Gesetzliche Unfallversicherung

Informationen für D-Ärzte in Zusammenhang mit COVID-19-Erkrankungen verursacht durch das Coronavirus SARS-CoV-2

Die Coronavirus-Pandemie führt zu vielen Anfragen rund um das Durchgangsarztverfahren der gesetzlichen Unfallversicherung. Aus diesem Grund beantworten wir an dieser Stelle häufig gestellte Fragen. Die Liste wird fortlaufend aktualisiert und ergänzt.

Grundsätzlich gelten die Anordnungen und Entscheidungen der örtlichen (Gesundheits-) Behörden sowie im konkreten Einzelfall das medizinisch Notwendige. Das kann dazu führen, dass Verfahren zur Rehabilitation nach Arbeitsunfallverletzungen oder bei Berufserkrankungen nicht nach den üblichen Kriterien ablaufen können. Bei schwierigen Entscheidungen empfehlen wir die Kontaktaufnahme mit dem zuständigen gesetzlichen Unfallversicherungsträger.

1. Durchgangsarztverfahren, Verlegungen, Berichtswesen und Tests

  • Beteiligen sich die gesetzlichen Unfallversicherungsträger an Mehraufwendungen für Infektionsschutz der Durchgangsärzte/innen aufgrund der Coronavirus SARS-CoV-2 Pandemie?

    Um die Durchgangsärztinnen und Durchgangsärzte in der Corona-Pandemie zu unterstützen, haben sich DGUV und SVLFG mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung auf eine Pauschale für Mehraufwendungen für Infektionsschutz für ambulante Behandlungen im Rahmen des Durchgangsarztverfahrens verständigt. Die Einigung gilt demnach auch für ambulante Versorgungen an Krankenhäusern und trägt folgenden Wortlaut:

    Um einerseits die bestmögliche Versorgung der Unfallverletzten in Anbetracht der gegenwärtigen COVID-19-Pandemie durch die D-Ärzte sicherzustellen und andererseits gleichzeitig einen Beitrag zum Gesundheitsschutz und Arbeitsschutz für die D-Ärzte und ihre Praxismitarbeiter sowie auch für die verletzten Versicherten zu leisten, erklären die DGUV und die SVLFG für die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung, sich an den für die Behandlung ihrer Versicherten entstandenen bzw. noch entstehenden Mehraufwendungen für Infektionsschutz wie folgt zu beteiligen:

    1. Als pauschale Abgeltung von Preis- und Mengensteigerungen infolge des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2, insbesondere bei persönlichen Schutzausrüstungen für Mitarbeiter und seitens der D-Ärzte den Patienten zur Verfügung gestelltem Mund-Nase-Schutz und für weiteren entstandenen Mehraufwand zur Minderung des Infektionsrisikos wird jedem D-Arzt für jeden persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt zusätzlich zu den Behandlungskosten für jeden Behandlungstag eine Pauschale erstattet.

    2. Aufgrund der im Moment nicht zu beziffernden tatsächlichen Kosten für den Infektionsschutz wird für diese Pauschale der Betrag von 4 Euro festgelegt. Die Pauschale gilt rückwirkend ab dem 16.03.2020.

    3. Die Pauschale kann als besondere Kosten mit der Bezeichnung „COVID-19 Pauschale“ mit der regulären Behandlungsrechnung (§ 64 Abs. 1 Ärztevertrag) abgerechnet werden. Für zurückliegende bereits abgerechnete Behandlungen kann die Pauschale dem UV-Träger nachträglich in Rechnung gestellt werden.

    4. Diese Regelung ist zunächst befristet bis zum 30.06.2020. Diese Regelung wird bis zum 31.12.2020 verlängert.

    Aufgrund der Struktur der Abläufe in den Datenverarbeitungssystemen der Unfallversicherungsträger und bestehender gesetzlicher Regelungen ist leider eine automatische Nachberechnung durch die Unfallversicherungsträger nicht möglich.

    Da mit dieser Pauschale tatsächlich für Infektionsschutzmaßnahmen entstandene Kosten erstattet werden, gibt es dafür keine Gebührenposition. Für die Abrechnung ist die „Covid-19 Pauschale“ daher einmal am Behandlungstag als besondere Kosten zusätzlich in die Rechnung aufzunehmen.

