• Wissenschaftlerin schaut durch ein Mikroskop

Aktuelle Forschungsprojekte

Corporate Social Responsibility: Arbeitsschutz als gesellschaftliche Verantwortung

Unternehmen von öffentlichem Interesse müssen ab 2017 regelmäßig Nachhaltigkeitsberichte zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung veröffentlichen. Das folgt aus der EU-Richtlinie 2014/95. Die Berichtspflicht umfasst Strategien, Risiken und Ergebnisse zu Arbeitnehmer- und Menschenrechtsbelangen, was u.a. die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit angeht. Die Gesetzgebung betrifft Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten, auch die DGUV und ihre Mitglieder selbst. Das verstärkt den Handlungsbedarf und die Gremienarbeit der Unfallversicherungsträger sowie die Öffentlichkeitsarbeit der Unternehmen zum Thema „Corporate Social Responsibility“ (CSR). Das IAG erforscht und berät, welche neuen Maßstäbe auf Aufsichtspersonen und leitende Sicherheitsfachkräfte bei der praktischen Beratung zur Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zukommen. Vor dem Hintergrund der nächsten Präventionskampagne der DGUV und ihrer Mitglieder wird mituntersucht, welche Schnittstellen zur Strategie der Vision Zero und zu einer Kultur der Prävention bestehen.


Stressregulierung als Primärprävention bei Auszubildenden zum Notfallsanitäter

Die Kompetenz zur Stressregulierung ist besonders bedeutsam bei Berufsgruppen, die hohen emotionalen Belastungen bei der Arbeit ausgesetzt sind. Deshalb ist es sinnvoll, die Kompetenzen zur Stressregulierung bereits im Ausbildungsberuf zu verankern. Zu Berufsgruppen mit hohen emotionalen Belastungen gehören u.a. die Beschäftigten bei Rettungsdiensten.

Das Ziel des Projekts ist, die Vermittlung emotionaler Kompetenzen einerseits im Rahmen der Weiterbildung der Rettungsstellenleiter, Praxisanleiter und Lehrrettungsassistenten sowie andererseits während der Ausbildung zum Notfallsanitäter zu integrieren. Dadurch sollen Personen beim Umgang mit stressauslösenden Situationen bereits in der theoretischen Ausbildung vorbereitet und begleitet werden mit dem Ziel arbeitsbedingte psychische Fehlbelastungen zu reduzieren.

Über den Zeitraum von drei Jahren in drei neu startenden Ausbildungsklassen des DRK Bildungswerkes Sachsen soll in einem Warte-Kontrollgruppen-Design die Wirksamkeit des Trainings emotionaler Kompetenzen als integrativer Bestandteil des Ausbildungsberufs untersucht werden.


Erforschung Regionaler Unfallschwerpunkte

Ziel des Projekts war es, die Ursachen für regionale Unterschiede im betrieblichen Unfallgeschehen zu erforschen und auf dieser Basis Vorschläge für präventive Maßnahmen abzuleiten. Die Ursachenanalyse konzentrierte sich deshalb vor allem auf Merkmale, die prinzipiell veränderbar sind. Die Ursachenanalyse, die Bewertung der erhobenen Daten und die Gestaltung bzw. Ableitung von präventiven Maßnahmen bilden somit eine Einheit.

Zwischen den Bundesländern gibt es sowohl bezüglich der Arbeitsunfälle als auch der neuen Unfallrenten gravierende Unterschiede: So hat Mecklenburg-Vorpommern mit 38,86 Arbeitsunfällen auf 1.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte 1,5 mal so viele Arbeitsunfälle wie Hamburg mit 25,41 Arbeitsunfällen auf 1.000 Pflichtversicherte.

Die Datenlage, auf der diese Beobachtungen beruhen, stellte sich allerdings als wenig belastbar heraus. Das Projekt "Arbeitsunfälle Betriebe" hat die aufgezeigten Lücken in der Datenlage geschlossen und die Indikatoren zur Erklärung regionaler Unterschiede im Unfallgeschehen innerhalb Deutschlands aufgezeigt.

