Fragen und Antworten zum Thema "Teleskopstapler"

  • 1. Dürfen Personen mithilfe einer auf den Zinken eines Teleskopstaplers befestigten Arbeitsbühne angehoben werden?

    Nein. Gemäß der TRBS 2121 Teil 4 "Gefährdung von Personen durch Absturz - Heben von Personen mit hierfür nicht vorgesehenen Arbeitsmitteln" entspricht dieser Fall nicht dem Stand der Technik. Zum Heben von Personen ist diese Kombination nicht zulässig.

  • 2. Dürfen Personen mithilfe einer an der Schnellwechseleinrichtung eines Teleskopstaplers angekoppelten Arbeitsbühne angehoben werden?

    Hier sind zunächst zwei Arten von Arbeitsbühnen zu unterscheiden: Handelt es sich um eine integrierte oder eine nicht integrierte Arbeitsbühne?

    Die nicht integrierte Arbeitsbühne besitzt keine Steuerfunktion, d.h. die Bedienung erfolgt aus der Kabine des Teleskopstaplers. Häufig wird der Einsatz derartiger Bühnen herstellerseitig in der Betriebsanleitung des Teleskopstaplers untersagt. Sollte der Einsatz nicht integrierter Arbeitsbühnen dennoch zulässig sein, ist darauf zu achten, dass der Teleskopstapler eine Sperre der Kippfunktion oder eine Plattformerkennung besitzt. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass die Arbeitsbühne durch den Fahrer des Teleskopstaplers bei versehentlicher Fehlbedienung nicht "abgekippt" werden kann. Verfügt ein Teleskopstapler nicht über eine Sperre der Kippfunktion oder eine Plattformerkennung, ist das Heben von Personen mit einer Arbeitsbühne unzulässig.

    Beim Einsatz integrierter Arbeitsbühnen ist eine Steuerung nur von der Bühne aus möglich. Im Regelfall ist der Einsatz dieser Bühnen zum Heben von Personen zulässig. Manchmal ist der Hersteller einer integrierten Arbeitsbühne jedoch ein anderer als der Hersteller des Teleskopstaplers. In diesem Fall ist mithilfe der Betriebsanleitung des Teleskopstaplers zunächst zu prüfen, ob die Ankopplung der vorliegenden Arbeitsbühne überhaupt zulässig ist. Im Zweifel ist der Hersteller des Teleskopstaplers vor dem Einsatz einer solchen Dritthersteller-Bühne zu kontaktieren.

  • 3. Müssen Anbauwinden am Teleskopstapler gemäß DGUV Vorschrift 54 auf die theoretische Restnutzungsdauer bewertet werden?

    Ja, siehe § 23 Abs. 4 DGUV Vorschrift 54.

  • 4. Muss ein Teleskopstaplerfahrer, der die Anbauwinde bedient, ein Krankontrollbuch gemäß DGUV Vorschrift 52 für ortsveränderliche Krane führen?

    Ja, siehe § 30 Abs. 3 DGUV Vorschrift 52.

  • 5. Muss ein Teleskopstapler, der mit dem Anbaugerät Hubwinde als kraftbetriebener Fahrzeugkran verwendet wird, gemäß § 14 Abs. 4 in Verbindung mit Anhang 3 BetrSichV alle 4 Jahre und nach dem 12. Jahr jährlich durch einen Prüfsachverständigen geprüft werden?

    Ja. In den betreffenden Jahren ersetzt die Prüfung eines Prüfsachverständigen die wiederkehrende Prüfung einer zur Prüfung befähigten Person, sodass keine Doppelprüfung stattfindet.

    Der Arbeitgeber kann davon ausgehen, dass der beauftragte Prüfsachverständige ausreichend qualifiziert ist, wenn er ein Zertifikat für die Prüfung von Kranen einer nach DIN EN ISO 17024 für die Personenzertifizierung akkreditierten Stelle oder die Ermächtigung eines Trägers der Gesetzlichen Unfallversicherung (z. B. nach § 28 DGUV Vorschrift 52 und 53 in Verbindung mit dem DGUV Grundsatz 309-005) nachweisen kann.

    Eine Liste der von der Berufsgenossenschaft ermächtigten Sachverständigen zur Prüfung von Kranen finden Sie auf der Internetseite der BG Holz und Metall.

  • 6. Sind die Vorgaben der DGUV Vorschrift 52 ab § 28a bis § 43 "Betrieb" für einen Teleskopstapler mit Kranwinde verpflichtend?

    Ja.

  • 7. Warum sind im DGUV Grundsatz 308-009 "Qualifizierung und Beauftragung der Fahrerinnen und Fahrer von geländegängigen Teleskopstaplern" und im DGUV Grundsatzes 309-003 "Auswahl, Unterweisung und Befähigungsnachweis von Kranführern" unterschiedliche Mindestzeiten für die Bedienerqualifizierung angegeben?

