Durch Corona-Krise weniger Arbeitsunfälle, mehr Berufskrankheiten

Die Illustration zeigt ein Balkendiagramm. Dieses vergleicht Berufskrankheiten und Arbeits- und Wegeunfälle in den Jahren 2019 und 2020.

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Bild: DGUV

Die DGUV hat kürzlich die vorläufigen Unfall- und Berufskrankheitenzahlen für das Jahr 2020 veröffentlicht. Zwei Auswirkungen der Pandemie spiegeln sich deutlich wider: Zum einen führten das Lernen auf Distanz und das Arbeiten von zu Hause zu weniger Unfällen durch die Arbeit, in den Einrichtungen oder auf den Wegen dorthin. Zum anderen kämpften Beschäftigte in Pflege- und Gesundheitsberufen an ihren Arbeitsplätzen für die Gesundheit und das Leben von Erkrankten. Sie waren berufsbedingt einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt. Das hat Auswirkungen im Bereich Berufskrankheiten.

Im April 2020 arbeiteten 27 Prozent aller Erwerbstätigen zu Hause, rund 6 Millionen Menschen waren in Kurzarbeit. Dadurch gab es weniger Unfälle infolge von Arbeit oder dem Weg dorthin. Insgesamt sank die Zahl um 13,7 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019. Diese Entwicklung setzte sich bei den tödlichen Unfällen fort: 631 Beschäftige starben bei einem Arbeits- oder Wegeunfall, 175 weniger als im Vorjahr. Der besonders große Rückgang der tödlichen Arbeitsunfälle begründet sich jedoch nicht durch die Pandemie, sondern durch Nachmeldungen in der Statistik 2019. Auch bei den Kindern und Jugendlichen passierten durch wegfallende Kinderbetreuung, Schule oder Uni weniger Unfälle in den Einrichtungen oder auf dem Weg dorthin. Insgesamt gab es 40,7 Prozent weniger Schul- und Schulwegunfälle. 29 Unfälle verliefen tödlich, 15 weniger als 2019.

Die Anzahl der Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit und die entschiedenen Fälle stiegen im Jahr 2020 hingegen deutlich an. Insgesamt gingen nach den vorläufigen Zahlen rund 106.000 Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit ein, das sind 32 Prozent mehr als 2019. Die berufliche Verursachung der Erkrankung wurde dabei in fast 54.000 Fällen bestätigt. Das ist ein Zuwachs um nahezu 53 Prozent. Die Anzahl der anerkannten Berufskrankheiten stieg auf mehr als das Doppelte – auf fast 38.000.

Die steigenden Zahlen bei den Berufskrankheiten sind auch durch die Pandemie bedingt. „Wir haben im Zusammenhang mit Covid-19 eine große Anzahl an Verdachtsanzeigen auf Berufskrankheiten“, so Dr. Edlyn Höller, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der DGUV. Mehr als 30.000 Verdachtsanzeigen in Zusammenhang mit Covid-19 gingen laut einer vorläufigen Sondererhebung der Unfallversicherungsträger im Jahr 2020 ein. Davon wurden bis zum Jahresende fast 23.000 Fälle entschieden und mehr als 18.000 Berufskrankheiten anerkannt. „Im Januar und Februar 2021 kamen dann nochmals rund 26.000 entschiedene Fälle hinzu“, ergänzt Dr. Höller.

Die Zahlen zeigen: Es bleibt weiter wichtig, die Beschäftigten vor Infektionen und damit vor möglichen Langzeitfolgen zu schützen. Neben Maske, Hygiene und Abstand kann auch eine hohe Impfquote dazu beitragen, den Infektionsschutz am Arbeitsplatz und im Bildungsbereich zu erhöhen. „Sich impfen zu lassen, bedeutet nicht nur, sich und seine Kolleginnen und Kollegen zu schützen, sondern auch eine Überlastung der Krankenhäuser zu verhindern und die Verbreitung des Virus zu reduzieren“, appelliert Dr. Höller. Daher starteten die BG Kliniken, die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen sowie die DGUV gemeinsam eine bundesweite Aktion unter dem Motto #Impfenschützt.

Zur Pressemitteilung

www.dguv.de/impfenschuetzt