    Für die bereits abgerechneten Behandlungsfälle kann die „Covid-19 Pauschale“ nachträglich mit gesonderter Abrechnung unter Angabe des Behandlungstages in Rechnung gestellt werden.

  • Welche abweichenden Regelungen zum Vertrag Ärzte/Unfallversicherungsträger sieht die „Vertragliche Erklärung“ der DGUV und der SVLFG gegenüber der KBV vor?

    „Vertragliche Erklärung“

    der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), Berlin und der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau als landwirtschaftliche Berufs-genossenschaft (SVLFG), Kassel, gegenüber der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, K.d.ö.R., (KBV) Berlin

    Die DGUV und die SVLFG erklären für die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung zur Sicherstellung der unfallmedizinischen Versorgung in Anbetracht der gegenwärtigen COVID-19-Pandemie folgende Abweichungen durch die Leistungserbringer von den Regelungen des Vertrages Ärzte/Unfallversicherungsträger zu akzeptieren:

    1. Soweit es im Hinblick auf eine qualitätsgesicherte unfallmedizinische Versorgung von Unfallverletzten vertretbar ist, können die Ärzte bei der Erstattung von Formtexten und deren Fristen von den Vorgaben des Vertrags Ärzte/UV-Träger abweichen, sofern glaubhaft gemacht wird, dass die Abweichung ihren Grund in der durch COVID-19 geschaffenen besonderen Versorgungssituation hat. Zu nennen sind hier beispielshaft Vorgaben zur Ärztlichen Unfallmeldung nach § 14 oder die Erstattung des Durchgangsarztberichtes nach § 27 Abs. 2 Vertrag Ärzte/Unfallversicherungsträger. In diesen Fällen besteht der Anspruch auf Erstattung der Berichtsgebühr auch dann fort, wenn die Berichte nicht unverzüglich erstattet werden. Ebenso ausgeschlossen werden in diesem Falle weitere Sanktionen durch die Unfallversicherungsträger oder der DGUV einschließlich der Landesverbände. Diese Regelung ist zunächst bis zum 30.06.2020 befristet. Da es sich bei der zeitnahen Berichterstattung um ein Kernelement der Heilverfahrenssteuerung handelt, läuft diese Ausnahmeregelung zum 30.06.2020 aus.

    2. Abweichend von den Vorgaben des Vertrages können durch Vertragsärzte, beteiligte Ärzte sowie Psychotherapeuten in begründeten Ausnahmefällen und unter Beachtung berufsrechtlicher Vorgaben sowie der Vorgaben nach § 31 b BMV-Ä Videosprechstunden erbracht werden, um der Ausbreitung der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus entgegenzuwirken und die Behandlung von Unfallverletzten sicherzustellen. Für Arzt-Patientenkontakte ist die Nr. 1 der UV-GOÄ abzurechnen, wobei eine entsprechende Kennzeichnung als Videobehandlung erfolgen muss. Für Vertragsärzte und beteiligte Ärzte ist diese Regelung zunächst bis zum 30.06.2020 befristet. Diese Regelung wird bis zum 31.12.2020 verlängert.

    3. Für Psychotherapeuten gilt befristet zunächst bis zum 31.12.2020:

    • Videosprechstunden können analog der entsprechenden Behandlungsziffern (P-Ziffern) abgerechnet werden.

    • Für eine volle Behandlungsstunde (50 Minuten) mit 100 % und für eine halbe Behandlungseinheit (25 Min) mit 50 % der jeweiligen P-Ziffer.

    • Für die Videosprechstunde wird ein Zuschlag von 12,- € für eine volle Stunde bzw. 6,- € für eine halbe Stunde gezahlt, wenn ein zugelassenes zertifiziertes Videosystem eingesetzt wird.

    • Die Regelung gilt auch für Neuropsychologische / neuropsychotherapeutische Leistungen die bisher analog zum PTV honoriert werden.

