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Ansprechpartnerin
Institut für Arbeit und Gesundheit der DGUV (IAG)
Abteilung Internationale Kooperation
Telefon: 0351 457-1124
Migration und Arbeitsschutz
Deutschland hat 82 Millionen Einwohner, von denen mehr als 15 Millionen einen so genannten Migrationshintergrund haben. Die meisten mit Migrationshintergrund in Deutschland lebenden Menschen kommen aus der Türkei (ca. 14 %) und der Russischen Föderation (8,4%), gefolgt von Polen (6,9%), Italien (4,1%) und Serbien und Montenegro (3,4%).Ein erhöhter Anteil von Arbeitnehmern mit Migrationshintergrund findet sich vor allem im Dienstleistungssektor mit den Bereichen Hauswirtschaft, Pflege und Gesundheitswesen, im Hotel- und Gaststättengewerbe, im Bau- und Transportbereich sowie in der verarbeitenden Industrie.
Was bedeutet dies für den Arbeits- und Gesundheitsschutz?
Beschäftigte mit Migrationshintergrund, die in der IT- Branche oder in der Hightech-Industrie arbeiten, verfügen über eine hohe berufliche Qualifikation, arbeiten in risikoarmen Umgebungen und unterscheiden sich im Hinblick auf gesundheits- und sicherheitsbezogene Indikatoren nicht von nationalen Arbeitnehmern. Eine im Auftrag der MMBG, StBG, BG-Bau, VBG und der Unfallkasse NRW von der DGUV durchgeführte Studie hat jedoch gezeigt, dass besondere Präventionsmaßnahmen für Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund nötig sind, die über nur geringe Deutschkenntnisse und berufliche Qualifikationen verfügen. Denn gerade sie sind häufig in risikoreicheren Branchen und an Arbeitsplätzen beschäftigt, wo mangelnde Sprachkenntnisse und geringe Qualifikationen - eventuell noch verbunden mit kulturellen Unterschieden im Sicherheitsverhalten - zu einer besonderen Gefährdung führen können.Auch im Bereich der Klein- und Kleinstbetriebe ist Migration und Arbeitsschutz ein Thema: 23,1% der türkischen Betriebe in Deutschland entfallen auf das Gastgewerbe, die vorwiegend als Kleinstbetriebe organisiert sind. Die BGN führte eine Studie durch, bei der türkische und deutsche Kleinunternehmer verglichen wurden. Auffällig war die fachlich geringere Qualifikation türkischer Gastronomen sowie das Fehlen von geregelten Arbeits- und Freizeitstrukturen. Aufgrund der Ergebnisse führt die BGN ihre Qualifikationsmaßnahmen für türkische Gastronomen nun auch mit sprachlicher Assistenz durch.
Das Institut für Arbeit und Gesundheit bietet Seminare für Aufsichtspersonen und Fach- und Führungskräfte zur Beratungskompetenz in ausländisch geführten Unternehmen und zur Unterweisung von Beschäftigten mit Migrationshintergrund an.
Ansätze für die Prävention:
Für die Prävention im Bereich Migration bieten sich beispielhaft folgende Ansätze an:
Arbeitsumfeld:
- Einsatz und Gestaltung von mehrsprachigen und/oder bildgestützten Anweisungen und Hinweisschildern
Im Bereich Information und Qualifikation:
- Bei der Personalauswahl auf die Sprachkompetenz des Bewerbers achten – fehlen Kenntnisse der deutschen Sprache, so sollten bereits zu Beginn der Tätigkeit im Unternehmen Maßnahmen vereinbart werden, um die Defizite zu beseitigen.
- Den Unterweisungserfolg sicher stellen und kontrollieren, dass Unterweisungsinhalte auch tatsächlich verstanden worden sind. Eventuell mehrsprachiges Unterweisungsmaterial bzw. nichtsprachliches Unterweisungsmaterial verwenden (z. B. Napo-Filme).
- Besuch von Seminaren zum Umgang mit /Unterweisung von Beschäftigten mit Migrationshintergrund und zu interkulturellen Kompetenzen
- Eventuell muttersprachliche bei Qualifizierungmaßnahmen anbieten
Auf übergreifender Ebene:
- Schaffung länderübergreifender Standards und Export von Sicherheitsstandards
- Entwicklung einer globalen Präventionskultur, die die Unterschiede in den Präventionskulturen verschiedener Länder langfristig harmonisiert
Ausblick:
Die EU erwartet in den nächsten Jahrzehnten eine Netto-Immigration von bis zu 40 Millionen Menschen aus Drittländern.
In der Folge sind in den nächsten Jahren weiterführende Konzepte zum Umgang mit Migration und kultureller Vielfalt am
Arbeitsplatz zu entwickeln.
Projekte
Forschungsprojekt der DGUV/MMBG/StBG, Bau BG, VBG, Unfallkasse NRW: Auswirkung der Migration auf die
Präventionsdienstleistungen der UVten
Weiterführende Literatur:
Ringeisen, T. & Boege, K. (2009): Interkulturalität im Arbeitsalltag - Ansätze zum Arbeits- und Gesundheitsschutz. In: Zeitschrift Wirtschaftspsychologie aktuell 3/2009
Ringeisen, T. & Boege, K. (2008): Umgang mit Interkulturalität: Eine aktuelle Herausforderung im Arbeits- und Gesundheitsschutz. In B. Ludborzs & H. Nold (Hrsg.), Psychologie der Sicherheit und Gesundheit: Entwicklungen und Visionen 1980 – 2020, Kröning
Boege, K. & Manz, R. (2007): Traumatische Ereignisse in einer globalisierten Welt, Kröning, Asanger
Verlag
Esin Taşkan-Karamürsel, Ingela Jöns & Barbara Schlote-Sautter (2007): Belastungen und Ressourcen bei türkischen und deutschen
Kleinunternehmern
Taşkan, E. (2005): Gesundheitsförderung in Kleingaststätten - Ein interkultureller Vergleich türkischer und deutscher Unternehmer. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Universität Mannheim.

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