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Drucker bei der Walzenreinigung
Weitere Informationen
BG Druck und
Papierverarbeitung
Dr. Bernhard Küter
Verminderung der Lösemittelemissionen im Offsetdruck
Ausgangslage
Bis in die 90er Jahre wurden zum Entfernen von Farb- und Papierresten aus Offsetdruckmaschinen überwiegend leicht
flüchtige organische Lösemittel mit einem Flammpunkt unter 21 Grad C benutzt. Diese verdunsteten nahezu vollständig und
belasteten so Atemwege und Haut der Druckereiarbeiter. Solche Reinigungsmittel stellen aber auch eine nicht zu
unterschätzende Brand- und Explosionsgefahr dar und können beträchtliche Sach- und Personenschäden anrichten.
Präventionsaktivitäten
Der Berufsgenossenschaft Druck und Papierverarbeitung ist es gelungen, zur Verbesserung der Situation, Arbeitgeber und
Arbeitnehmer aus der Druckindustrie, Hersteller von Druckmaschinen und Peripheriegeräten, Produzenten von Druckfarben,
Wasch- und Reinigungsmitteln sowie Techniker, Toxikologen und Arbeitsmediziner an einen Tisch zu bringen und eine
gemeinsame Lösung zu finden. Ergebnis war die "Brancheninitiative zur Verminderung von Lösemittelemissionen im
Offsetdruck". Die Beteiligten verständigten sich rasch auf einen knappen Katalog klarer Zielvereinbarungen über
physikalische Eigenschaften von Reinigungsmitteln, deren chemische Zusammensetzung sowie einen sicheren und
wirtschaftlichen Umgang am Arbeitsplatz. Flüchtige Lösemittel mit einem Flammpunkt unterhalb von 55 Grad C sind nun
nicht mehr zulässig (außer in Ausnahmefällen).
Dabei erwies sich die regelmäßige Überprüfung der Kriterien vor dem Hintergrund fortschreitender technologischer und
wissenschaftlicher Entwicklungen als Schlüssel zum anhaltenden Erfolg der Brancheninitiative. Es wurde besonders darauf
geachtet, nur solche Empfehlungen auszusprechen, die auch von den - meist kleinen - Betrieben umgesetzt werden können.
Die Berufsgenossenschaft sorgt für eine größtmögliche Verbreitung der Informationen in Druckereien und Berufsschulen
durch Printmedien, Lehrfilmen, Seminaren und Ausstellungen, vor allem aber durch persönliche Beratung vor Ort.
Ergebnisse und Nutzen
Neue Reinigungsmittel werden in einem spezialisierten Labor auf Werkstoffverträglichkeit getestet. Dabei fallen pro
Produkt Kosten von etwa 5.000 Euro beim Hersteller des Reinigungsmittels an. Die Berufsgenossenschaft überprüft im
Rahmen ihres gesetzlichen Präventionsauftrags unentgeltlich alle Inhaltsstoffe der Reinigungsmittel hinsichtlich
möglicher Gesundheitsgefahren und gibt Ratschläge zum Umweltschutz. Die zulässigen Reinigungsmittel werden in einer
Liste etwa jährlich neu veröffentlicht (BG-Infoblatt Nr. 522).
Seit Einführung der Brancheninitiative ist der Anteil an leicht flüchtigen Reinigungsmitteln im deutschen Offsetdruck
um nahezu 80 Prozent zurückgegangen. Die jetzt bevorzugten Reinigungsmittel mit einem hohen Flamm- und Siedepunkt sind
sparsamer im Verbrauch, da Verdunstungsverluste weit weniger zu Buche schlagen. Dies bedeutet nicht nur einen
entscheidenden Gewinn für den Arbeitsschutz, sondern schont auch die Umwelt - übrigens ganz im Sinne der EU-Richtlinie
zur Verminderung der Emissionen an organischen Kohlenwasserstoffen. Im Vormarsch befinden sich auch pflanzenstämmige
Lösemittel mit besonders günstiger Ökobilanz.
Mit dem Verzicht auf leicht entflammbare Lösemittel (AI u. AII mit Flammpunkt unter 21 Grad bzw. 55 Grad C) erübrigen sich kostenträchtige Sicherheitsvorkehrungen bei der Lagerhaltung und Forderungen nach einem aufwändigen Explosionsschutz für die Maschinen. Die von Deutschlands Industrie im Gefolge der Brancheninitiative verwirklichten Innovationen, in deren Zentrum die feine Abstimmung zwischen Druckmaschine und den dafür geeigneten hoch siedenden Reinigungsmitteln steht, haben sich inzwischen zum Standortvorteil und Exportschlager entwickelt.

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