    Teleskopstapler nach DIN EN 1459-1 oder DIN EN 1459-2 sind primär Flurförderzeuge im Sinne der ISO 5053-1 "Flurförderzeuge - Terminologie und Klassifizierung - Teil 1: Flurförderzeugtypen". Da ein drehbarer Teleskopstapler mit Winde die Funktion eines Mobilkrans übernimmt, unterliegt er in dieser Konfiguration den Bestimmungen der DGUV Vorschrift 52 "Krane". Gemäß § 29 Abs. 1 Nr. 3 DGUV Vorschrift 52 dürfen nur unterwiesene (d. h. qualifizierte, für die betrieblichen Gefahren und Belange eingewiesene und wiederkehrend unterwiesene) und nachweislich befähigte Personen mit dem Führen von Kranen, respektive drehbaren Teleskopstaplern mit Winde beauftragt werden.

    Aufgrund der unterschiedlichen maschinenspezifischen Bauart (z.B. verschiedene Auslegerlängen), des Einsatzortes, der Einsatzdauer, der durchzuführenden Arbeitsaufgabe, usw. ergeben sich beim Betrieb von drehbaren Teleskopstaplern mit Winde und beim Betrieb von originären Fahrzeugkranen in der Regel unterschiedliche Gefahrenpotentiale, die mit entsprechenden Ausbildungszeiten in den DGUV Grundsätzen 308-009 und 309-003 verknüpft sind. Der DGUV Grundsatz 308-009 sieht für die Qualifizierung der Bediener von Teleskopstaplern mit drehbarem Oberwagen im Kranbetrieb eine Ausbildungsdauer von mindestens 30 Lehreinheiten a 45 min (ca. 3 Tage) vor, die sich aus mindestens 20 LE gemäß Stufe 1 (Allgemeine Ausbildung) und mindestens 10 LE gemäß Stufe 2a (Kranbetrieb) zusammensetzt. Der DGUV Grundsatz 309-003 gibt für die Qualifizierung der Bediener von Fahrzeugkranen eine Qualifizierungsdauer von 15-20 Tagen an.

    Die im DGUV Grundsatz 308-009 enthaltenen Zeitangaben stellen nur Mindestzeiten dar. Der Unternehmer hat im Rahmen seiner Gefährdungsbeurteilung unter Berücksichtigung der Arbeitsaufgabe, der Einsatzdauer, der Umgebungsbedingungen vor Ort, usw. die erforderliche Qualifizierungszeit festzulegen. Wird beim Einsatz eines drehbaren Teleskopstaplers mit Winde ein vergleichbares Gefahrenpotential wie beim Einsatz eines Fahrzeugkrans erreicht, ist abweichend von den Mindestzeiten nach DGUV Grundsatz 308-009 eine längere Qualifizierungsdauer – bis hin zu den Maßgaben des DGUV Grundsatzes 309-003 – erforderlich.

  • 8. Der Teleskopstapler wird mit einer Anbauwinde gelegentlich wie ein Kran betrieben. Nach welchen Prüffristen ist das Gerät zu prüfen?

    Es gelten die Prüffristen für kraftbetriebene Fahrzeugkrane nach DGUV Vorschrift 52. Winden und Grundgerät sind als Kombination zu prüfen.

  • 9. Muss beim Verkauf eines Teleskopstaplers ein Prüfbuch erstellt und mitgeliefert werden? Oder reicht ein Protokoll über die Prüfung nach § 14 BetrSichV vor der ersten Inbetriebnahme?

    Der Hersteller oder Verkäufer eines Teleskopstaplers ist nicht verpflichtet, ein Prüfbuch zu liefern. Die Notwendigkeit des Führens von Prüfnachweisen richtet sich an den Betreiber. Ein Prüfbuch wird dann erforderlich, wenn ein Teleskopstapler als Mobilkran (siehe § 27 DGUV Vorschrift 52) oder als Hubarbeitsbühne (siehe Abschnitt 2.9.4 Kapitel 2.10 DGUV Regel 100-500) eingesetzt wird, was in der Regel zutrifft.

  • 10. Der Teleskopstapler wird mit einer Anbauwinde gelegentlich wie ein Kran betrieben. Ist ein Prüfbuch nach § 27 DGUV Vorschrift 52 zu führen?

    Ja. Da für den Einsatz als Hubarbeitsbühne (Teleskopstapler mit Arbeitsbühne) gemäß Abschnitt 2.9.4 Kapitel 2.10 DGUV Regel 100-500 ebenfalls ein Prüfbuch gefordert ist, kann ein gemeinsames Prüfbuch geführt werden.

