmessungen gemacht, uns bekannte Messungen von Herstellern führten zu vergleichbaren Ergebnissen. Die Anerkennung über die Gleichwertigkeit liegt nicht in unserer Hand der Unfallversicherung; diese Bestätigung muss durch das CEN TC 134 erfolgen.

  • Ändern sich durch die neue Norm die Anforderungen welche Fußböden in welchen Bereichen eingesetzt werden dürfen?

    Nein, die Anforderungen ändern sich nicht. DIN 51097, DIN 51130 und DIN 51131 waren Normen mit Prüfverfahren, die keine Anforderungen an die Auswahl von Fußböden gestellt haben. Die Anforderungen welche R-Gruppe/R-Klasse in welchen Arbeitsbereich verlegt werden muss war auch zuvor in der technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A1.5 „Fußböden“ geregelt (bzw. auch in DGUV Regel 108-003). Für die Anforderungen an Böden bzw. die „ABC-Klasse“ in barfuß genutzten Bereichen galt und gilt weiterhin die DGUV Information 207-006 und für die Interpretation der Ergebnisse nach DIN 51131 weiterhin die DGUV Information 208-041.

  • Die ASR A1.5 und die DGUV Regel 108-003 verweisen noch auf die zurückgezogenen DIN-Normen. Wonach soll denn nun geprüft werden?

    Es wurde bereits festgestellt, dass die Prüfergebnisse für die beschriebenen Verfahren als gleichwertig angesehen werden. Für die Anwendung der ASR A1.5 und DGUV Regel 108-003 besteht deshalb aus fachlich-inhaltlicher Sicht kein Unterschied, da für den Schutz von Beschäftigten/Versicherten die gleichwertigen, sicherheitstechnischen Maßnahmen getroffen werden. Formal lässt sich eine Übergangszeit nicht vermeiden, da sich die Erarbeitungszeiten der Regelsetzer unterscheiden und ggf. auch voneinander abhängen. Es ist beabsichtigt, dass die ASR A1.5 Fußböden in diesem Punkt geändert wird und zukünftig auf die DIN EN 16165 in den Literaturhinweisen verweist.

    Aus Sicht der Unfallversicherungsträger kann und soll die neue Prüfnorm angewendet werden, damit Prüfungen auf aktueller Basis durchgeführt werden.

  • Sind alte Prüfzeugnisse weiter gültig oder muss ein Fußbodenbelag neu geprüft werden?

    Da die Prüfergebnisse für Fußböden nach den alten Normen und der neuen Norm gleichwertig sind, besteht aus Sicht der Unfallversicherungsträger kein Bedarf bereits vorhandene und geprüfte Fußböden erneut zu prüfen. In der Regel sind Prüfzeugnisse auf fünf Jahre beschränkt, so dass im Laufe der Zeit nur noch Fußböden am Markt sein werden, die nach neuer Norm geprüft wurden. Es wird sich dadurch eine Übergangszeit ergeben, bis alle technischen Regeln auf die neue Norm angepasst und alle Prüfungen nach der neuen Norm durchgeführt wurden. In dieser Übergangszeit dürfen die Ergebnisse und Prüfzeugnisse als gleichwertig betrachtet werden. Dabei gilt,

    • dass Prüfzeugnisse nach alten Normen (und neuer Norm) ausreichend sind, wenn technische Regeln und Ausschreibungen von Planern auf die neue DIN EN 16165 verweisen,
    • sowie Prüfzeugnisse nach der neuen Norm (und den alten Normen) ausreichend sind, wenn die technischen Regeln und Ausschreibungen von Planern noch nicht auf die DIN EN 16165 aktualisiert wurden.
  • Der Ausschreibungstext ist noch nicht auf die neue Norm angepasst, kann ich mich mit einem Prüfzeugnis nach neuer Norm darauf bewerben?