Evaluation der DGUV Vorschrift 2 – Regelbetreuung der Betriebe mit mehr als 10 Beschäftigten

Mit der DGUV Vorschrift 2 gibt es seit dem 1. Januar 2011 erstmals für Berufsgenossenschaften und Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand eine einheitliche und gleich lautende Vorgabe zur Konkretisierung des Arbeitssicherheitsgesetzes. Im Mittelpunkt der Reform stand das neue Konzept der Regelbetreuung der Betriebe mit mehr als 10 Beschäftigten. Mittlerweile liegen Erfahrungen mit der Anwendung der DGUV Vorschrift 2 insbesondere aus Sicht der betrieblichen Akteure vor. Im Rahmen einer Evaluation sollen nun belastbare Erkenntnisse zur quantitativen und qualitativen Umsetzung der DGUV Vorschrift 2 in Betrieben mit mehr als 10 Beschäftigten in der Regelbetreuung (Anlage 2 der DGUV Vorschrift 2) gewonnen und ggf. Grundlagen für Optimierungen der Vorschrift vorgeschlagen werden.

Gefährliche Kurznachrichten: Auch mit einer Spracherkennungs-App erhöht SMS-Bearbeitung am Steuer die Unfallgefahr

In einem Experiment wurde mit Hilfe einer Fahrsimulation untersucht, wie sich die manuelle und die sprachgesteuerte Bearbeitung von SMS während einer Autofahrt auswirken. Es zeigte sich, dass sich sowohl die Leistung als auch die subjektive und die physiologische Beanspruchung verschlechtern. Diese Verschlechterung war erwartungsgemäß stärker bei der manuellen Bearbeitung. Die jüngeren Testpersonen (unter 34 Jahren) hatten insgesamt weniger Probleme damit, am Steuer SMS zu tippen, aber auch ihre Fahrleistung wurde nachweisbar schlechter. Darüber hinaus fühlten sich die Fahrerinnen und Fahrer während der Bearbeitung von SMS stärker beansprucht als ohne – und dies unabhängig vom Alter.

Auswirkungen von ständiger Erreichbarkeit auf die Erholung – Erprobung eines Konzepts zur Prävention

Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien wie Smartphones und Tablets prägen zunehmend das Arbeitsleben. Sie ermöglichen, dass Beschäftigte ständig erreichbar sind. Untersuchungen zeigen entsprechend, dass dies bei einem Großteil der Beschäftigten auch in der Freizeit der Fall ist. Das Ziel dieses Projekts besteht darin, wirksame Konzepte zum Umgang mit den Erfordernissen ständiger Erreichbarkeit zu entwickeln, um mögliche negative Gesundheitsfolgen von Erreichbarkeit zu vermeiden. Dabei sollen die Konzepte passgenau in Absprache mit den beteiligten Unternehmen erprobt werden. Im Zentrum der Studie sollen Beschäftigte stehen, bei denen Erreichbarkeit für dienstliche Belange ungeregelt erfolgt. Bei ihnen werden die möglichen Auswirkungen der Erreichbarkeit zunächst in einer umfangreichen Studie erhoben. Das Projekt wird im Rahmen der Initiative Gesundheit und Arbeit durchgeführt.

Pausengestaltung und Erholung – Alte Rezepte für moderne Arbeitswelten?

Die zunehmende Flexibilisierung der Arbeitswelt führt dazu, dass Arbeitspausen immer mehr der Selbststeuerung der Beschäftigten unterliegen. Aufgrund technischer Entwicklungen werden Pausen möglicherweise auch immer stärker dazu genutzt, um in sozialen Medien aktiv zu sein. Es ist fraglich, ob auf der einen Seite gesetzliche Vorgaben und Empfehlungen noch bedarfsgerecht die heutigen Anforderungen abdecken und inwiefern es andererseits bei der Nutzung neuer Medien möglich ist, sich zu erholen. Das aktuelle Projekt untersucht für mobil Tätige, Personen im Home Office und junge Beschäftigte, wie Pausen aktuell gestaltet werden und welche Vorstellungen und Wünsche hinsichtlich einer guten Pausengestaltung bestehen. Das Projekt wird im Rahmen der Initiative Gesundheit und Arbeit durchgeführt.