    4. Bei den Vorgaben für Durchgangsärzte und für die an der Versorgung von Unfallverletzten beteiligten Vertragsärzte, Ärzte und Psychotherapeuten wird die durch die Infektionen mit COVID-19 geschaffene besondere Versorgungssituation berücksichtigt. Insbesondere sollen den Ärzten und Psychotherapeuten keine unverhältnismäßigen Nachteile entstehen, wenn aufgrund dieser besonderen Versorgungssituation die in den „Anforderungen der gesetzlichen Unfallversicherungsträger zur Beteiligung am Durchgangsarztverfahren (Durchgangsarzt-Anforderungen)“ beschriebenen Vorgaben wie zum Beispiel jährlich mindestens durchzuführende Behandlungen nicht erfüllt werden können. Nähere Informationen dazu folgen.

    5. Die abweichenden Regelungen gelten ab 16. März 2020.

  • Muss während der Corona-Pandemie die unfallärztliche Bereitschaft vollumfänglich gewährleistet werden?

    Im Durchgangsarztverfahren besteht grundsätzlich eine Pflicht zur unfallärztlichen Bereitschaft mindestens in der Zeit von Montag bis Freitag von 8.00 bis 18.00 Uhr. Aufgrund von Personalausfällen durch die Corona-Pandemie (COVID-19 Erkrankungen, vorsorgliche Quarantäne, Kinderbetreuung usw.) können einige Durchgangsärztinnen und Durchgangsärzte diese unfallärztliche Bereitschaft nicht mehr gänzlich aufrechterhalten.

    Da hier keine maßgeblichen Einschränkungen mehr bekannt sind, sind die unfallärztlichen Bereitschaftszeiten ab 01.10.2020 wieder vollumfänglich sicherzustellen.

    Sollte dies im Einzelfall aus besonderen Gründen nicht möglich sein, ist dies mit dem zuständigen Landesverband zu klären.

  • Wie wirkt sich das begrenzte Angebot an anerkannten Fortbildungsveranstaltungen im Jahr 2020 auf die Fortbildungspflichten der Durchgangsärztinnen und Durchgangsärzte aus?

    Die Landesverbände der DGUV werden diesen Umstand berücksichtigen und jeder Durchgangsärztin sowie jedem Durchgangsarzt für das Jahr 2020 zwei Fortbildungsveranstaltungen nach Wahl auf dem DGUV Fortbildungskonto anrechnen. Diese Fortbildungsnachweise gelten als erbracht.

    Wir sind uns der Schwierigkeit, den Fortbildungsregelungen und –ansprüchen in Zeiten der SARS-CoV-2 Pandemie gerecht zu werden, bewusst und hoffen, hiermit eine sinnvolle und pragmatische Lösung gefunden zu haben. Bitte beachten Sie, dass in diesem Sinne jeder Veranstaltungstag einer regelmäßig zweitägigen Unfallmedizinischen Tagung - wie bisher üblich - als eine Fortbildungsveranstaltung berechnet wird.

    Im Jahr 2021 sollen vermehrt auch digitale Fortbildungsformate angeboten werden.

     

  • Kann es sich bei einer SARS-CoV-2-Erkrankung um einen Arbeitsunfall handeln?

    Durch die Umsetzung umfangreicher Schutzmaßnahmen ist das Infektionsgeschehen in Deutschland zwischenzeitlich deutlich zurückgegangen. In der Folge kommt es bei der Beurteilung, ob ein Arbeitsunfall vorliegt nicht länger darauf an, dass die arbeitsbedingte Infektionsgefahr das Ausmaß der Gefährdung, dem die Bevölkerung allgemein ausgesetzt ist, deutlich übersteigt. Ab welchem genauen Zeitpunkt ein relevanter Rückgang des Infektionsgeschehens eingetreten ist, hängt von den jeweiligen örtlichen Entwicklungen ab, die im Einzelfall ermittelt werden müssen.

    Auf dieser Grundlage kann es sich bei einer SARS-CoV-2-Erkrankung um einen Arbeitsunfall handeln.

    Voraussetzung, neben dem Vorliegen eines Gesundheitserstschadens, ist der intensive und länger andauernde Kontakt mit einer nachweislich mit dem Virus infizierten Person („Indexperson“). Dies gilt sowohl für Geschehnisse im Betrieb, als auch auf Wegen von und zur Arbeit.

    Lässt sich keine konkrete Indexperson feststellen, kann im Einzelfall auch ein nachweislich massives Infektionsgeschehen (sog. Ausbruchsgeschehen) im Betrieb ausreichen.

