• Annika Zeyen und Gesche Schünemann

"Wir können alles zusammen machen"

Interview mit Annika Zeyen und Gesche Schünemann von den BG Baskets Hamburg

Annika Zeyen und Gesche Schünemann sind Vollblut-Basketballerinnen. Sie spielen im Team der BG Baskets Hamburg und haben mit der deutschen Nationalmannschaft 2012 bei den Paralympics in London die Goldmedaille gewonnen. Auch beim "Tag ohne Grenzen" werden die beiden auf Korbjagd gehen.

Frau Zeyen, Frau Schünemann, jeden Tag Training, ständig unterwegs - was reizt Sie am Leistungssport?

Zeyen: Ich habe schon in mehr als 300 Länderspielen gespielt. Ichgenieße es, an meine Grenzen zu gehen und das Maximale aus mir heraus zu holen. Es ist ein tolles Gefühl, international gegen die Besten zu spielen. Aber natürlich gibt es auch Nachteile: Ich habe wenig Freizeit, muss zum Beispiel meinen Urlaub für die Vorbereitung in der Nationalmannschaft aufwenden. Es ist ein schnelles, spannendes, volles Leben.

Schünemann: Zu den Vorteilen gehört für mich auch, dass man viele Freunde findet und rumkommt auf der Welt. Ich war schon drei Mal in Australien mit der Nationalmannschaft. Wer weiß, ob ich das ohne den Sport erlebt hätte.

Zeyen: Man darf auch nicht vergessen, dass man im Mannschaftssport unglaublich viel lernt – auch für das Leben nach dem Leistungssport: Teamfähigkeit, Disziplin, Organisation.

Frau Schünemann, Sie sind eine der Fußgängerinnen in der Mannschaft. Das ist im Rollstuhlbasketball möglich. Gelebte Inklusion, sozusagen. Wie sind Sie dazu gekommen?

Schünemann: Das werde ich immer wieder gefragt. Ich hatte eine Knieverletzung und konnte damit nicht mehr in einer Fußgänger-Mannschaft Basketball spielen. Ich habe dann Rollstuhl-Basketball ausprobiert und es hat mir einfach Spaß gemacht. Am Anfang war die Umstellung eine echte Herausforderung. Im Rollstuhlbasketball macht man alles mit der Kraft von Oberkörper und Armen und trotzdem muss man für den Wurf eine ruhige Hand haben. Die Koordination zu lernen, ist nicht einfach.

Trotzdem ist Rollstuhl-Basketball Ihr Sport geworden.

Schünemann: Auf jeden Fall. Und ich bin sehr froh über die Erfahrungen, die ich in der Mannschaft machen kann. Für mich ist der Umgang mit Behinderung Alltag geworden. Wir können einfach alles zusammen machen. Mit Annika war ich neulich sogar in einem „Dialog im Dunklen“. Das ist ein Raum ohne Licht, der Blindheit simuliert. Erst wollten sie uns gar nicht reinlassen, weil Annikas Rollstuhl keine Schiebegriffe hat.

Zeyen: Ich will mich aber nicht schieben lassen. Ich wollte alleine dadurch fahren. Wir haben sie dann überzeugt und es gemeinsam gemeistert. Gesche hat mit den Händen gefühlt, wie der Untergrund ist und mir dann gesagt, wo ich aufpassen muss. Dazu braucht man natürlich Vertrauen.

Beim "Tag ohne Grenzen" werden Sie vor einem Publikum spielen, das vielleicht noch nie ein Rollstuhlbasketball-Spiel gesehen hat. Ist das eine besondere Herausforderung?

Schünemann: Das ist super. Wir haben auch schon vor dem Brandenburger Tor gespielt. Es sind so viele Leute stehen geblieben und waren wirklich begeistert.

Zeyen: Viele können sich gar nicht vorstellen, wie actionreich dieser Sport ist. Aber wenn sie ein Spiel sehen, dann erleben sie die Stimmung direkt mit: die Schnelligkeit, das Krachen unserer Rollstühle, die Leidenschaft der Spielerinnen und Spieler. Mit dem Sport fällt es leichter, Berührungsängste abzubauen.


Probetraining

Annika Zeyen und Gesche Schünemann zeigen eine Trainingsuebung. Foto: MSSP - Michael Schwartz Sportphoto

Gesche Schünemann

Gesche Schünemann erwischt den Ball vor dem Aus (BG Baskets Hamburg - Jena Caputs). Foto: MSSP - Michael Schwartz
Sportphoto

Annika Zeyen

Annika Zeyen, Nationalspielerin, 4-fache Deutsche Meisterin und Pokalsiegerin, 2-fache Champions League-Siegerin, 5-fache Europameisterin, Paralympics-
Gold 2012. Foto: MSSP -
Michael Schwartz Sportphoto

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Korbwurf

Gesche Schünemann wirft zum Korb (BG Baskets Hamburg - RSV Lahn-Dill). Foto: MSSP-Michael Schwartz Sportphoto

Gesche Schünemann

Gesche Schünemann, Nationalspielerin, gewann bei den Paralympics Silber (2008) und Gold (2012), Deutsche Meisterin und Pokalsiegerin. Foto: MSSP-Michael Schwartz Sportphoto

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