Neue Wege bis 67 - Praxistipps für ein längeres Arbeitsleben

Für viele Beschäftigte in körperlich harten Berufen wie in der Metallbranche bedeutet es eine Herausforderung, bis 67 zu arbeiten. Zusammen mit der ZEIT-Stiftung und der Handelskammer Hamburg hat das Institut für Arbeit und Gesundheit der DGUV Mitarbeiter zweier Hamburger Betriebe befragt und aus den Ergebnissen Handlungsempfehlungen für Beschäftigte und deren Personalverantwortliche in Produktionsberufen entwickelt. Die Praxistipps zeigen, wie Arbeitnehmer bis zum gesetzlichen Rentenalter von 67 Jahren gesund und leistungsfähig bleiben können und welche Maßnahmen Personalentwickler ergreifen können, um das zu gewährleisten.

Horizontaler Berufsumstieg – eine neue berufliche Chance für ältere Beschäftigte

Alle „64er“ und später Geborenen werden erst mit 67 Altersrente beziehen können. Für die Betroffenen und für die Betriebe ist es vorteilhaft, wenn sich dies auch mit der persönlichen Leistungsfähigkeit der Beschäftigten deckt. Doch viele Berufe weisen Merkmale einer „begrenzten Tätigkeitsdauer“ auf, das heißt, aufgrund von physischen und/oder psychischen Belastungen ist ein Verbleib bis zum regulären Renteneintrittsalter nur schwer möglich.

Seit Dezember 2011 arbeitet das IAG an einem Digitalen Wegweiser, der eine Lösung für dieses Problem verspricht. Herzstück des Digitalen Wegweisers ist ein IT-Instrument, das eine Datenbank mit den Profilen aller in Deutschland vorkommenden Ausbildungsberufe umfasst. Gibt ein Nutzer sein persönliches Profil in den drei Kategorien Qualifikation/ Kompetenzen, Präferenzen sowie Gesundheit und Beanspruchungen ein, so gleicht das Instrument dieses Personenprofil mit allen Berufsprofilen ab und gibt Vorschläge für passende Umstiegsberufe aus.

Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) im Rahmen von INQA gefördert und von der BAuA fachlich begleitet. Die Inhalte werden unter www.horizontaler-berufsumstieg.de näher erläutert. Den Digitalen Wegweiser finden Sie unter unter http://wegweiser-berufsumstieg.de.

Evaluation der Kampagne "Denk an mich. Dein Rücken"

Von 2013 bis 2015 führt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, ihre Träger sowie die Knappschaft die Präventionskampagne "Denk an mich. Dein Rücken" durch. Die Evaluation dieser Präventionskampagne wird vom IAG geleitet und erfolgt auf neun verschiedenen Ebenen. Der Evaluation liegt ein erprobtes Wirkungsmodell zu Grunde. 

Evaluation von Großveranstaltungen

Neben Seminaren gibt es viele Veranstaltungen zu Sicherheit und Gesundheit. Die Forschungslage zum Thema Evaluation von Veranstaltungen bietet wenig, ebenso gibt es kaum geeignete Erhebungsinstrumente. In einem Forschungsprojekt entwickelt das IAG ganzheitliche Instrumente zur Evaluation von Großveranstaltungen. Diese sollen in 2014 beim Weltkongress genutzt werden, um eine umfangreiche Rückmeldung zu erhalten.

Ansprechpartnerin

Dr. Frauke Jahn
Tel.: +49 351 457-1800
Fax: +49 351 457-201800
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