    Im Einzelfall ist durch die Unfallversicherungsträger zu prüfen, ob im maßgeblichen Infektionszeitraum Kontakt zu anderen Indexpersonen außerhalb der versicherten Tätigkeit bestand und ob dies einer Anerkennung als Arbeitsunfall entgegensteht.

    Nach den Empfehlungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sollen sich Menschen, die eine Infektion vermuten, an das zuständige Gesundheitsamt wenden, das dann die weitere Koordination übernimmt. Eine Vorstellung beim Durchgangsarzt einzig zur Aufnahme der versicherungsrechtlich relevanten Daten, ist aus Gründen der Infektionsprävention nicht sinnvoll. Vor dem Hintergrund der besonderen Sachlage, Quarantäneauflagen und fachspezifischen Behandlung greift die Vorstellungspflicht nach § 26 Ärztevertrag beim Durchgangsarzt nicht, § 26 Abs. 2 erster Spiegelstrich ist analog anzuwenden. In diesen Fällen erfolgt die Meldung an den Unfallversicherungsträger mit der Ärztlichen Unfallmeldung (F1050).

    Sollten sich dennoch Personen, bei denen die o.g. Voraussetzungen erfüllt sind, beim Durchgangsarzt vorstellen, ist ein D-Bericht (F1000) zu erstellen.

    Sofern eine an SARS-CoV-2 erkrankte Person im Rahmen ihrer versicherten Tätigkeit intensiven und länger andauernden direkten Kontakt mit einer Indexperson hatte oder ein Ausbruchsgeschehen im Betrieb gegeben ist und die sonstigen Voraussetzungen des § 8 SGB VII vorliegen, ist die Behandlung und auch die Testung zu Lasten des zuständigen Unfallversicherungsträgers durchzuführen.

    Stand: 22.06.2020

  • Sollen derzeit in Krankenhäusern BG-Sprechstunden durchgeführt werden?

    Trotz Verringerung der Erkrankungszahlen besteht in Krankenhäusern generell ein erhöhtes Risiko für eine potentielle Ansteckung mit dem Coronavirus SARS-CoV-2. Daher sollte bei Einbestellungen für jeden UV-Patienten individuell das Risikopotential und die medizinische Notwendigkeit überprüft werden. Sofern die Voraussetzungen vorliegen, kann ggf. auch die Möglichkeit der Videosprechstunde genutzt werden.

  • Welche Erleichterungen bestehen, um zu vermeiden, dass UV-Patienten zur Verlängerung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung oder zur wiederkehrenden (nicht erstmaligen) Ausstellung einer Heilmittel-/Arzneimittelverordnung die D-Arzt-Praxis oder die D-Arzt-Ambulanz des Krankenhauses aufsuchen müssen?

    Aufgrund der derzeitigen Situation bestehen keine Bedenken, AU-Bescheinigungen und Verordnungen auf telefonische Anforderungen der Versicherten hin auszustellen, soweit dies aus Sicht der Durchgangsärztin oder des Durchgangsarztes, bezogen auf den Einzelfall, nachvollziehbar und plausibel ist.

    Sofern die Unterlagen dem Versicherten auf postalischem Wege zugesandt werden, werden die Portokosten in der tatsächlich entstandenen Höhe erstattet.

    Diese Regelung läuft zum 30.06.2020 aus.

  • Ab wann werden die vorübergehend außer Kraft gesetzten Verlegungsvorschriften nach dem Verletzungsartenverzeichnis der DGUV reaktiviert?

    Mit Inkrafttreten der von Bund und Ländern beschlossenen verschärften Maßnahmen zu Mobilitätsbeschränkungen und Versammlungsverbot ab 23.03.2020 setzten die gesetzlichen Unfallversicherungsträger die Verlegungspflichten nach dem Verletzungsartenverzeichnis wegen des exponentiellen Wachstums der Infektionszahlen zu diesem Zeitpunkt vorübergehend aus. Wichtige Kennzahlen wie Zahl der Corona-Neuinfektionen oder Reproduktionsrate deuten zwischenzeitlich auf eine deutliche Abflachung des Wachstums der Infektionszahlen hin. Erste Maßnahmen wurden von Bund und Ländern bereits gelockert. Eine Überlastung von Kliniken und Rettungsdiensten trat bisher nicht ein. Derzeit stehen in deutschen Krankenhäusern etwa 40 Prozent der über 30.000 Intensivbetten zur Verfügung, ca. 60 Prozent sind belegt.

    Vor diesem Hintergrund reaktivieren die gesetzlichen Unfallversicherungsträger die Verlegungspflichten nach dem Verletzungsartenverzeichnis. Ab 11.05.2020 entfaltet das Verletzungsartenverzeichnis der DGUV wieder seine grundsätzliche Gültigkeit.

    Im Zeitraum vom 23.03. bis 10.05.2020 akut versorgte Versicherte nach Arbeitsunfällen, die sich noch in durchgangsärztlicher Behandlung befinden, sind von dieser Regelung ausgenommen. Sollte in der weiteren Phase der Coronavirus-Pandemie eine Verlegung nach dem Verletzungsartenverzeichnis aufgrund von Bedingungen, die mit der Pandemie zusammenhängen, nicht möglich sein, bitten wir Sie als Durchgangsarzt/ärztin dies zu dokumentieren und den zuständigen gesetzlichen Unfallversicherungsträger darüber zu informieren.

    Die BG-Kliniken stehen während der Pandemie für Traumapatientinnen und –patienten insbesondere nach Arbeitsunfällen in der Akutversorgung wie in der Rehabilitation jederzeit zur Verfügung.

     

  • Wie verfahren die Landesverbände der DGUV im Jahr 2020 bei der Prüfung der Mindestfallzahlen im Durchgangsarztverfahren sowie im Verletzungsarten- und Schwerstverletzungsartenverfahren?

    Aufgrund des flächendeckenden Rückgangs der Anzahl erstversorgter Arbeitsunfallverletzter im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie werden die DGUV-Landesverbände das Jahr 2020 bei der Überprüfung der Mindestfallzahlen im vorgesehenen Fünf-Jahres-Zeitraum nicht berücksichtigen.

  • Werden bei einem begründeten Verdacht auf das Vorliegen einer Berufskrankheit die Kosten der PCR-Testung übernommen?

    Bei Versicherten, die im Gesundheitsdienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium tätig oder durch eine andere Tätigkeit der Infektionsgefahr in ähnlichem Maße besonders ausgesetzt sind, kann eine Erkrankung infolge einer Infektion mit dem Coronavirus eine Berufskrankheit nach Nummer 3101 der Anlage 1 zur Berufskrankheitenverordnung darstellen. Hatte eine versicherte Person im Rahmen ihrer versicherten Tätigkeit in einem der genannten Tätigkeitsbereiche direkten Kontakt mit einer Person, die wahrscheinlich oder bestätigt mit COVID-19 infiziert war, und sind nach dem direkten Kontakt Krankheitssymptome aufgetreten, übernimmt der zuständige Gesetzliche Unfallversicherungsträger in diesem Fall die Kosten für einen PCR-Test. Ein direkter Kontakt liegt insbesondere vor bei einer pflegerischen Tätigkeit an der Indexperson, bei einer körperlichen Untersuchung der Indexperson oder bei direktem Kontakt mit Atemwegssekret oder anderen Körperflüssigkeiten. Keine Kosten kann die Gesetzliche Unfallversicherung hingegen für etwaige Screenings, Reihenuntersuchungen oder Testungen übernehmen, die aus Gründen des Patienten – oder Mitarbeiterschutzes bzw. der allgemeinen Gefahrenabwehr durchgeführt werden.

  • Handelt es sich bei SARS-CoV-2-Infektionen um eine Berufskrankheit?

    Bei Versicherten, die im Gesundheitsdienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium tätig sind oder durch eine andere Tätigkeit der Infektionsgefahr in ähnlichem Maße besonders ausgesetzt waren, kommt die Anerkennung als Berufskrankheit der Ziffer 3101 der Anlage 1 zur Berufskrankheitenverordnung in Betracht.

    Die Allgemeingefahr tritt dabei wegen des erhöhten beruflichen Risikos in den Hintergrund.

  • Ist bei Vorliegen einer SARS-CoV-2-Infektion eine ärztliche Berufskrankheitenanzeige (F6000) zu erstatten?

