Faktencheck: Plusminus-Beitrag vom 08.01.2019

"Asbest-Erkrankungen - Der lange Weg zur Anerkennung"

(Transkript des Beitrags)

1. Im Beitrag heißt es, die Zahl der Menschen, bei denen eine Erkrankung als asbestbedingte Berufskrankheit anerkannt wird, bleibe trotz steigender Verdachtsanzeigen konstant niedrig.

Tatsache ist: Eine Verdachtsanzeige allein sagt noch nichts über die Verursachung aus. Die gesetzliche Unfallversicherung prüft erst NACH Eingang der Verdachtsanzeige, ob der berufliche Kontakt mit Asbest die Erkrankung ausgelöst haben kann. Zu beachten ist zudem: Für die Meldung von Verdachtsfällen gibt es keine formalen Vorgaben. Die Meldung ist auch dann möglich, wenn eine berufliche Verursachung sehr unwahrscheinlich ist.

Hinsichtlich der Statistik ist zu bemerken: Was zunimmt, sind die Verdachtsanzeigen bei Lungenkrebs, während die Verdachtsanzeigen für Mesotheliome und Asbestose stagnieren. Speziell bei Lungenkrebs geht der Anstieg der Verdachtsanzeigen seit der Jahrtausendwende zudem vor allem auf Meldungen der Krankenkassen zurück, nicht auf Verdachtsanzeigen von Versicherten.

2. Im Beitrag heißt es, das Mesotheliomregister erarbeite in Deutschland die Grundlagen zur Anerkennung von Asbest als Berufskrankheit.

Tatsache ist: Die allgemeinen Vorgaben für die Anerkennung von Berufskrankheiten sind im Sozialgesetzbuch VII festgeschrieben. Auf dieser Grundlage erlässt die Bundesregierung als Verordnungsgeber die Berufskrankheitenverordnung mit Zustimmung des Bundesrats. Sie wird dabei vom Ärztlichen Sachverständigenbeirat im Bundesarbeitsministerium beraten. Dessen Mitglieder kommen aus der universitären Forschung. In der Berufskrankheitenverordnung ist festgelegt, welche Kriterien die gesetzliche Unfallversicherung bei der Anerkennung einer konkreten Berufskrankheit zu berücksichtigen hat.

Das Mesotheliomregister beschäftigt sich wissenschaftlich mit beruflich verursachten Lungenerkrankungen, im Besonderen mit Erkrankungen durch Asbest. Die gesetzliche Unfallversicherung fördert das Deutsche Mesotheliomregister im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrags, die Ursachen von Berufskrankheiten zu erforschen (SGB VII §9).

3. Im Beitrag behauptet Prof. Xaver Baur, der Dosiswert, ab dem eine Anerkennung einer Erkrankung als asbestbedingte Berufskrankheit möglich sei (25 Faserjahre), sei längst überholt und entspreche nicht mehr dem Stand der Wissenschaft.

Tatsache ist: Der aktuell gültige Wert von 25 Faserjahren wurde durch die Bundesregierung als Verordnungsgeber mit Wirkung zum 1.1.1993 festgelegt. (s. Bundesratsdrucksache 773/92 „Zweite Verordnung zur Änderung der Berufskrankheitenverordnung“, S. 12 ff: http://dipbt.bundestag.de/dip21/brd/1992/D773+92.pdf). Dem gingen intensive Beratungen unter Berücksichtigung statistischer Analysen aus dem Fach der Arbeitsmedizin voraus. Die gesetzliche Unfallversicherung könnte von diesem Dosiswert nur dann abweichen, wenn der Verordnungsgeber ihn ändert.

Wenn Prof. Baur über einen neuen Kenntnisstand verfügt, der einen anderen Dosiswert rechtfertigt, sollte er ihn in die wissenschaftliche Diskussion – zum Beispiel des Ärztlichen Sachverständigenbeirat Berufskrankheiten – einbringen.