Klimawandel 5/2026

Extremwetter: Schaden eindämmen, ohne selbst Schaden zu nehmen

Feuerwehrkraft in Schutzkleidung löschen einen Flächenbrand. (Bild: xsim7x / stock.adobe.com)

Klimawandelbedingte Extremwetterlagen erhöhen die Belastung von Feuerwehren – eine Studie von DGUV Akademie und Hanseatische Feuerwehr-Unfallkasse Nord macht den Handlungsbedarf sichtbar. (Bild: xsim7x - stock.adobe.com)

Diesen Sommer brannten großflächig Europas Wälder. Während die einen vor den Flammen flohen, eilten die Feuerwehren herbei, um die Schäden einzudämmen. Doch wie stark belasten die Einsätze, die durch extremes Wetter ausgelöst werden, die Feuerwehren? Die Hanseatische Feuerwehr-Unfallkasse Nord und die DGUV Akademie veröffentlichten nun Umfrageergebnisse, aus denen sich Handlungsbedarfe ableiten lassen.

Extreme Wetterereignisse wie Hitzeperioden, Starkregen, Hochwasser, Stürme, Dürren und Vegetationsbrände treten in Deutschland häufiger und intensiver auf. Diese Entwicklungen wirken sich nicht nur auf die Bevölkerung allgemein, sondern auch auf die Arbeitswelt aus. „Der Klimawandel verstärkt bestehende Gefährdungen und ist eine Gefahr für Gesundheit, Sicherheit und Leistungsfähigkeit von Beschäftigten “, so Dr. Stephan Fasshauer, Hauptgeschäftsführer der DGUV. Er verändert zugleich auch die Einsatzrealität der Feuerwehren zunehmend.“

Feuerwehrangehörige sind nicht nur selbst klimatischen Belastungen ausgesetzt, sondern übernehmen zugleich eine zentrale Rolle bei der Bewältigung klimawandelbedingter Schadensereignisse. Wie sie die Auswirkungen klimabedingter Extremwetter auf ihre Belastungssituation und ihren Ressourcenbedarf wahrnehmen, untersuchte eine Studie der DGUV Akademie und der Hanseatischen Feuerwehr-Unfallkasse Nord.

Die zentralen Ergebnisse im Überblick:

  • Der Klimawandel erhöht Häufigkeit und Intensität von Extremwetterereignissen.
  • Die Einsätze der Feuerwehren werden komplexer, dauern länger an und erfordern zusätzliche personelle sowie technische Ressourcen.
  • Als größte gesundheitliche Herausforderung für Einsatzkräfte werden langanhaltende Hitzeperioden wahrgenommen.
  • Darüber hinaus sehen Feuerwehrleute Handlungsbedarf vor allem bei Vegetationsbränden und Starkregen.
  • Viele Feuerwehren haben bereits Maßnahmen zur Bewältigung klimabedingter Belastungen umgesetzt oder geplant.
  • Dennoch fühlt sich ein erheblicher Teil der Einsatzkräfte nicht ausreichend vorbereitet, qualifiziert oder ausgestattet.

ZITAT

„Der Klimawandel verändert die Einsatzrealität der Feuerwehren zunehmend.“

Dr. Stephan Fasshauer

Ende des Zitats

Vor allem Flächenbrände belasten

Neben der zunehmenden Häufigkeit der Einsätze, welche die Feuerwehren belastet, berichten die Befragten auch, dass Einsätze bei extremen Wetterereignissen oft mit einem erhöhten Ressourcenbedarf verbunden sind. Als Beispiel werden großflächige oder parallele Einsatzlagen beschrieben, die Geräte und Fahrzeuge länger binden und eine teils überregionale, komplexe Koordination erfordern.

Balkendiagramm zur Befragung von Einsatzkräften mit dem Titel „Handlungsbedarf aufgrund extremer Wetterereignisse“. Gefragt wurde, bei welchen Ereignissen am ehesten Handlungsbedarf für einen sicheren und gesunden Dienst gesehen wird; Mehrfachnennungen waren möglich. Am häufigsten genannt wurden Vegetationsbrände mit 71,0 %, Starkregen mit 65,8 %, Stürme mit 53,6 %, Hitzetage mit 48,6 % und Trockenheit beziehungsweise Dürre mit 45,0 %. Es folgen Hochwasser mit 35,4 %, Eis, Glätte und Blitzeis mit 14,8 %, extremer Schneefall mit 9,2 %, Sturmfluten mit 8,6 %, Hagelereignisse mit 5,6 %, Hangrutschungen mit 2,6 % und Lawinen beziehungsweise Gerölllawinen mit 0,6 %. „Weitere“ Ereignisse nennen 1,3 %; 5,0 % sehen keinen Handlungsbedarf. Befragt wurden 1.734 Personen.

