Sind Hepatitis-Impfungen im Gastgewerbe Pflicht?

Hepatitis-A und -B sind durch Hepatitis-Viren verursachte Infektionskrankheiten. Sie unterscheiden sich u. a. in ihren Infektionswegen. Während die Hepatitis-A-Infektion über die Aufnahme von kontaminierten Lebensmitteln bzw. Trinkwasser oder durch fäkal-orale Schmierinfektion erfolgt, wird die Hepatitis-B über Körperflüssigkeiten (Blut, Sperma, Schleimhautsekrete, Speichel, Tränenflüssigkeit) sowie im medizinischen Bereich über kontaminierte Instrumente sowie über die Verabreichung von aus menschlichem Material gewonnenen Präparaten (Blutkonserven, Serumpräparate) übertragen.

Das Risiko, bei Verarbeitung von kontaminierten Lebensmitteln oder bei Reinigungsarbeiten im Sanitärbereich an einer Hepatitis-A zu erkranken, ist unter Beachtung der grundlegenden Hygieneregeln als gering einzustufen. Entsprechend gering ist auch das Infektionsrisiko bezüglich Hepatitis-B bei Reinigungsarbeiten im Gästezimmerbereich. Tätigkeiten im Küchen-, Reinigungs- oder Zimmerbereich im Gastgewerbe sind der Schutzstufe 1 nach BioStoffV zuzuordnen. Dabei sind die allgemeinen Hygienemaßnahmen der TRBA 500 anzuwenden. Für die hierbei beschäftigten Personen werden auch von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut keine Empfehlungen für eine beruflich veranlasste Impfung ausgesprochen (Stand 08/2015).

Im Gastgewerbe besteht somit keine grundsätzliche Verpflichtung, aufgrund staatlicher Vorschriften oder Regelungen der Unfallversicherungsträger eine Schutzimpfung gegen Hepatitis-A und/oder B anzubieten. Die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission enthalten aber Aussagen zu beruflich indizierten Impfungen unter Berücksichtigung von Aspekten des Drittschutzes (z. B. Küchenpersonal in Kindertagesstätten, Kinderheimen) oder zum Schutz von besonderen Personengruppen (z. B. von Schwangeren).

Für den Arbeitsschutz sind allein die Regelungen der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) maßgeblich. Schlussendlich entscheidend für die Notwendigkeit, arbeitgeberseitig Hepatitis-Impfungen anzubieten, ist immer das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung. Ergibt sich aus der Beurteilung, dass die Voraussetzungen zur Durchführung einer arbeitsmedizinischen Vorsorge gemäß ArbMedVV (§ 4 und § 5 i. V. m. Teil 2 Abs. 1/2 Nr. 3/1 des Anhanges) vorliegen und es sich, wie im Falle von Hepatitis-A und -B, um eine durch Impfung verhütbare Erkrankung handelt, so müssen die entsprechenden Impfungen angeboten werden. Die Kosten sind dann vom Arbeitgeber zu tragen.