Projekt: "Gesund im Betrieb - Die Urologie macht's vor"

Bild: © Textil- und Bekleidungs-BG

(Die Kontaktdaten der archivierten Projekte werden nicht mehr aktualisiert.)

Kooperationspartner:

  • tyco Healthcare
  • AOK Bayern
  • Textil- und Bekleidungs-BG
Projekttitel
"Gesund im Betrieb - Die Urologie macht's vor"

Projektdauer
21.06.2004: Präsentation der AU-Daten durch die AOK;
15.11. bzw. 29.11.2004 Präsentation der Ergebnisse aus dem Gesundheitszirkel Urologie bzw. der Bewegungsanalyse.
Derzeit befindet sich das Projekt in der Umsetzungsphase.

Betrieb/Bildungsstätte
tyco Healthcare Deutschland Manufacturing GmbH, Neustadt

Zielgruppe
Mitarbeiterinnen in der Abteilung Urologie

Ausgangslage/Motivation
Der Gesundheitsbericht 2003 der AOK hatte ergeben, dass fast ein Drittel aller AU-Tage auf Krankheiten des Bewegungssystems entfielen. Obgleich der Krankenstand im Betrieb insgesamt unter dem Branchendurchschnitt lag, waren die Werte für diese Diagnose deutlich erhöht. Die Frauen waren weitaus stärker betroffen als die Männer, was einen starken Zusammenhang zum Arbeitsbereich vermuten lässt: So arbeiten in der Montage fast nur Frauen. Der Arbeitskreis Gesundheit, in dem auch die AOK und die BG als externe Experten mitarbeiten, legte fest, welche Ziele mit dem Gesundheitsprojekt verfolgt werden sollten, z.B.

  • körperliche Schädigungen der Mitarbeiter/-innen vermeiden bzw. vermindern
  • die Tätigkeiten für die Mitarbeiter/-innen erleichtern
  • technische Veränderungen einleiten
  • die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Mitarbei-ter/-innen erhöhen
  • das Gesundheitswissen erhöhen
  • das Verhalten der Mitarbeiter/-innen ändern
  • praktische Ausgleichsübungen verstetigen
Präventionsaktivitäten
Die Hauptdiagnosegruppe "Erkrankungen des Muskel-, Skelettsystems und des Bindegewebes" konnte durch eine spezifische Auswertung der AOK weiter aufgeschlüsselt werden. Parallel wurden die Mitarbeiter/-innen in einer anonymen und repräsentativen Erhebung zu ihren Beschwerden und Erkrankungen des Bewegungssystems befragt. Das Ergebnis war alarmierend: Nur ein Drittel der Befragten war ohne Beschwerden. Die meisten (63 %) litten an Rückenschmerzen, und mehr als die Hälfte hatte Schmerzen im Hals- und Nackenbereich.

Im Gesundheitszirkel Urologie trafen sich acht Frauen dieses Produktionsbereiches und erarbeiteten in fünf Treffen unter der Moderation der AOK eine detaillierte Übersicht mit den Belastungen auf der einen und den Verbesserungsmöglichkeiten auf der anderen Seite. Insgesamt wurden ca. 30 Verbessungsvorschläge eingebracht, die sich zumeist auf die ergonomische Ausstattung und das Heben und Tragen schwerer Lasten bezogen. Aber auch das schwierige Verhältnis der Kolleginnen untereinander wurde thematisiert. Durch den hohen Anteil russisch sprechender Mitarbeiterinnen hapert es mit der Verständigung.

Parallel zur Arbeit des GZ führte die AOK Bewegungsanalysen an typischen Arbeitsplätzen im Betrieb durch, so auch in der Urologie. Dadurch konnten die ergonomischen Defizite genauer spezifiziert und entsprechende Maßnahmenvorschläge unterbreitet werden. Zusätzlich wurde aufgezeigt, wie durch ein bewussteres Bewegungsverhalten eine Entlastung der Mitarbeiter/-innen erfolgen kann.

Alle erarbeiteten Verbesserungs- und Lösungsvorschläge mündeten in eine Prüfliste, die derzeit im Betrieb bearbeitet wird.

Ergebnisse und Nutzen
"In allen Unternehmensbereichen sind die Gewährleistung von Sicherheit und Gesundheitsschutz und die Schonung der Umwelt ein wesentliches Gebot unseres Handelns", so Herr Stiebert, der Production Manager von tyco Healthcare in Neustadt. Ziel der Zusammenarbeit des Betriebes, der AOK und der Textil- und Bekleidungs-BG ist es, den Gesundheitsschutz weiter zu verbessern, die Gesundheitskompetenz der Beschäftigeten zu stärken und arbeitsbedingte Erkrankungen zu vermeiden.