„Vegetationsbrände zeigen, wie Risiken zusammenkommen“, so Fasshauer. „Die Einsatzkräfte leisten über einen längeren Zeitraum schwere körperliche Arbeit bei großer Hitze und unter Schutzkleidung. Dabei sind sie Brandrauch und krebserzeugenden Stoffen ausgesetzt, während gleichzeitig komplexe Gefahrenlagen zu bewältigen sind – teilweise an mehreren Einsatzorten.“

So berichten die Befragten als Folge vor allem von körperlicher Erschöpfung, hohen Einsatzfrequenzen und eingeschränkter Regenerationsmöglichkeiten nach einem Einsatz. Um die Einsätze sicherer zu gestalten, sehen sie Handlungsbedarf vor allem für Vegetationsbrände, gefolgt von Starkregen, Stürmen, Hitzetagen sowie Trockenheit und Dürre.

Balkendiagramm zur Befragung von Einsatzkräften mit dem Titel „Zusätzliche Belastungen aufgrund extremer Wetterereignisse“. Am häufigsten wird körperliche Erschöpfung und Anstrengung mit 230 Nennungen angegeben. Es folgen eine hohe Einsatzfrequenz und lange Einsatzdauer mit 122, psychische Belastung und Stress mit 118, emotionale Belastung und persönliche Betroffenheit mit 115 sowie Hitzebelastung und ungeeignete Ausrüstung mit 100 Nennungen. Weitere Belastungen sind Nässe, Kälte und Unwetter (70), erschwerte Vereinbarkeit von Beruf und Familie (47), unzureichende Ausstattung und Materialmängel (45), kollegiale Belastungen und Teamdynamik (26), Konflikte mit der Bevölkerung und Anspruchshaltung (16) sowie fehlende Qualifizierung und mangelndes Wissen (11). Unter „Weitere“ entfallen 48 Nennungen. Mehrfachnennungen waren möglich.

Feuerwehren brauchen angepasste Schutzkleidung, Ausbildung und Spezialtechnik

Gefragt nach dem nötigen Handlungsbedarf, werden insbesondere eine verbesserte und auf den Einsatz angepasste persönliche Schutzausrüstung sowie eine intensivere Ausbildung und Sensibilisierung als erforderlich angesehen. Darüber hinaus verändern sich die Bedarfe bei Fahrzeugen und Spezialtechnik sowie bei der Einsatzplanung, Personalorganisation und Einsatzvorbereitung.

Trotz bereits umgesetzter Maßnahmen – etwa einer angepassten persönlichen Schutzausrüstung, einer verbesserten Trinkwasserversorgung oder gezielten Pausenregelungen – sehen viele Feuerwehrkräfte ihre Organisation noch nicht ausreichend auf die Herausforderungen durch Extremwetterereignisse vorbereitet.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Folgen des Klimawandels die Einsatzrealität der Feuerwehren bereits spürbar verändern. Sie zeigen zudem, dass Prävention, Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie die strategische Weiterentwicklung von Ausbildung, Organisation und Ausrüstung künftig noch stärker an die Folgen des Klimawandels angepasst werden müssen. Die Feuerwehr-Unfallkassen stehen den Feuerwehren als Partner dabei zur Seite. Sie leisten nicht nur den Versicherungsschutz, sondern tragen auch dafür Sorge, dass wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in wirksame Prävention für die Einsatzkräfte übersetzt werden.

GUT ZU WISSEN

Über die Befragung:
Die Befragung wurde von März bis Juni 2025 online durchgeführt. Befragt wurden 1.735 Feuerwehrkräfte, überwiegend Führungskräfte der Freiwilligen Feuerwehren aus allen Bundesländern.

Lesen Sie die Ergebnisse als Zusammenfassung:
Auswirkungen zunehmender Extrem- wetterereignisse auf Feuerwehrkräfte

Die Studie im Detail nachlesen können Sie unter: https://rdcu.be/fpK2v
(Springer-Verlag)

Lesen Sie auch: Fachbereich aktuell „Sicherheit und Gesundheit bei der Vegetationsbrandbekämpfung“

Beitrag teilen: