Strahlenunfall, Maßnahmen

1 Was bedeutet "erhöhte Strahlenexposition"?

Für den Begriff "erhöhte Strahlenexposition" findet sich im staatlichen Vorschriftenwerk keine Definition. Der Begriff wird in der berufsgenossenschaftlichen Informationsschrift DGUV Information 203-008 "Erste Hilfe bei erhöhter Einwirkung ionisierender Strahlung" (ehemals BGI 668), in der medizinische Maßnahmen bei Strahlenunfällen beschrieben sind, wie folgt definiert:
"Eine erhöhte Einwirkung ionisierender Strahlung liegt vor, wenn gesetzlich festgelegte Grenzwerte und daraus abgeleitete Richtwerte überschritten sind."

2 Was ist ein Strahlenunfall?

Unter einem Strahlenunfall versteht das staatliche Recht eine Situation, in der eine oder mehrere Personen eine Strahlenexposition von mehr als 50 mSv effektive Dosis erhalten haben kann.

3 Welche Maßnahmen sind bei einer erhöhten, bzw. bei Verdacht einer erhöhten Strahlenexposition zu ergreifen?

Diese Maßnahmen sind in der DGUV Information 203-008 ausführlich beschrieben. Z. B. ist der Gefahrenbereich zu verlassen und das betriebliche Strahlenschutzpersonal zu verständigen. Unter Beachtung des Selbstschutzes sind Verletzte zu retten. Weitere Maßnahmen sind u. a. abhängig von der Einwirkungsart (äußere Exposition, Kontamination, Inkorporation).

4 Hängen diese Maßnahmen von der Höhe der Strahlenexposition ab?

Ja, z. B. sieht das staatliche Strahlenschutzrecht bei Verdacht eines Strahlenunfalls die sofortige Kontaktaufnahme mit einem ermächtigten Strahlenschutzarzt vor.

5 Wen kann man fragen, wenn man eine erhöhte Strahlenexposition vermutet?

Erster Ansprechpartner sollte zuerst der betriebliche Strahlenschutz sein, da er die Situation vor Ort am besten einschätzen kann. Darüber hinaus kann mit einem Regionalen Strahlenschutzzentrum (RSZ) Kontakt aufgenommen werden. Eine Liste der RSZ findet sich auf den Internetseiten der BG ETEM (www.bgetem.de, Webcode: 12178646). Auch das Fachgebiet Strahlenschutz der BG ETEM sowie das Institut für Strahlenschutz der BG ETEM und der BG RCI können in solchen Fällen angesprochen werden.

6 Muss man nach Überschreitung eines Grenzwertes seine Tätigkeit beenden?

In den allermeisten Fällen kann nach einer Grenzwertüberschreitung die Tätigkeit unter Auflagen fortgeführt werden.

7 Gibt es außer den ermächtigten Ärzten andere medizinische Einrichtungen, die helfen können?

Die BG ETEM und die BG RCI betreiben seit 1981 das Institut für Strahlenschutz. Dieses organisiert ein System medizinischer Einrichtungen, mit welchem bei einer erhöhten Strahlenexposition in kürzester Zeit die bestmögliche Hilfe geleistet werden kann: das System der Regionalen Strahlenschutzzentren (RSZ-System).

8 Was versteht man unter einem RSZ bzw. dem RSZ-System?

RSZ ist die Abkürzung für Regionales Strahlenschutzzentrum. Das Institut für Strahlenschutz der BG ETEM und der BG RCI haben 1981 ein System Regionaler Strahlenschutzzentren aufgebaut. Derzeit sind 11 Zentren über Deutschland verteilt. Die Hauptaufgabe dieses Systems ist, bei Strahlenunfällen in kürzester Zeit die bestmögliche Hilfe zu leisten. Die Mitarbeiter der Zentren haben eine 24-Stunden Rufbereitschaft eingerichtet.

9 Hat jedes Bundesland ein RSZ?

Nein! Es gilt nach wie vor die Maßgabe das nächstgelegene RSZ aufzusuchen.

10 Wo findet man die Adressen und Telefonnummern der RSZ?

Die aktuellen Adressen und Telefonnummern der RSZ sind auf den Internetseiten der BG ETEM (www.bgetem.de) zu finden. Der Webcode der Seite ist: 12178646.