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Forschung zu Bewegungsarmut bei der Arbeit gewinnt Best Paper Award

Die Preisurkunde wird überreicht

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Überreichung der Urkunde an Vera Schellewald

Nachwuchswissenschaftlerin Vera Schellewald vom Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) hat - stellvertretend für den europäischen Forschungsverbund PEROSH - den diesjährigen Applied Ergonomics Best Paper Award erhalten. Mit dem Preis in Höhe von 1000 Britischen Pfund zeichnet der Verlag Elsevier Ltd, Herausgeber der Zeitschrift Applied Ergonomics, jedes Jahr eine wissenschaftliche Veröffentlichung aus, die aus Sicht der Verantwortlichen komplexe Forschung zu ergonomischen Fragen besonders klar und interessant beschreibt. In der preisgekrönten Publikation stellt das IFA gemeinsam mit einer Gruppe europäischer Forschender dar, wie sich das Sitzverhalten an Arbeitsplätzen messen und bewerten lässt. Den Preis nahm Schellewald am 23. April 2018 im Rahmen der Ergonomics and Human Factors Conference im englischen Birmingham entgegen.

Der Best Paper Award der Fachzeitschrift Applied Ergonomics ging in diesem Jahr an eine Publikation, die einem zentralen Problem der Digitalisierung Rechnung trägt: die einseitige Dauerhaltung Sitzen mit ihren möglichen Folgen für die Gesundheit der Betroffenen. Das IFA hat bereits 2005 mit ersten Untersuchungen zum Thema begonnen und seine umfangreichen Vorarbeiten und sein Knowhow in die jetzt publizierte Handlungsanleitung zur Bewertung des Sitzverhaltens an Arbeitsplätzen eingebracht. "Wir haben das Thema schon vor mehr als zehn Jahren aufgegriffen, damals mit Blick auf die Eignung aktivierender Bürostühle", sagt Professor Dr. Rolf Ellegast, stellvertretender IFA-Leiter. In der Folge habe man dann ein Bewegungsmesssystem zur Analyse der physischen Aktivität entwickelt und schließlich umfangreiche Labor- und Feldstudien an dynamischen Büroarbeitsplätzen durchgeführt.

Jüngstes IFA-Forschungsthema ist eine Kategorisierung körpergetragener Messsysteme - sogenannter Wearables - mit denen sich körperliche Aktivität bei der Bürotätigkeit messen lässt. Ellegast: "Dieses Schema ist ein Kernstück des prämierten Papers. Unsere Doktorandin, Vera Schellewald, war an der Entwicklung beteiligt und nutzt es aktuell im Rahmen ihrer Promotion. Sie nimmt deshalb auch den Preis für PEROSH in Birmingham entgegen."

Die Publikation entstand im Verbund mit 14 europäischen Arbeitsschutz-Instituten. Sie sind im sogenannten Partnership for European Research in Occupational Safety and Health (PEROSH) zusammengeschlossen. Ihr Ziel: Forschung zu zentralen Arbeitsschutzthemen auf europäischer Ebene aktiv vorantreiben, zum Beispiel über den Austausch von wissenschaftlichem Personal. Für diesen Zweck wird auch das Preisgeld in Höhe von 1000 Britischen Pfund eingesetzt.

Applied Ergonomics zählt zu den einflussreichsten internationalen Fachzeitschriften im Bereich Ergonomie. Die Leserschaft in mehr als 50 Ländern rekrutiert sich aus verschiedensten Bereichen, darunter Ergonomie, Wirtschaftsingenieurswesen, Arbeitsschutz und Organisationspsychologie.

Hintergrund:

Bewegungsarmut wird als Sitzen oder Liegen mit niedrigem Energieumsatz definiert.

In den Industrienationen verbringen Menschen immer mehr Zeit körperlich inaktiv. Dieses Verhalten ist für alle Lebensbereiche festzustellen, auch für die Arbeitswelt. Hier nehmen zum einen Mobilitätsanforderungen zu und erhöhen den Anteil des Sitzens in Auto, Bahn und Flugzeug.

Insbesondere aber steigt - aufgrund zunehmender Digitalisierung und Vernetzung - die Zahl der Büro- und Bildschirmtätigkeiten. In Deutschland arbeiten inzwischen deutlich mehr als 40 Prozent der Beschäftigten an solchen bewegungsarmen Arbeitsplätzen. Die möglichen Folgen physischer Inaktivität reichen von Muskel-Skelett- bis Herz-Kreislauf-Beschwerden. Prospektive Studien belegen einen Zusammenhang zwischen der Zeit, die sitzend verbracht wird, einerseits und chronischen Erkrankungen sowie Sterblichkeit andererseits.

Meist lässt sich Bewegungsarmut am Arbeitsplatz nicht allein durch eine aktive Freizeitgestaltung ausgleichen. Deshalb sind Konzepte zur Dynamisierung von Bildschirm- und Büroarbeit und deren Eignung seit einigen Jahren Gegenstand der Arbeitsschutzforschung. Für verlässliche Aussagen zum Für und Wider braucht es Systeme, mit denen sich Aktivität bzw. fehlende Bewegung während der Arbeit valide messen und beurteilen lassen - im Labor genauso wie im Feld.


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