SARS-CoV-2 – Schutzstandards für Bildungseinrichtungen

SARS-CoV-2 – Schutzstandard für Hochschulen und Forschungseinrichtungen

(Stand: 22.05.2020)

Der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) vom 16.04.2020 beschreibt die generellen Standards für den Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 bei der Arbeit.

Die folgenden Hinweise für die Ergänzung der Gefährdungsbeurteilung konkretisieren diese Standards für Hochschulen und Forschungseinrichtungen unter Einbeziehung der bisherigen Erkenntnisse im Umgang mit SARS-CoV-2. Die Muster-Gefährdungsbeurteilung als „Branchenstandard Hochschulen und Forschungseinrichtungen“ wird auf der Grundlage von aktuellen wissenschaftlichen und politischen Entwicklungen ständig angepasst.

Für Forschungseinrichtungen gelten die folgenden Hinweise analog.

Ansprechpartner und weitere Informationen Ihrer zuständigen Unfallversicherungsträger finden Sie hier:

Die folgende Grafik zeigt die grundsätzliche Vorgehensweise der Verantwortlichen in Hochschulen bei der Informationsermittlung und Ergänzung der Gefährdungsbeurteilung in den Hochschulen in Bezug auf SARS-CoV-2. Zur besseren Ansicht können Sie die Grafik auch herunterladen.


  • Rechtliche Grundlagen

    Verantwortlich für die Sicherheit und Gesundheit von Beschäftigten, Studierenden und weiteren Personen in den Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind grundsätzlich die Hochschulleitungen bzw. die Leitung der jeweiligen Forschungseinrichtung.

    Rechtliche Grundlage bilden im Wesentlichen :

    • das staatliche Arbeitsschutzrecht und
    • die Vorschriften der Unfallversicherungsträger.


    Selbstverständlich lässt sich die Hochschulleitung auch bei der Umsetzung der Maßnahmen zu Sicherheit und Gesundheit im Rahmen des Infektionsschutzes von der Fachkraft für Arbeitssicherheit und von dem Betriebsarzt / der Betriebsärztin beraten. Die betrieblichen Interessensvertretungen (Personalrat etc.) haben wie bei allen Maßnahmen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz ein Mitbestimmungsrecht und eine Unterstützungspflicht.

    Im Hinblick auf den Schutz der Bevölkerung vor Infektionen ist das Infektionsschutzgesetz zu beachten. Die Bundesländer treffen in eigener Zuständigkeit Regelungen zur Umsetzung der Maßnahmen (s. Länderseiten zu Infektionsschutzmaßnahmenverordnung oder Corona-Verordnung, Gesundheitsressorts). Zuständig für den Vollzug sind die örtlichen Gesundheitsämter.

    Allgemeine Empfehlungen zum Umgang mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 liefern insbesondere das Robert-Koch-Institut (RKI) und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) (Links s. "Weitere Informationen").

    Das Arbeitsschutzgesetz und die DGUV Vorschrift 1 („Grundsätze der Prävention“) verpflichten den Arbeitgeber bzw. Unternehmer zur Gewährleistung von Sicherheit und Gesundheit eine Gefährdungsbeurteilung für Beschäftigte bzw. Versicherte, d. h. auch für Studierende durchzuführen.

    Dies schließt die Verantwortung für die Umsetzung zusätzlicher Infektionsschutzmaßnahmen ein. Neben dem Ermitteln und Bewerten der Gefährdungen für Sicherheit und Gesundheit sind insbesondere die Festlegung und Durchführung geeigneter Maßnahmen zur Vermeidung und Verminderung ein wesentlicher Bestandteil der Gefährdungsbeurteilung.

    Um die rechtlichen Anforderungen zu erfüllen, reicht es aus, die Hygienemaßnahmen einzuhalten, wie sie im SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard beschrieben sind. Ergänzt und konkretisiert wird dieser Standard durch branchenspezifischen Hilfestellungen der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, wie sie hier für den Bereich der Hochschulen in Form der Muster-Gefährdungsbeurteilung und einer Musterbetriebsanweisung vorliegt. Ein darüber hinausgehendes "Hygienekonzept" als eigenständiges Dokument ist für die Betriebe nicht erforderlich.

  • Vorgehensweise

    Zur Umsetzung der Anforderungen aus dem Infektionsschutz- und Arbeitsschutzgesetz sollen Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus Sicht des DGUV-Sachgebiets Hochschulen, Forschungseinrichtungen zur Verhinderung der Ausbreitung von Infektionen durch das neuartige Corona-Virus SARS–CoV-2 folgendermaßen vorgehen:

    1. In den Bereichen der Forschung und Verwaltung werden die im SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard genannten Maßnahmen als zielführend angesehen und können in der Regel umgesetzt werden. Insbesondere in natur- und ingenieurwissenschaftlichen Forschungsbereichen müssen ggf. vor Wiederaufnahme der Tätigkeiten Kompensationsmaßnahmen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung festgelegt werden.

      Dies gilt sinngemäß auch für Forschungstätigkeiten außerhalb der Hochschuleinrichtungen im Rahmen von Forschungsreisen, Expeditionen und wissenschaftlichen Exkursionen. Finden diese außerhalb der Bundesrepublik Deutschland statt, sind zudem die Reisewarnungen des Auswärtigen Amts sowie die nationalen Bestimmungen des Ziellandes zu beachten.
    2. Im Bereich der Lehre (u. a. bei Vorlesungen, Seminaren, Praktika) ist insbesondere die Einhaltung der Regelungen zum Mindestabstand bei Standardformaten (Präsenzveranstaltungen) durch geeignete Maßnahmen umzusetzen. Für eine sichere Durchführung von Präsenzveranstaltungen muss nicht nur die Veranstaltung selbst, sondern auch die damit verbundenen Wege, die Verpflegung in den Mensen und Cafeterien sowie die Benutzung von sanitären Einrichtungen betrachtet werden. Hier empfiehlt das Sachgebiet, soweit wie möglich auch Präsenzveranstaltungen durch alternative, digitale Formate zu ersetzen. Es ist denkbar, dass Prüfungen und Klausuren in ausreichend großen Räumen unter Einhaltung der Abstandsregeln und Hygienestandards ebenso durchgeführt werden können wie praktische Lehrveranstaltungen in entsprechend kleinen Gruppen in ausreichend großen Räumen, insbesondere dann, wenn diese über eine technische Lüftung verfügen.

    Für Forschungseinrichtungen gelten die unter Punkt 1 genannten Hinweise analog.

Als praktische Handlungshilfe für die Hochschulleitungen sowie die weiteren verantwortlichen Personen in Forschung, Lehre und Verwaltung haben Expertinnen und Experten aus dem Verein zur Pflege und Weiterentwicklung des Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutzmanagements e. V. (AGUM e.V.) gemeinsam mit dem Sachgebiet Hochschulen, Forschungseinrichtungen der DGUV die Muster-Gefährdungsbeurteilung für den Schutz gegen die Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 in Hochschulen entwickelt:

Sie dient als Grundlage und muss auf die hochschul- bzw. standortspezifischen Bedingungen angepasst werden. Die für die Anpassung und Umsetzung notwendige fachkundige Beratung soll durch die Fachkräfte für Arbeitssicherheit und die Betriebsärztinnen und Betriebsärzte vor Ort erfolgen.