Symposium Aromatische Amine

Am 27.02.2007 fand in der Berufsgenossenschaftlichen Akademie (BGA) in Hennef ein Symposium zum Thema "Berufskrankheiten durch aromatische Amine" mit ca. 180 Teilnehmern statt. Es wurde vom Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften, insbesondere dem Berufsgenossenschaftlichen Institut für Arbeitsschutz - BGIA und dem Berufsgenossenschaftlichen Forschungsinstitut für Arbeitsmedizin (BGFA), gemeinsam mit der Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie vorbereitet und veranstaltet. Teilgenommen haben Mediziner, Toxikologen, Epidemiologen, Techniker, Chemiker und weitere Naturwissenschaftler, Juristen und Sachbearbeiter aus den Bereichen

  • Unfallversicherungsträger
  • Medizinische Fachgesellschaften (Arbeitsmedizin/Urologie)
  • Gewerbeärzte
  • Sozialpartner
  • Sozialgerichtsbarkeit
  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales
  • Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
  • Rechtsanwälte.
Die Berufskrankheit (BK) 1301 "Schleimhautveränderungen, Krebs oder andere Neubildungen der Harnwege durch aromatische Amine" ist im Rahmen der Berufskrankheiten-Verordnung seit 1936 anerkannt. Erste Beschreibungen über Blasenkrebserkrankungen bei Anilinarbeitern gehen noch rund 40 Jahre weiter zurück. Das Thema Berufskrankheiten durch aromatische Amine ist somit kein neues.

Dennoch gestalten sich Ermittlungen in angezeigten BK-Fällen häufig schwierig, die massiven Expositionen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts kommen aufgrund wirksamer Prävention nicht mehr vor. Kenntnisse über Expositionen sind bei Latenzzeiten von 30 bis 50 Jahren daher in den meisten Fällen nur unzureichend vorhanden. Vor diesem Hintergrund sollte eine Bestandsaufnahme dazu durchgeführt werden, wo aromatische Amine vorkamen und noch vorkommen. Zu klären war, welche Informationsquellen bei der Ermittlung einer Exposition zur Verfügung stehen, wie Einwirkungen qualitativ einzuordnen sind und ob sie quantitativ annähernd abgeschätzt werden können. Hierzu trugen Referenten betroffener Berufsgenossenschaften vor.

In einem weiteren Vortragsblock wurden rechtliche Aspekte aus Sicht der Berufsgenossenschaften und der Sozialgerichte angesprochen. Medizinische Gesichtspunkte wurden von einem Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin und von staatlichen Gewerbeärzten erläutert.

Abschließend stellte das Berufsgenossenschaftliche Forschungsinstitut für Arbeitsmedizin ein Modell für ein Dosismaß als Hilfestellung zur gutachterlichen Beurteilung der BK 1301 vor, mit dem der Boden für einen Vorschlag im Sinne einer Konvention bereitet werden sollte.

Die meisten Referenten haben sich bereit erklärt, Interessenten ihre Beiträge zur Verfügung zu stellen (Anforderungen an Frau Anika Decker,).

Aus Sicht der Veranstalter wäre es vor allem wichtig, die Diskussion in entsprechenden Fachzirkeln aufzugreifen bzw. fortzuführen. Anregungen können auch an Herrn Dr. Tobias Weiß, BGFA () oder Herrn Dr. Norbert Lichtenstein, BGIA gegeben werden.

Die wichtigsten Inhalte der Vorträge sind in zwölf Folien zusammengefasst, die heruntergeladen werden können. Das Dosismodell wurde intensiv und zum Teil kontrovers diskutiert. Eine vertiefte Diskussion in der Fachwelt muss zeigen, ob daraus eine Konvention erwachsen kann, die bei genügender Begründung und Überzeugungskraft auch von der Sozialgerichtsbarkeit begrüßt und akzeptiert würde.

Termin(e):

27. Februar 2007

Veranstaltungsort:

Hennef

Zum Download

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Zusammenfassung (PDF, 135 kB) der wichtigsten Inhalte

Programm des Symposiums

Begrüßung und Einführung
Ass. jur. Thomas Köhler, BG Chemie
Prof. Dr. Helmut Blome, BGIA

Physikalisch-chemische Informationen und Messverfahren für aromatische Amine und Azofarbstoffe
Dr. Norbert Lichtenstein, BGIA

Einstufungen aromatischer Amine und Vorläufersubstanzen
Dr. Wolfgang Pflaumbaum, BGIA
Dr. Tobias Weiß, BGFA

Vorkommen aromatischer Amine und Umfang der Exposition (Vergangenheit und Gegenwart)

Teer, Pech, Bitumen
Dr. Peter Kredel, BG Chemie

Vergleichende Betrachtung der Exposition gegenüber aromatischen Aminen in der Farbenindustrie und in der Gummiindustrie
Dr. Harald Erhard, BG Chemie
Dr. Günter Klesper, BG Chemie

Metallbereich, Gießereien, Rissprüfmittel, Kfz-Arbeitsplätze, Schweißen von beschichtetem Material (PU u. a.)
Dr. Uwe Pucknat, MMBG

Friseurchemikalien
Dr. Udo Eickmann, BGW

Bauindustrie, Dachdecker, Bautenschutz, Straßenbau, Parkettleger, Maler, Härter für Epoxidharze
Dr. Gerhard Lindner, BG BAU

Schreiner/Tischler, Azofarbstoffe
Dr. Johannes Schulze, Holz-BG

Azofarbstoffe
Dr. Heiko U. Käfferlein, BGFA

Hintergrundbelastung
Dr. Tobias Weiß, BGFA

Berufskrankheiten durch aromatische Amine - rechtliche Aspekte

BK-Statistiken "Aromatische Amine"
Edith Kamrad, HVBG

Fragen und Probleme aus der Verwaltungspraxis
Klaus Münch, BG Chemie

Rechtsprechung und Beweisfragen aus Sicht eines Sozialrichters
Horst-Dieter Eidel, Richter

Diskussionsbeitrag der DGAUM
Dr. Michael Nasterlack, BASF AG

Stellungnahme aus Sicht staatlicher Gewerbeärzte

Mindestanforderungen an eine retrospektive Expositionsabschätzung
Dr. Heino Slupinski, Staatliches Gewerbeaufsichtsamt Hannover

Gewerbeärztliche Erfahrungen mit der Begutachtung der Berufskrankheit 1301
Prof. Dr. Ulrich Bolm-Audorff

Risikomodell für aromatische Amine
Prof. Dr. Thomas Brüning, BGFA
Dr. Tobias Weiß, BGFA

Stand der Erkenntnisse und Vorschlag für die Praxis
Ass. jur. Reinhard Holtstraeter, BG Chemie