German Paralympic Media Award

Sonderpreis 2016: Alex Zanardi

  • „Alex Zanardi kommt bei dem Crash auf dem Lausitzring mit dem Leben davon, wird aber nie wieder ein Rennen bestreiten können.“
  • Schlagzeilen dieser Art waren weitverbreitet nach dem tragischen Unfall von Alessandro Zanardi, der das Leben unseres diesjährigen Sonderpreisträgers in zwei Hälften teilt.
  • Alex Zanardi ist ein Vollblut-Rennfahrer. Mit 14 Jahren startet er mit Kartfahren, mit 25 sitzt er in einem Formel 1 Wagen. 1996 versucht er sich in der amerikanischen Champ Car Serie und gewinnt diese 1997 und 1998. Danach gibt er sein Comeback in der Formel 1, erlebt jedoch ein „verhextes Jahr“. Mit 34 Jahren kehrt er zurück in die Champ Car Serie; jedoch auch hier läuft es zunächst nicht richtig rund.
  • Bis zu jenem Tag, den 15. September 2001. Zanardi führt das Feld an, als er die Boxengasse verlässt denkt er „Jetzt hab ich’s, jetzt hält mich niemand mehr auf!“ Unmittelbar danach folgt ein Aufprall mit 320 km/h.
  • Nach sieben Herzstillständen und mit nur noch einem Liter Blut im Körper erreicht Alex das Unfallkrankenhaus Berlin. Ein Team von Ärzten und Pflegekräften rund um Prof. Dr. Walter Schaffartzik bringt ihn nach einer achtstündigen Notoperation schließlich in einen stabilen Zustand und retten seine Beine bis jeweils oberhalb der Knie.
  • Die psychisch schwierigste Zeit folgt nach seiner Rückkehr nach Italien. Zuversicht in den zahlreichen Momenten voller Trauer und Melancholie geben ihm seine Frau Daniela und sein Sohn Niccolo, den er wieder auf seinen Schultern tragen möchte.
  • Das war das erste Ziel seines neuen Lebens – es soll aber bestimmt nicht das letzte gewesen sein. Mithilfe des Sports trat Zanardi eine Siegesserie an, die er bis heute nicht gestoppt hat.
  • Bereits zwei Jahre nach dem Unfall mussten die Journalisten ihre Einschätzung – er würde nie wieder ein Rennen bestreiten können – zurücknehmen, denn 2003 kehrte Alex auf den Lausitzring zurück und fuhr seine fehlenden 13 Runden zu Ende. Er gewann 2005 auch wieder ein Rennen bei der Tourenwagen-Weltmeisterschaft.
  • „Jeder, der es schafft, nach einem schweren Unfall wieder zum Sport zurückzukehren, ist ein Sieger.“ Dieser Einschätzung von Alex kann man nichts hinzufügen. Neben dem Motorsport fand er aber auch zum Handbike und zum paralympischem Sport.
  • Alex wird acht Mal Weltmeister mit dem Handbike, bei den Paralympics 2012 in London gewinnt er im Einzelzeitfahren und beim Straßenrennen jeweils die Goldmedaille. Natürlich gilt er als Profi in diesem Sport. Aber dennoch: Kommen wir hier nicht an die Grenzen unserer Vorstellungskraft?
  • „Ich will andere nicht inspirieren das zu tun was ich tue. Das ist nicht meine Art. Ich möchte nur anderen mitteilen, dass man weiter gehen kann als man denkt. Dass man über Grenzen gehen kann, von denen man glaubt, weiter geht’s nicht. Viele mögen sich fragen: ‚Warum will er den Berg besteigen? Dann sage ich: ‚Weil er in meinem Weg steht.“
  • Diese Sätze sagt Alex, nachdem er bekannt gegeben hat, beim Iron Man in Hawaii zu starten. Die rund vier Kilometer schwimmen, 180 Kilometer mit dem Handbike und 42 Kilometer mit dem Rollstuhl bestreitet er 2014 und 2015 zum zweiten Mal – jeweils unter 10 Stunden. Dazwischen fährt er beim 24-Stunden-Rennen von Spa mit den Teamkollegen Timo Glock und Bruno Spengler um den Sieg mit – bei Sportlern ohne Behinderung wohlgemerkt.
  • Alex Zanardi bekommt den diesjährigen Sonderpreis für seinen Optimismus, für seine Lebensfreude und vor allen Dingen auch für das mediale Bild, dass er damit verbreitet.