  • 11. Der Betrieb eines Teleskopstaplers, unter anderem dessen Prüfung, unterliegt sowohl staatlichem Recht (BetrSichV) als auch dem Vorschriftenwerk der Unfallversicherungsträger (Teleskopstapler mit Winde: DGUV Vorschrift 52 und 54 // Teleskopstapler mit Gabelzinken: DGUV Vorschrift 68). Müssen die relevanten DGUV Vorschriften bei Prüfungen im Prüfprotokoll aufgeführt sein oder genügt ein Hinweis auf die BetrSichV?

    In der Regel genügt es, im Prüfprotokoll auf § 14 BetrSichV zu verweisen. Ein Verweis auf das spezifische Vorschriften- und Regelwerk der Unfallversicherungsträger ist jedoch erforderlich, wenn die Prüfgrundlagen und die Prüfung sich auf dieses Recht beziehen.

    Wird ein Teleskopstapler als Kran betrieben, ist im Prüfprotokoll der DGUV Grundsatz 309-001 "Prüfung von Kranen" anzugeben. Dieser bezieht sich konkret auf die DGUV Vorschrift 52 "Krane" und enthält umfangreiche Informationen über den Umfang der Vorprüfung, Bauprüfung und Abnahmeprüfung als Bestandteile der Prüfung nach der Montage, Installation und vor der ersten Inbetriebnahme sowie über den Umfang der wiederkehrenden Prüfung von Kranen.

  • 12. Ist es notwendig, eine Prüfplakette über die durchgeführte Prüfung am Teleskopstapler anzubringen?

    Gemäß § 14 Abs. 7 Satz 4 BetrSichV ist am Einsatzort, d.h. am Fahrzeug ein Nachweis über die Durchführung der letzten Prüfung vorzuhalten. Gemäß Kapitel 8.3.1 Absatz 3 Satz 2 TRBS 1201 kann dieser erforderliche Nachweis z. B. durch eine Prüfplakette, eine Stempelung oder eine Kopie der Prüfaufzeichnung erfolgen. Das Anbringen einer Prüfplakette ist somit nicht vorgeschrieben, wird aber in der Praxis häufig exerziert.

    Kann der Teleskopstapler auch als Kran betrieben werden, hat der Unternehmer gemäß § 27 Abs. 3 DGUV Vorschrift 52 dafür zu sorgen, dass eine Kopie des letzten Prüfberichtes des Sachkundigen und des Sachverständigen als Nachweis der wiederkehrenden Prüfung beim Teleskopstapler aufbewahrt wird.

    Eine Plakette ist kein Garant für Mängelfreiheit. Maßgebend sind immer die Aufzeichnungen im Prüfprotokoll. Eine eindeutige Aussage des Prüfers, ob Bedenken gegen den Weiterbetrieb bestehen oder nicht, muss im Prüfbericht abgegeben werden.

    Zudem darf eine Prüfplakette nicht geklebt werden, wenn der Teleskopstapler nicht frei von derartigen Mängeln ist, die die Sicherheit gefährden.

    Weitere Informationen hierzu finden Sie im Internetauftritt der BG Holz und Metall.

  • 13. Ist es ausreichend, wenn auf der angeklebten Prüfplakette auf die BetrSichV verwiesen wird oder muss auf spezifische Vorschriften und Regeln der Unfallversicherungsträger Bezug genommen werden?

    In der Regel genügt es, auf der Prüfplakette auf § 14 BetrSichV zu verweisen. Ein Verweis auf das spezifische Vorschriften- und Regelwerk der Unfallversicherungsträger ist jedoch erforderlich, wenn die Prüfgrundlagen und die Prüfung sich auf dieses Recht beziehen. Dies betrifft zum Beispiel Teleskopstapler, die als Kran eingesetzt werden.

    Zusätzlich sind gemäß § 14 Abs. 5 BetrSichV Monat und Jahr der nächsten Prüfung anzugeben.

  • 14. Ist es zulässig, einen Teleskopstapler mit Gabelzinkenverlängerungen (ugs. Gabelschuhe) zu betreiben? Was ist zu beachten?

    Ja, Teleskopstapler dürfen im Allgemeinen mit Gabelzinkenverlängerungen betrieben werden. Diese ermöglichen das Ergreifen von Lasten, die mit normalen Gabelzinken nicht gehoben werden können.

    Gabelzinkenverlängerungen sind ein

    • nicht zum Teleskopstapler (Hebezeug) gehörendes Bauteil oder Ausrüstungsteil,
    • nicht zum Teleskopstapler (Hebezeug) gehörendes Bauteil oder Ausrüstungsteil,
    • das das Ergreifen der Last ermöglicht und
    • das zwischen Maschine und Last angebracht wird und
    • das gesondert in Verkehr gebracht.

