Tätigkeiten in fremden Anlagen

1 Was bedeutet "Tätigkeit in fremden Anlagen oder Einrichtungen" gemäß Strahlenschutzverordnung?

Wenn ein Betrieb seine Mitarbeiter in anderen Betrieben arbeiten lässt und die Beschäftigten dabei mehr als 1 mSv (effektive Dosis) im Kalenderjahr erhalten können, dann ist der Fremdbetrieb in den die Mitarbeiter geschickt werden eine "fremde Anlage oder Einrichtung" gemäß der Strahlenschutzverordnung. Der entsendende Betrieb benötigt dann eine Genehmigung nach § 15 der Strahlenschutzverordnung (§ 15-Genehmigungsinhaber).

2 Welche Rechtsquelle ist maßgeblich?

Der § 15 der Strahlenschutzverordnung und der entsprechenden Mustergenehmigung (Auflagen in der Genehmigung sind zu beachten).

3 Wann wird ein Strahlenpass benötigt?

Gemäß § 40 Abs. 2 der Strahlenschutzverordnung muss für Personen, die in Kontrollbereichen (effektive Dosis pro Jahr mehr als 6 mSv möglich!) von fremden Anlagen oder Einrichtungen tätig werden, ein amtlicher Strahlenpass geführt werden.

4 Wer macht Eintragungen im Strahlenpass?

Die amtliche Dosis wird vom Strahlenschutzbeauftragten bzw. von einer von ihm bevollmächtigten Person des §15-Genehmigungsinhabers in den Strahlenpass eingetragen, die nichtamtliche Dosis vom Strahlenschutzbeauftragten der fremden Anlage. Die Durchführungen der erforderlichen arbeitsmedizinischen Untersuchungen werden vom ermächtigten Arzt in den Strahlenpass eingetragen.

5 Wem gehört der Strahlenpass?

Der Strahlenpass ist persönliches Eigentum des Inhabers, also der betroffenen Person. Nach Ausscheiden aus dem Betrieb muss der Strahlenpass der betroffenen Person ausgehändigt werden.

6 Welche Fachkunde benötigt der Strahlenschutzbeauftragte im entsendenden Betrieb?

Der § 15-Genehmigungsinhaber muss einen Strahlenschutzbeauftragten mit der Fachkunde S5 gemäß der "Fachkunde-Richtlinie Technik nach Strahlenschutzverordnung" bestellen.

7 Was ist ein Abgrenzungsvertrag?

Der "Strahlenschutz-Abgrenzungsvertrag" regelt die Zuständigkeiten zwischen dem Strahlenschutzbeauftragten des entsendenden Betriebes (§ 15 Genehmigungsinhaber) und dem Strahlenschutzbeauftragten der fremden Anlage. Es darf dabei weder Doppelzuständigkeiten noch Lücken im Strahlenschutz geben. Der anlagenbezogene Strahlenschutz in dem Fremdbetrieb sollte möglichst von dessen Strahlenschutzbeauftragten sichergestellt werden und der nicht anlagenbezogene Strahlenschutz vom Strahlenschutzbeauftragten des § 15-Betriebes. Dies könnte wie folgt aussehen:

SSB des Fremdbetriebes zuständig für:

  • Einhaltung der Dosisgrenzwerte
  • Feststellung der nichtamtlichen Dosis
  • Dokumentation der nichtamtlichen Dosis
  • Anlagenbezogene Strahlenschutzunterweisung
  • Beaufsichtigung des Personals gemäß Strahlenschutzanweisung des Betreibers der fremden Anlage, insbesondere Überwachung am Arbeitsplatz, inkl. Kontaminationskontrolle falls erforderlich
  • Planung und Durchführung von Maßnahmen bei Stör- und Unfällen durch den Betreiber der fremden Anlage

SSB des § 15-Genehmigungsinhaber zuständig für:

  • Allgemeine Strahlenschutzunterweisung
  • Führen der Strahlenpässe
  • Arbeitsmedizinische Untersuchungen
  • Dokumentation und Aufbewahren der personenbezogenen Strahlenschutzdaten
  • Ermittlung der amtlichen Dosiswerte, kontinuierliche Verfolgung im Verhältnis zu den Dosisgrenzwerten der StrlSchV und ggf. zu den selbst zusätzlich geregelten Grenzwerten
  • Dokumentation der amtlichen Dosiswerte
  • Mitteilungen an die § 15-Behörde
  • Beachten der Auflagen der § 15-Genehmigung

8 Wo bekommt man amtliche Dosimeter?

Getrennt nach den jeweiligen Bundesländern (Sitz des Betriebes) sind unterschiedliche Messstellen zuständig:

  • Bayern, Hessen, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Hamburg:
    Helmholtz Zentrum München
    Auswertungsstelle
    Otto-Hahn-Ring 6
    81739 München
  • Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland:
    Staatliches Materialprüfungsamt
    Nordrhein-Westfalen
    Marsbruchstraße 186
    44287 Dortmund
  • Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen:
    LPS - Landesanstalt für Personendosimetrie und Strahlenschutzausbildung
    Köpenicker Straße 325, Haus 41
    12555 Berlin
  • Berlin:
    Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
    - Strahlenmessstelle -
    Rubensstrasse 111
    12157 Berlin

9 Welche Pflichten hat der § 15-Betrieb?

Der Genehmigungsinhaber gemäß § 15 der Strahlenschutzverordnung sorgt für:

  • die Bestellung eines Strahlenschutzbeauftragten in seinem Betrieb
  • das Erstellen einer Strahlenschutzanweisung
  • einen Abgrenzungsvertrag mit der fremden Anlage
  • die regelmäßigen Strahlenschutzunterweisungen der eigenen Mitarbeiter,
  • die monatliche Auswertung und die zur Verfügungstellung der amtlichen Dosimeter falls erforderlich
  • die Organisation der erforderlichen arbeitsmedizinischen Untersuchungen
  • einen Strahlenpass für jeden Mitarbeiter, der in Kontrollbereichen der fremden Anlagen oder Einrichtungen tätig wird.