Strahlenrisiko

1 Wie wird das Strahlenrisiko ermittelt?

Zur Ermittlung des Strahlenrisikos werden die Erkrankungs- bzw. Sterberaten der Gesamtbevölkerung mit denen einer Personengruppe, die ionisierender Strahlung ausgesetzt war, verglichen. Dieser Vergleich kann sich auf die Gesamtzahl der Erkrankungen bzw. Todesursachen beziehen oder auch auf einzelne Erkrankungen. Die bisher am längsten nachverfolgte Personengruppe sind die Überlebenden der Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki (LSS Life-Span-Study).

2 Was versteht man unter der LNT-Hypothese des Strahlenschutzes?

Die Abkürzung "LNT" steht für den englischen Ausdruck "Linear No Threshold" und meint einen linearen Dosis-Effekt Zusammenhang ohne Schwellenwert für stochastische Strahlenschäden (sog. Spätschäden wie Krebs oder Leukämie). Damit wird unterstellt, dass mit zunehmender Dosis die Wahrscheinlichkeit eines Strahlenschadens linear anwächst. Allerdings ist bis heute ein solcher Zusammenhang für niedrige Dosen unterhalb von etwa 100 mSv effektive Dosis nicht nachgewiesen. Aus diesem Grund spricht man von einer Hypothese.

3 Welche Risiken bestehen beim Umgang mit ionisierender Strahlung bzw. radioaktiven Stoffen?

Grundsätzlich kann bei einem solchen Umgang eine äußere Strahlenexposition auftreten. Geht man mit offenen radioaktiven Stoffen um, kann es zusätzlich zu einer äußeren oder inneren Kontamination kommen. Im letzten Fall spricht man von Inkorporation bzw. Inhalation oder Ingestion. Wie hoch diese Risiken sein können, hängt von der Art des Umgangs, den Strahlenschutzmaßnahmen (baulicher, organisatorischer und persönlicher Strahlenschutz) sowie von deren Umsetzung durch den Einzelnen ab.

4 Wie hoch ist das Strahlenrisiko im Vergleich zu anderen Risiken im Alltag bzw. bei der Arbeit?

In Anbetracht der vorgeschriebenen Strahlenschutzmaßnahmen ist das Strahlenrisiko durch beruflich bedingte Strahlenexposition nicht höher als andere Risiken in der Arbeitswelt. In den allermeisten Fällen ist die gesamte berufliche Lebenszeitdosis geringer als die erhaltene Strahlenexposition aus natürlichen Quellen im gleichen Zeitraum.

5 Welche Folgen kann die Einwirkung ionisierender Strahlung haben?

Die Einwirkung ionisierender Strahlung führt oberhalb organspezifischer Dosisschwellenwerte zu deterministischen (sicher auftretenden) Strahlenschäden. In diesem Fall geht man davon aus, dass oberhalb dieses Dosisschwellenwertes die Schwere des Strahlenschadens mit zunehmender Dosis zunimmt.
Unterhalb dieser Dosisschwellenwerte kann es zu stochastischen (zufälligen) Strahlenschäden kommen. In diesem Fall geht man davon aus, dass mit zunehmender Dosis die Wahrscheinlichkeit eines Strahlenschadens (Krebs, Leukämie) zunimmt. Über die Schwere des stochastischen Strahlenschadens in Abhängigkeit von der Dosis kann keine Aussage gemacht werden.

6 Welche Erkrankungen können ausschließlich durch ionisierende Strahlung verursacht werden?

Es sind bis heute keine Erkrankungen bekannt, die ausschließlich durch ionisierende Strahlung verursacht werden können. Daher müssen bei Erkrankungen, die grundsätzlich auch durch ionisierende Strahlung verursacht werden können, immer sehr gründlich auch andere Ursachen in Erwägung gezogen und untersucht werden.

7 Nach welchen Kriterien wurden die Grenzwerte festgelegt?

Mit den Grenzwerten will man erreichen, dass das durch beruflich bedingte ionisierende Strahlung verursachte Risiko nicht größer ist als das durch andere Gefahrstoffe bzw. Arbeitsverfahren bedingte Risiko.