     

    Gabelzinkenverlängerungen sind daher so genannte Lastaufnahmemittel, die unter den Anwendungsbereich der Richtlinie 2006/42/EG (Maschinenrichtlinie) fallen. Viele Hersteller von Gabelzinkenverlängerungen beziehen sich auf die Norm ISO 13284:2003-02 "Gabelstapler – Gabelzinkenverlängerung und Teleskopgabelzinken – Technische Merkmale und Anforderungen an die Festigkeit".

    Bei der Beschaffung von Gabelzinkenverlängerungen ist darauf zu achten, dass eine Konformitätserklärung, ein CE-Zeichen und eine Betriebsanleitung vorhanden sind.

    Bei der Verwendung von Gabelzinkenverlängerungen sind die Anforderungen der BetrSichV zu beachten. Insbesondere ist sicherzustellen, dass die Gabelzinkenverlängerungen bestimmungsgemäß, d.h. nach den Vorgaben des Herstellers in der Betriebsanleitung, eingesetzt werden. Das Vorhandensein eines zusätzlichen Traglastdiagramms im Sinne der Ziffer k) des Abschnitt 6.3.2.1 der DIN EN 1459-1 bzw. der Ziffer s) des Abschnitts 6.2.2.1 der DIN EN 1459-2 ist nicht erforderlich. Diese Forderung bezieht sich auf Anbaugeräte, nicht auf Lastaufnahmemittel.

  • 15. Ein Teleskopstapler mit veränderlicher Reichweite wird ab Werk mit einer Arbeitsbühne ausgestattet. Wie ist die Konformität zu erklären?

    Eine Arbeitsbühne, die mechanisch und steuerungstechnisch mit einem Teleskopstapler verbunden wird, gilt als auswechselbare Ausrüstung im Sinne von Artikel 2 (b) der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG (MRL). Auswechselbare Ausrüstungen werden als separates Produkt betrachtet und müssen mit eigener EG-Konformitätserklärung, CE-Kennzeichnung und Betriebsanleitung geliefert werden.

    Zusätzlich ist zu beachten, dass bei der Ankopplung einer derartigen Arbeitsbühne an einen Teleskopstapler eine Kombination entsteht, die zu einer der in Anhang IV der MRL aufgeführten Maschinenkategorien gehört: "Maschinen zum Heben von Personen oder von Personen und Gütern, bei denen die Gefährdung eines Absturzes aus einer Höhe von mehr als 3 m besteht".

    Zur Konformitätsbewertung:

    Der Hersteller der Arbeitsbühne muss für die Kombination aus Arbeitsbühne und Teleskopstapler eine Risikobeurteilung durchführen und ein Konformitätsbewertungsverfahren nach Artikel 12 Abs. 3 bzw. Abs. 4 MRL anwenden.

    Will der Hersteller der Arbeitsbühne für die Kombination aus Arbeitsbühne und Teleskopstapler von der Vermutungswirkung harmonisierter C-Normen profitieren, um eine sehr umfangreiche eigene Risikobeurteilung zu vermeiden, dann hat er die DIN EN 280 anzuwenden. Die DIN EN 280 enthält Sicherheitsanforderungen und -maßnahmen für fahrbare Hubarbeitsbühnen (Teleskopstapler + Arbeitsbühne = fahrbare Hubarbeitsbühne).

    Zur EG-Konformitätserklärung:

    Die notwendigen Informationen zur Konformitätsbewertung der Kombination von Arbeitsbühne und Teleskopstapler sind in der EG-Konformitätserklärung für die Arbeitsbühne anzugeben.

    Gemäß Anhang II 1 A der MRL gelten für die Abfassung der EG-Konformitätserklärung sowie der Übersetzungen die gleichen Bedingungen wie für die Betriebsanleitung (siehe Anhang I Nummer 1.7.4.1 Buchstaben a und b der MRL). Wenn also keine originale EG-Konformitätserklärung in der Amtssprache bzw. den Amtssprachen des Landes existiert, in dem die Arbeitsbühne benutzt werden soll, ist vom Hersteller der Arbeitsbühne zusätzlich zur originalen EG-Konformitätserklärung eine Übersetzung in diese(n) Sprache(n) vorzulegen. Die Übersetzungen sind durch den Vermerk "Übersetzung der Originalkonformitätserklärung" zu kennzeichnen.

    Zur Betriebsanleitung:

    Die Betriebsanleitung für die Arbeitsbühne muss den Typ oder die Typen der Grundmaschine spezifizieren, mit denen die Arbeitsbühne bestimmt ist, zusammengebaut zu werden, und die notwendigen Anleitungen für den Zusammenbau beinhalten.