    Bei positiver Testung, entsprechenden Krankheitsanzeichen sowie der Vermutung (anders als beim Arbeitsunfall – s. Ausführungen zu 1.) eines Infektionsweges über die berufliche Tätigkeit bitten wir bei einem begründeten Verdacht um Erstattung der ärztlichen Berufskrankheitenanzeige (F6000).

2. Versicherungsschutz

  • Sind im Homeoffice Tätige gesetzlich unfallversichert?

    Auch im Homeoffice besteht Versicherungsschutz. Entscheidend ist nicht der Ort der Tätigkeit, sondern, dass der Unfall infolge einer versicherten Tätigkeit eingetreten ist. Für weitere Informationen, siehe auch diese Pressemitteilung.

  • Besteht Versicherungsschutz für Kinder die im Rahmen der Notfallbetreuung untergebracht sind?

    Für die Kinder besteht genauso gesetzlicher Unfallversicherungsschutz im Rahmen der Notfallbetreuung wie bei der üblichen Betreuung auch. Versicherungsschutz besteht außerdem für das Personal der Einrichtung (im Rahmen ihres Beschäftigungsverhältnisses) und auf den erforderlichen Wegen.

  • Besteht Versicherungsschutz für Kinder die im Rahmen einer privat organisierten Kinderbetreuung beaufsichtigt werden?

    Kinder, die zuhause oder an anderen Orten von Eltern oder anderen Personen betreut werden, sind dabei nicht gesetzlich unfallversichert. Dies gilt auch bei der Betreuung durch andere private Initiativen (z. B. mehrere Eltern/Familien organisieren eine gemeinsame Betreuung der Kinder).

    Auch die betreuenden Personen selbst sind nicht versichert.

    Ausnahme: Erfolgt eine Betreuung von Kindern durch Beschäftigte des Unternehmens, in dem die Eltern tätig sind, besteht nur unter besonderen Umständen Unfallversicherungsschutz. In diesen Fällen erstatten Sie bitte einen Durchgangsarzt-Bericht zur Dokumentation an den gesetzlichen Unfallversicherungsträger, welcher für das Unternehmen zuständig ist. Die Behandlung erfolgt zu Lasten der Krankenkasse.

3. Begutachtungswesen

  • Wie ist nach den beschlossenen Lockerungen der Maßnahmen durch Bund und Länder zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie mit Begutachtungen zu verfahren?

    Die Empfehlung der DGUV von Mitte März 2020 aus präventiven Gründen generell keine neuen Gutachtenaufträge zu erteilen bzw. auf gutachtliche Untersuchungstermine zu verzichten wird aufgehoben. Dies gilt für den Bereich der Arbeitsunfälle. Im Bereich der Begutachtung von Berufskrankheiten sind individuelle Entscheidungen erforderlich.

    Um den Versicherten die ihnen zustehenden Leistungen möglichst zügig und abschließend zukommen zu lassen, sollen aufgeschobene Untersuchungstermine zeitnah nachgeholt bzw. neue Gutachtenaufträge wieder in Auftrag gegeben werden.

    Trotz der zuletzt beschlossenen Öffnungen für die verschiedenen Bereiche des öffentlichen Lebens gelten bundesweit nach wie vor Kontaktbeschränkungen unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln. Die Wahrnehmung von Begutachtungsterminen einschließlich erforderlicher körperlicher Untersuchungen ist deshalb weiterhin nur mit Einverständnis der Versicherten möglich. Die sozialrechtlichen Mitwirkungspflichten nach §§ 62 bis 66 SGB I sind insoweit eingeschränkt. Lehnen Versicherte aus Präventionsgründen die persönliche Untersuchung zum Zweck der Begutachtung ab oder ist aus sonstigen gesundheitlichen Gründen zum Schutz der Versicherten eine Begutachtung aktuell noch nicht möglich, werden die UV-Träger nach Aktenlage entscheiden und die Begutachtung falls erforderlich später nachholen.

    Bitte informieren Sie deshalb den zuständigen Unfallversicherungsträger umgehend, wenn Versicherte nicht mit einer Untersuchung einverstanden sind oder nicht zum vereinbarten Untersuchungstermin erscheinen. Sollte aus Ihrer ärztlichen Sicht eine Begutachtung aktuell noch nicht durchgeführt werden können, nehmen Sie bitte Kontakt mit dem UV-Träger auf um die weitere Vorgehensweise gemeinsam zu besprechen.

