Pilotprojekt Zentrumsmodell

Damit mehr Beschäftigte in Kleinbetrieben sicher und gesund arbeiten können, erprobt die DGUV in Ostwestfalen-Lippe ein Betreuungsnetzwerk für betriebsärztliche und sicherheitstechnische Leistungen. Von dem einjährigen Pilotprojekt „Zentrumsmodell“ können neben Kleinbetrieben auch Dienstleister für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit profitieren.

Ziel: Sicherheit und Gesundheit in Kleinbetrieben fördern

Um die Sicherheit und Gesundheit ihrer Beschäftigten zu gewährleisten, müssen sich Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber von einem Betriebsarzt und einer Fachkraft für Arbeitssicherheit beraten lassen – so steht es im Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG), das durch die Unfallverhütungsvorschrift „Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit“ (DGUV Vorschrift 2) konkretisiert wird. Doch gerade Kleinbetriebe haben oftmals Schwierigkeiten, einen geeigneten Anbieter für betriebsärztliche und sicherheitstechnische Leistungen zu finden. In ländlichen Gebieten kann sich dieses Problem nochmals verschärfen. An diesem Punkt setzt das Pilotprojekt „Zentrumsmodell“ an.

Die DGUV möchte ein Betreuungsnetzwerk von betriebsärztlichen und sicherheitstechnischen Dienstleistern in Ostwestfalen-Lippe aufbauen und effektiv für die Beratung von Kleinbetrieben in der Zuständigkeit der teilnehmenden gewerblichen Berufsgenossenschaften BGHM, BGHW und BGW nutzen. Zu diesem Zweck ermittelt die DGUV für interessierte Kleinbetriebe bis zu drei geeignete Dienstleister (pro benötigter Berufsgruppe) nach festgelegten Kriterien. Die Auswahl unter diesen trifft der Kleinbetrieb. Anschließend beauftragt die Kontaktstelle bei der zuständigen Berufsgenossenschaft den ausgewählten Dienstleister, beantwortet gegebenenfalls Rückfragen zur betrieblichen Betreuung und wickelt die Zahlung der erbrachten Leistungen ab.

Erkenntnisgewinn für die Zukunft der betrieblichen Betreuung

Am Ende der Laufzeit des Pilotprojekts wertet die DGUV die Projektergebnisse aus und veröffentlicht einen Abschlussbericht. Dieser soll Rückschlüsse darauf zulassen, ob sich das Modell eignet, den Anteil der betreuten Betriebe nach der DGUV Vorschrift 2 in Verbindung mit dem Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) perspektivisch zu erhöhen und die Qualität der Betreuung bundesweit zu verbessern.


Hintergründe, Details, Sachinformationen (Fragen und Antworten)

  • Wer ist für Sicherheit und Gesundheit im Betrieb zuständig?

    Die Verantwortung für Sicherheit und Gesundheit im Betrieb tragen die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber. Sie müssen nach Arbeitssicherheitsgesetz in Verbindung mit DGUV Vorschrift 2, Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit bestellen, um die Organisation und die Qualität von Sicherheit und Gesundheit im Betrieb zu verbessern. Diese Fachleute besichtigen den Betrieb und beraten die Unternehmerinnen und Unternehmer dabei, welche konkreten Maßnahmen für sichere und gesunde Arbeitsplätze notwendig sind.

    Den Kern der betriebsärztlichen und sicherheitstechnischen Betreuung bildet die Beratung zur Gefährdungsbeurteilung gemäß § 3 DGUV Vorschrift 1 in Verbindung mit § 5 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), die durch dieses Pilotprojekt gezielt unterstützt werden soll: Mithilfe des bestellten Fachpersonals dokumentieren die Unternehmerinnen und Unternehmer, welche Gefahren verschiedene Tätigkeiten bergen und leiten Maßnahmen für sicheres und gesundes Arbeiten ab, welche die Beschäftigten bereits im Vorfeld schützen sollen. Die Fachleute helfen den Unternehmerinnen und Unternehmern auch dabei, zu beurteilen, wie erfolgreich die getroffenen Maßnahmen sind.

    Welche konkreten Aufgaben Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit sonst noch übernehmen und wie viel Zeit sie dafür veranschlagen, hängt von Größe, Betriebsart, Bedarf und dem gewählten Betreuungsmodell des Betriebes (PDF, 1,5 MB) ab.

  • Warum ist es wichtig, dass Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ihre gesetzlichen Pflichten zum Arbeitsschutz erfüllen?

    Rechtlicher Aspekt

    Trotz des Versicherungsschutzes der gesetzlichen Unfallversicherung sind Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber grundsätzlich rechtlich verantwortlich für die Bedingungen, unter denen ihre Beschäftigten arbeiten. Insbesondere bei vermeidbaren Arbeitsunfällen kann sie unter Umständen sogar die strafrechtliche Verantwortung treffen. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die sich nicht an die gesetzlichen Pflichten des Arbeitsschutzes halten, können daher vom zuständigen Unfallversicherungsträger und den staatlichen Aufsichtsbehörden angewiesen beziehungsweise verpflichtet werden, die notwendigen Maßnahmen zu treffen. Weigern sich Betriebe, die erforderlichen Aktivitäten vorzunehmen, dürfen Aufsichtsdienste Bußgelder verhängen.

    Ökonomischer Aspekt

    Verletzte und erkrankte Beschäftigte kosten die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber jährlich viel Geld. Eine gelungene betriebliche Organisation von Sicherheit und Gesundheit vermeidet diese Kosten und verbessert die Motivation und Arbeitsergebnisse der Angestellten. Mit anderen Worten: Prävention lohnt sich.

    Ethischer Aspekt

    Mangelnder Arbeitsschutz birgt eine Gefahr für das Leben und die Gesundheit aller Beschäftigten. Dies ist nicht akzeptabel. Die DGUV arbeitet daher an der Vision einer Welt ohne Arbeitsunfälle und arbeitsbedingte Erkrankungen: Vision Zero.

  • Wer beantwortet meine Fragen zum Pilotprojekt Zentrumsmodell?

    Weiterführende Fragen von Dienstleistern zum Projekt können der DGUV übermittelt werden. Die Beantwortung durch die DGUV erfolgt im Kommunikationsraum des Vergabeportals. Zusätzliche Informationen stehen im Service- und Downloadbereich zur Verfügung. Ansprechpartner für bereits durch die DGUV zugelassene Anbieter von betriebsärztlichen und sicherheitstechnischen Dienstleistern zu Einzelaufträgen sowie für teilnehmende Kleinbetriebe sind die Kontaktstellen von BGW, BGHW und BGHM.