    Erfahrungsgemäß dauert es einige Monate oder sogar Jahre bis Änderungen in den technischen Regelwerken bei allen Beteiligten angekommen sind und in den betrieblichen Prozessen umgesetzt werden. So ist auch damit zu rechnen, dass Ausschreibungen und Planungen noch auf die alten Prüfnormen verweisen. Da die Prüfergebnisse für die beschriebenen Verfahren nach DIN 51097, DIN 51130 und DIN 51131 zu der neuen Prüfnorm DIN EN 16165 als gleichwertig angesehen werden und sich die Anforderungen nach ASR A1.5 und DGUV Regel 108-003 nicht geändert haben, können auch Prüfzeugnisse nach neuer Norm als ausreichender Nachweis für Ausschreibungen nach altem Stand verwendet werden.

  • DIN EN 16165 enthält keine Messung des Verdrängungsraums. Was gilt denn stattdessen?

    Die Messung des Verdrängungsraumes wurde nicht von DIN 51130 in die neue EN-Norm übernommen, da zu dieser Eigenschaft eine europäische Normung im zuständigen Gremium nicht gewünscht war. Die Messung des Verdrängungsraumes wird deshalb in Deutschland national geregelt. Dazu ist bereits der Normentwurf E DIN 51133 erschienen. Die Fertigstellung und Veröffentlichung der fertigen Norm wird für die erste Jahreshälfte 2022 erwartet. Übergangsweise kann aus Sicht der Unfallversicherungsträger bereits nach dem Normentwurf geprüft werden.

  • Sind die Standard-Oberflächen nach DIN EN 16165 Anhang A die gleichen wie in DIN 51097?

    Nein, die Standard-Oberflächen nach DIN EN 16165 Anhang A sind nicht die gleichen wie in DIN 51097. Für Prüfungen nach DIN EN 16165 Anhang A werden die neuen Standard-Oberflächen benötigt.

  • Sind die Prüfschuhe und Standard-Oberflächen nach DIN EN 16165 Anhang B die gleichen wie in DIN 51130? Wenn ja, warum haben sie andere Standardwerte?

    Ja, sowohl die Prüfschuhe als auch die Standard-Oberflächen nach DIN EN 16165 Anhang B sind die gleichen wie in DIN 51130. Prüflabore, die die Standard-Oberflächen in Gebrauch haben, können diese prinzipiell weiter benutzen. Die Standardwerte für die Standard-Oberflächen werden in Ringversuchen ermittelt, wobei die Anzahl der Prüfpersonen, verschiedene Sätze an Standard-Oberflächen, die Prüfschuhe und deren Zustand und die Beschreibung des Prüfablaufes einen Einfluss auf die Ergebnisse haben. Im Rahmen der Erarbeitung der Prüfnorm EN 16165 wurde ein umfangreicher, europäischer Ringversuch durchgeführt bei dem die aktuellen Standardwerte der Standard-Oberflächen ermittelt wurden. Daran waren zahlreiche Laboratorien beteiligt. Die Änderungen in den Standardwerten sind geringfügig und lassen sich mit den genannten Bedingungen erklären. Die bisherigen Standard-Oberflächen können also mit den neuen Werten weiter verwendet werden.

    Es wird empfohlen sich vom Hersteller der Standard-Oberflächen über die Angabe der Seriennummer eine Bescheinigung ausstellen zu lassen, dass die Materialien zur Herstellung die gleichen sind.

  • Gibt es die Informationen zur Einführung der DIN EN 16165 auch als Zusammenfassung? Gibt es sie auch in Englisch für meine ausländischen Kunden?

    Ja, unsere FAQ zur Einführung der DIN EN 16165 gibt es als Zusammenfassung in deutscher und englischer Sprache (PDF, 335 kB) und kann hier heruntergeladen werden.

  • Wo kann ich die Prüfmaterialien nach E DIN EN 16165 beziehen?

    Für die Verfahren zur Messung der Rutschhemmung von Fußgängeroberflächen nach E DIN EN 16165 werden zum Teil spezielle Materialien wie Prüfschuhe oder Standard-Oberflächen benötigt. Da diese nicht überall bezogen werden können, haben wir eine Liste mit möglichen Anbietern zusammengestellt. Die Anbieterliste steht zum Download (PDF, 185 kB) bereit.

Fußböden aus Gitterrosten

  • Wie groß dürfen die Maschen von Gitterrosten im öffentlich-zugänglichen Bereich sein?

    In öffentlich-zugänglichen Bereichen darf die Maschenweite von Rosten in einer Richtung maximal 10 mm betragen, um ein Hängenbleiben mit Schuhabsätzen zu vermeiden bzw. zu reduzieren.

  • Welche Anforderungen an die Befestigung von Gitterrosten gibt es?

    Grundsätzlich bestehen unterschiedliche Anforderungen, je nachdem ob eine Absturzgefahr besteht oder nicht. Eine Absturzgefahr ist mindestens dann gegeben, wenn der Abstand zur darunterliegenden Fläche > 1 m ist oder zusätzlich wenn die Gefahr des Hineinfallens oder Versinkens in flüssige oder körnige Stoffe besteht (siehe ASR A2.1 „Schutz vor Absturz und herabfallenden Gegenständen“). Bei möglichen Absturzhöhen zwischen 0,2 m und 1 m entscheidet das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung über die zu treffenden Maßnahmen.

    Anforderungen an die Befestigung von Gitterrosten in Bereichen ohne Absturzgefahr:

    • Sicherung gegen Verschieben in Tragstabrichtung (Verschiebesicherung)

    Anforderungen an die Befestigung von Gitterrosten in Bereichen mit Absturzgefahr:

    • Sicherung gegen Verschieben in Tragstabrichtung (Verschiebesicherung)
    • Die Verschiebesicherung (in Tragstabrichtung) muss auch dann wirksam sein, wenn sich die Verschraubung gelöst hat; das Gitterrost darf nicht vom Auflager rutschen
    • Sicherung gegen Abheben (Abhebesicherung)

    Es gibt verschiedene Möglichkeiten die Verschiebesicherung und Abhebesicherung zu realisieren, ggf. ist eine Kombination von verschiedenen Befestigungen nötig, um alle Anforderungen zu erfüllen:

    • Die Verschiebesicherung kann durch die Unterkonstruktion gegeben sein, z.B. wenn das Gitterrost in einen Winkelrahmen eingelegt wird oder angeschweißte Begrenzungen auf der Unterkonstruktion ein Verschieben verhindern (Verschiebesicherung, keine Abhebesicherung, bei Bedarf muss eine Abhebesicherung ergänzt werden)
    • Die Verschiebesicherung kann am Gitterrost selbst angebracht sein, z.B. durch unterhalb angeschweißte Winkelleisten, seitlich angeschweißte Winkel- oder Z-Kragen, die ein Rutschen vom Auflager verhindern (Verschiebesicherung, keine Abhebesicherung, bei Bedarf muss eine Abhebesicherung ergänzt werden)
    • Befestigungen beispielsweise mit Schweißbolzen, Setzbolzen, eingeschraubten Gewindebolzen in Verbindung mit Teller- oder Klammerbefestigung; im Falle dass sich die Verschraubung löst verhindert der Bolzen mit Anschlag am Randstab ein Abrutschen des Gitterrostes (Verschiebe- und Abhebesicherung)
    • Klammerbefestigungen mit umgebogenen Metalllaschen: Die Klammeroberteile werden um die Gitterroststäbe gebogen und die nach unten herausstehenden Metalllaschen verhindern ein Abrutschen des Rostes vom Auflager auch wenn sich die Verschraubung gelöst hat (Verschiebe- und Abhebesicherung)
    • Direktverschraubung, auch mit selbstbohrenden/selbstschneidenen Schrauben, in Verbindung mit angeschweißten Lochplatten oder Teller-/Halteklammeroberteilen; es wird davon ausgegangen, dass sich die Verschraubung zwar lösen kann, die Schraube aber (ohne Anzugsmoment) im Gewinde bzw. im Auflager verbleibt und nicht ganz herausfällt. Auch bei gelöster Schraubverbindung wird ein Verschieben in Tragstabrichtung verhindert. (Verschiebe- und Abhebesicherung)
    • Halteklammer/Telleroberteil mit Klemmung am Auflager; diese Befestigung stellt nur eine Abhebesicherung dar und keine Verschiebesicherung (Abhebesicherung, eine Verschiebesicherung muss ergänzt werden)
    • Hinweis: Die Verschiebesicherung in Bereichen mit Absturzgefahr muss immer auch formschlüssig erfolgen. Eine rein kraftschlüssige Verbindung verliert ihre Wirkung, wenn sich die Verschraubung löst.

    Werden Befestigungen (Bolzen, Klammern, etc.) benutzt, muss jeder Gitterrost an mindestens den vier Eckpunkten befestigt sein.

  • Ist es nicht egal welche Gitterrostbefestigungen ich verwende? Klammer ist doch Klammer, oder?

    Nein, es ist nicht egal welche Klammer verwendet wird. Es gibt Klammern, die nur eine Abhebesicherung darstellen und das Verschieben nicht verhindern, wenn die Verschraubung gelöst ist und kein Kraftschluss zwischen Rost und Auflager vorhanden ist. Es ist wichtig die Anforderungen zu klären und die richtigen Befestigungen auszuwählen. Es kann auch eine Kombination aus separater Abhebe- und Verschiebesicherung gewählt werden.

  • Meine Gitterrostbefestigungen sind nicht in der DGUV Information 208-007 „Roste – Auswahl und Betrieb“ abgebildet, darf ich auch andere verwenden?

    Ja, wenn sie den Anforderungen an die Verschiebe- und Abhebesicherungen genügen. Es handelt sich in der DGUV Information um Beispiele bzw. „um in der Praxis bewährte Befestigungen“. Diese sind gängig und kommen häufiger vor, die Liste ist aber nicht abschließend und schließt andere Bauarten oder Systeme nicht aus, wenn sie wirksam die Kriterien erfüllen.

    Hinweis: Wenn es am Markt neue Befestigungsarten gibt und diese sich in der Praxis bewähren, kann die Liste erweitert werden.

  • Darf ich Gitterroste auch direkt verschrauben? Auch mit selbstbohrenden/selbstschneidenden Schrauben?

    Ja, Gitterroste können auch direkt verschraubt werden. Es dürfen auch selbstbohrende/selbstschneidende Schrauben verwendet werden. Die Direktverschraubung erfolgt über im Gitterrost eingeschweißte Lochplatten oder über Teller- bzw. Klammeroberteilen. Auch wenn sich die Verschraubung löst, ist eine Verschiebesicherung gegeben, da der Randstab an der Schraube ein Rutschen vom Auflager verhindert.

    Neben der Stärke der Unterkonstruktion ist beachten, dass bei selbstbohrenden/selbstschneidenden Schrauben die Festigkeit nachlassen kann, wenn sie gelöst und wieder befestigt werden. Bereiche in denen zu erwarten ist, dass Roste herausgenommen werden müssen (z.B. für Wartungsarbeiten) sind vorrangig andere Befestigungsarten zu empfehlen.

  • Müssen Gitterroste nicht auch gegen Verschieben quer zur Tragstabrichtung gesichert sein?

    Die DGUV Information 208-007 stellt dazu keine Anforderungen bzw. macht dazu keine Aussagen und fordert nur die Verschiebesicherung in Tragstabrichtung. Sicherheitstechnisch ist dies der häufigere und kritischere Fall, da es zu Abstürzen kommt, wenn ein Gitterrost vom Auflager rutscht. Ein Verrutschen in Querstabrichtung ist möglich, führt aber oftmals nicht zu Abstürzen. Es gibt Situationen, wo diese Thematik relevant sein kann. Zum Beispiel bei Wartungsbühnen wo Gitterroste auf Kragarmen aufliegen. Selbst bei Sicherheitsklammern mit einer Abhebe- und Verschiebesicherung wäre das Verschieben zur offenen Seite des Kragarmes möglich. Nach der Arbeitsstättenverordnung muss ein Fußboden grundsätzlich gegen Verschieben gesichert sein. Der Fall muss also mitbetrachtet werden und geeignete Maßnahmen gefunden werden (z.B. Verschiebesicherungen an der Unterkonstruktion oder Bolzenbefestigungen, an denen die Tragstäbe ein Verschieben in Querstabrichtung verhindern).