"Gesunde, ausgeglichene und zufriedene Mitarbeiter senken die Lohnfortzahlungskosten und steigern somit die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens". (Herr Stiebert)

Die Umsetzung der Maßnahmen steht erst am Anfang.

Begonnen wurde mit einer Schulung der Mitarbeiterinnen durch die Bewegungsfachkraft der AOK, Frau Watzlawik, die Kenntnisse zum rückengerechten und dynamischen Sitzen vermittelte und die Einweisungen direkt am Arbeitsplatz durchführte.

Nach Analyse einzelner Arbeitsplätze ergab sich unter anderem, dass viele Mitarbeiterinnen sich die Arbeitsstühle nicht individuell einstellen, wenn sie die Plätze tauschen. Es fehlten auch Kenntnisse darüber, wie die richtige Einstellung aussehen soll. Insbesondere die Sitzhöhe und die Unterstützung der Lendenwirbelsäule waren in den meisten Fällen nicht optimal. Es zeigte sich, dass einige Fußstützen nicht hoch genug sind und seitens tyco Healthcare höhere Stützen bereitgestellt werden sollten, was derzeit in Angriff genommen wird. Den Mitarbeiterinnen wurde außerdem das rückenschonende Stehen erläutert.

Ferner wurde dringend empfohlen, dass beim Heranholen von Material aus den Gitterboxen zwei Mitarbeiterinnen die Last gemeinsam heben.

Am Arbeitsplatz Kartonverpackung wechseln die Frauen jetzt in kürzeren Abständen die Seiten, um dadurch einen Ausgleich zu erzielen.

Anstatt sich nach dem Material zu strecken, wartet man, bis es vom Band herantransportiert wird.

Am Arbeitsplatz H-Adapter-Verpackung wurde die Funktion der Stehhilfe erläutert, um durch die korrekte Nutzung eine weitere Entlastung zu erzielen.

Die Schulung vor Ort durch Frau Watzlawik hat deutlich zu einer Sensibilisierung und Kenntniserweiterung bei den Mitarbeiterinnen beigetragen.

Die geplante Pausengymnastik soll dafür sorgen, dass die Kenntnisse und das Erlernte nicht verloren gehen.

Für die Beschäftigten ist die Gewissheit wichtig, dass ein gesundheitsförderliches Verhalten von den Vorgesetzten nicht nur toleriert, sondern erwünscht ist. Falsch verstandener Ehrgeiz nützt niemandem.

Durch die Auswertungen der Analysen zeigte sich zudem, dass das Arbeitsmittel Tisch noch besser gestaltet werden sollte, um eine ebene und gleichmäßige Arbeitsfläche zu erhalten. Die Verbesserungsvorschläge aus dem Zirkel befinden sich derzeit in der Überprüfung und werden bei weiteren Umbaumaßnahmen - soweit machbar - entsprechend umgesetzt.

Obgleich die Lärmmesswerte keinen Lärmbereich ergeben, wird der "Umgebungslärm" (Maschinenlärm) von den Beschäftigten als belastend empfunden. Durch Umstellung wurde die Belastung für die Mehrzahl der Beschäftigten reduziert. Es wird angestrebt, bestimmte lärmende Elemente der Maschine zu vermindern.

Insbesondere bei den letzten beiden Punkten erweist sich die fachliche Unterstützung durch die BG als hilfreich.

Die Einrichtung und die Arbeitsergebnisse des ersten Gesundheitszirkels haben sich nach Aussagen der Verantwortlichen so gut bewährt, dass weitere Gesundheitszirkel in Kürze installiert werden.

Schon jetzt - zu Beginn der Umsetzungsphase - hat die Zusammenarbeit von Führungskräften, Betriebsrat, Mitarbeiterinnen, AOK und BG "viel gebracht" (Herr Stiebert). Dieser Weg wird weiter gegangen.

Ansprechpartner/weitere Informationen
tyco Healthcare
Günter Rauchecker
Tel. 09445 959-522

AOK Bayern
Dr. Gesine Wildeboer
Tel. 0941 79606-456

Textil- und Bekleidungs-BG
Wolfgang Baron
Tel. 0821 3159-0


Ansprechpartner:

tyco Healthcare
Günter Rauchecker
Tel. 09445 959-522

AOK Bayern
Dr. Gesine Wildeboer
Tel. 0941 79606-456

Textil- und Bekleidungs-BG
Wolfgang Baron
Tel. 0821 3159-0