4. KG, Physiotherapie, EAP, BGSW und Ergotherapie

  • Sind die vertraglich vereinbarten Fristenregelungen (s. Vereinbarungen mit den Verbänden für Physiotherapie und Ergotherapie) bei physiotherapeutischen und ergotherapeutischer Behandlungen einzuhalten?

    Der vom D-Arzt vorgegebene Behandlungsbeginn und die damit zusammenhängenden Fristen werden zunächst bis zum 30.06.2020 ausgesetzt, wenn die Verordnung nach dem 18.02.2020 ausgestellt wurde. Die Fristen werden unterbrochen, wenn der letzte Behandlungstag vor der Unterbrechung nach dem 17.02.2020 liegt.

    Die 4-Wochen-Frist gem. Teil A Punkt 2 (Physiotherapie), bzw. Teil B Punkt 2 (Ergotherapie) der Handlungsanleitung ist nur für die Bemessung der Verordnungsmenge zum Zeitpunkt der Verordnung durch den D-Arzt maßgeblich. Die Behandlung ist auch in einem längeren Zeitraum ohne nochmalige D-Arzt-Vorstellung möglich. Die Begrenzung der Gültigkeit der Verordnung auf 4 Wochen entfällt damit bis zum 30.06.2020. Diese Regelung wird nicht verlängert.

  • Können im Heilmittelbereich derzeit auch telemedizinische Leistungen (Videobehandlung oder telefonische Beratungen) durchgeführt werden?

    Die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung schließen sich den Empfehlungen der Kassenverbände für den Heilmittelbereich aufgrund des Ausbruchs von SARS-CoV2 (Corona), Stand 18.03.2020, 18:00 Uhr, auch bei der Erbringung einer telemedizinischen Leistung (Videobehandlung oder telefonische Beratungen) an, soweit dies für die Behandlung gesetzlich Unfallversicherter anwendbar ist.

    Die Anwendbarkeit als Videobehandlung ist für physiotherapeutische Leistungen im Bereich der gesetzlichen Unfallversicherung zum Beispiel bei den Positionen 8101 (Krankengymnastische Behandlung auch auf neurophysiologischer Grundlage), 8102 mit „Begleitperson“ z.B. Eltern (Krankengymnastische Behandlung auf neurophysiologischer Grundlage bei erworbenen traumatischen, zentralen und peripheren Bewegungsstörungen beim Kind) und 8103 (Krankengymnastische Behandlung auf neurophysiologischer Grundlage bei erworbenen traumatischen, zentralen und peripheren Bewegungsstörungen beim Erwachsenen) gegeben. Über die Anwendbarkeit für weitere physiotherapeutische Leistungen im Bereich der gesetzlichen Unfallversicherung ist nach den Umständen des Einzelfalls, ggf. in Absprache mit dem verordnenden Durchgangsarzt zu entscheiden.

    Ansonsten gelten die Empfehlungen der Kassenverbände für den Heilmittelbereich aufgrund des Ausbruchs von SARS-CoV2 (Corona), Stand 18.03.2020 auch für die Ergotherapie, die Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie mit Ausnahme der Schlucktherapie.

    Für alle Behandlungen gilt:
    Sofern diese aus therapeutischer Sicht auch im Rahmen einer telemedizinischen Leistung (Videobehandlung oder telefonische Beratungen) stattfinden können, ist dies mit vorheriger Einwilligung der Versicherten möglich. Die Videobehandlung muss in Räumen stattfinden, die Privatsphäre bieten. Die beim Leistungserbringer und bei den Versicherten bereits vorhandene Technik muss eine angemessene gegenseitige Kommunikation gewährleisten.

    Auf der Rückseite der Verordnung ist die Therapie als Videobehandlung „V“ oder „Video“ zu kennzeichnen. Die Bestätigung der erbrachten Leistungen durch die Versicherten kann auch auf elektronischen Wege erfolgen. Im Bereich der Ernährungstherapie ist die Beratung, sofern möglich auch als telefonische Beratung möglich. Dies ist ebenfalls auf der Rückseite der Verordnung mit „T“ oder „Telefon“ zu kennzeichnen.

    Ab 01.10.2020 können im Heilmittelbereich Leistungen nicht mehr als telemedizinische Leistungen erbracht werden.

