Sicherheits- und Gesundheitskompetenz

Arbeitgeber sind laut Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) verpflichtet, Unfälle bei der Arbeit und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu verhindern und Maßnahmen der menschengerechten Gestaltung der Arbeit durchzuführen. Die Entwicklung oder Stärkung der Sicherheits- und Gesundheitskompetenz ermöglicht Vorgesetzten und Beschäftigten, ihre Entscheidungen und Handlungen verantwortungsvoll zum Schutz, Erhalt und der Förderung der eigenen Gesundheit und der der Mitarbeitenden einzusetzen.

Forschung und Entwicklung

Das IAG hat eine Definition von Sicherheits- und Gesundheitskompetenz entwickelt, die für den Bereich der Arbeit geeignet ist. Sie unterscheidet sich von bisher verbreiteten Definitionen, da jene allein Gesundheitskompetenz im Blick haben. Sie sind dabei häufig entweder zu einschränkend (z. B. Fokus nur auf das Verstehen von Gesundheitsinformation = Health Literacy) oder zu umfassend (z. B. Einbezug von politischen und wirtschaftlichen Lebensbereichen). Die im IAG entwickelte Definition beinhaltet neben dem Erhalten und der Förderung der Gesundheit auch ihren Schutz vor Schäden durch Unfälle und Berufskrankheiten und vor den Folgen arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren. Hierfür sind neben kompetentem Handeln auch das Vorhersehen und Einschätzen von Risiken sowie das Treffen von Entscheidungen zur Risikominderung wichtig. Neben den kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten betont die Definition die notwendige Motivation und die Selbstregulation zur erfolgreichen Umsetzung der gesetzten Ziele sowie die Verantwortungsübernahme (für sich und für andere). Diese Präsentation (PDF, 732 kB) beinhaltet den Wortlaut der Definition sowie deren Herleitung.

Sicherheits- und Gesundheitskompetenz ist in allen Bereichen der Arbeit von Bedeutung. Eine Veröffentlichung im DGUV Forum zeigt die Notwendigkeit dieser Kompetenz insbesondere im Homeoffice.

Durch aktuelle Entwicklungen im Zuge von Arbeiten 4.0 ist eine ausgeprägte Sicherheits- und Gesundheitskompetenz für Soloselbstständige besonders relevant. Das IAG forscht zu deren besonderen Arbeitsbedingungen, die insbesondere eine flexible und eigenverantwortliche Gestaltung von Arbeitszeit und -ort beinhalten, und betrachtet die subjektiven Auswirkungen auf die Gesundheit. Die Ergebnisse einer Umfrage unter Soloselbstständigen werden in Kürze als iga.Report veröffentlicht.

Qualifizierung

Die Förderung von Sicherheits- und Gesundheitskompetenz ist Inhalt der Ausbildungen von Aufsichtspersonen, Fachkräften für Arbeitssicherheit und betrieblichen Gesundheitsmanagern am IAG. Das IAG bietet zudem Seminare zu Themen wie Zeit- und Arbeitsplatzmanagement sowie zum Umgang mit Stress und der eigenen Gesundheit.

Ergänzend bietet das IAG Angebote für Führungskräfte und Präventionsfachleute zur Initiierung von Veränderungsprozessen im individuellen Verhalten und in der Präventionskultur.

Beratung

Ein einheitliches Verständnis von Sicherheits- und Gesundheitskompetenz ist wichtig für eine gezielte Förderung dieser Kompetenz bei verschiedenen Personengruppen. Hierfür tauscht sich das IAG über das Sachgebiet Beschäftigungsfähigkeit mit den Unfallversicherungsträgern aus. Weiterer Austausch zu diesem Thema besteht mit der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) und der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga).

Sicherheits- und Gesundheitskompetenz ist umso mehr erforderlich, je selbstständiger Beschäftigte ihre Arbeit gestalten. Dies ist insbesondere bei Homeoffice und mobilem Arbeiten der Fall. Das IAG unterstützt Führungskräfte und Beschäftigte deshalb mit einer Checkliste für sicheres und gesundes Arbeiten im Homeoffice, die in Kürze erscheint.

Kontakt

Dr. Christina Heitmann
Tel. +49 30 13001-2245
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