  • Können Physiotherapeuten und EAP-Einrichtungen einen Hygienezuschlag abrechnen?

    Die gesetzliche Unfallversicherung hat die Empfehlungen der Kassenverbände bezüglich der Gewährung des Hygienezuschlages für die Leistungserbringer von Heilmitteln übernommen. Physiotherapeuten können im Zeitraum vom 05.05.2020 bis 30.09.2020 einen pauschalen Ausgleich für erhöhte Hygienemaßnahmen (Mundschutz etc.) bei der Abrechnung der Verordnung in Höhe von 1,50 Euro je Verordnung abrechnen. Für diesen pauschalen Ausgleich ist ausschließlich die neue Positionsnummer X9944 für alle Heilmittelbereiche zu verwenden. Die Positionsnummer X9944 kann in dem Zeitraum vom 05.05.2020 bis 30.09.2020 unter Anwendung der vertraglichen Regelungen abgerechnet werden. Für die Abrechnung der Position ist der Tag der letzten Behandlung innerhalb einer Verordnung im Rahmen der Rechnungsstellung anzugeben. Die Position kann nur für Verordnungen abgerechnet werden, die im Zeitraum 05.05.2020 bis 30.09.2020 erstmals zur Rechnungsstellung eingereicht werden. Für Verordnungen, die vor dem 05.05.2020 zur Abrechnung eingereicht wurden, erfolgt keine Abrechnung. Bei Teilabrechnung erfolgt die Abrechnung der Positionsnummer X9944 einmalig mit der Schlussrechnung. Die Positionsnummer kann nach dem 30.09.2020 (Rechnungseingang beim UV-Träger) nicht mehr abgerechnet werden. Diese Regelung wird bis zum 31.12.2020 verlängert.

    EAP-Einrichtungen können den Hygienezuschlag von 1,50 Euro in gleicher Weise wie die Physiotherapeuten abrechnen. Statt der Positionsnummer X9944 soll der Pauschalbetrag mit dem Zusatz Covid19-Zuschlag abgerechnet werden.

  • Kann für Patienten mit Vorerkrankungen (z.B. Störung des Immunsystems, Herzerkrankungen, Diabetes etc.) eine notwendige Verordnung für Rehabilitationsmaßnahmen ausgestellt werden?

    Grundsätzlich ja. Patienten sollten mit entsprechender Verordnung durch den D-Arzt weiterhin ambulante und stationäre Rehabilitationseinrichtungen zu Therapiezwecken aufsuchen. Der verordnende D-Arzt sollte allerdings den körperlichen Gesamtzustand des Unfallverletzten berücksichtigen. Vor dem Hintergrund steigender Infektionen durch das SARS-CoV2-Virus sollte der D-Arzt zwischen dem voraussichtlichen Erfolg der geplanten Rehabilitationsmaßnahme und den möglichen Risiken einer Infektion für die/den Unfallverletzte(n) abwägen. In diese Entscheidung sollte die/der Unfallverletzte miteinbezogen werden.

  • Sind die vom D-Arzt vorgegebenen Behandlungsfrequenzen für EAP und BGSW einzuhalten?

    Die ärztlich verordneten Behandlungsfrequenzen sind zunächst bis zum 30.06.2020 aufgehoben.

  • Behalten EAP- und BGSW-Verordnungen bei Behandlungsabbruch oder -unterbrechung ihre Gültigkeit?

    Bei Abbruch durch die Patienten (Abreise bzw. Nichtwahrnehmung von Terminen wegen Infektionsgefahr), sollte diese von der Einrichtung dokumentiert und dem Unfallversicherungsträger mitgeteilt werden. Die Abrechnung erfolgt gemäß der erbrachten Leistung.

    Eine Verlängerung der Gültigkeit der Verordnung ist in der Regel nicht zu empfehlen. Bei einer Unterbrechung der Maßnahme für mehr als zwei Wochen ist eine Vorstellung und die Verordnung des D-Arztes erforderlich. Dabei sollte eine für die Patienten weitestgehend unbedenkliche Wiedervorstellung hinsichtlich der Pandemieproblematik berücksichtigt werden.

    Grundsätzlich kann die Einrichtung belegt werden, solange dort kein identifizierter Fall/ Verdachtsfall aufgetreten ist.