Nutzung von einem oder zwei Bildschirmen an Büroarbeitsplätzen – Auswirkungen auf physiologische Parameter und Leistung (IFA Report 5/2016)

Screenshot des Reports

Titelseite des IFA Reports 5/2016

Kurzfassung:

Der klassische Bildschirmarbeitsplatz mit einem 19"-Einzelbildschirm wird zunehmend durch Multibildschirm-Arbeitsplätze ersetzt, deren mögliche gesundheitliche Auswirkungen bisher wenig untersucht sind. Aus diesem Grund beauftragte die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) mit der Durchführung einer Laborstudie. Dabei wurde ein klassischer 22"-Einzelbildschirm-Arbeitsplatz mit zwei Varianten eines Doppelbildschirm-Arbeitsplatzes (jeweils 22", Ausrichtung waagerecht-waagerecht bzw. waagerecht-senkrecht) verglichen. Ziel der Untersuchungen war es, Hinweise auf mögliche Gefährdungen zu finden und daraus eventuell notwendige Erweiterungen bestehender Präventionsempfehlungen abzuleiten.

Die vergleichende Querschnittstudie umfasste Versuche mit zehn Versuchspersonen (fünf männlich, fünf weiblich) und drei standardisierten Bildschirmtätigkeiten (Text abschreiben, Text vergleichen, Daten sortieren). Zur Ermittlung physiologischer Parameter wurden Körperhaltung, -bewegung und -position, muskuläre Aktivität im Schulter-/Nackenbereich, Lidschlussfrequenz, Sehschärfe, Bildschirmabstand sowie das subjektive Empfinden der Versuchspersonen mithilfe verschiedener Messmethoden erfasst. Ergänzend fanden Untersuchungen zur qualitativen und quantitativen Leistung statt.

Im Ergebnis zeigten sich bei den Rumpfbewegungen nur gering ausgeprägte und nicht signifikant unterschiedliche Aktivitäten für alle untersuchten Konstellationen. Der Großteil der Bewegungen erfolgte je nach Bildschirmkonstellation mit dem Kopf (Rotation und Inklination) oder den Augen. Drehbewegungen des Bürostuhls gab es jeweils nur in sehr geringem Umfang. Im Gegensatz dazu zeigte sich eine signifikante Veränderung der Muskelaktivität im Schulter-/Nackenbereich in Abhängigkeit vom Aufgabentyp, nicht aber von der Bildschirmkonstellation. Die Lidschlussfrequenz schien deutlicher durch den Aufgabentyp als durch die verwendete Bildschirmkonstellation beeinflusst zu sein: Bei der Arbeit mit den Doppelbildschirmen war eine geringe Zunahme der Lidschlussrate gegenüber dem Einzelbildschirm zu beobachten. Eine Veränderung der Sehschärfe im Prä/Post-Versuch war mit den eingesetzten Methoden nicht nachzuweisen, ebenso wenig ein Zusammenhang zwischen dem eingenommenen Bildschirmabstand und der Bildschirmkonstellation. Die Versuchspersonen bevorzugten mehrheitlich zwei waagerecht aufgestellte Bildschirme. Die jeweils erbrachte Leistung zeigte qualitativ und quantitativ teilweise signifikante Unterschiede zugunsten der Doppelbildschirm-Varianten.

Insgesamt sprechen die in dieser Studie erzielten Leistungen und die Präferenzen der Versuchspersonen für die Verwendung einer Doppelbildschirm-Variante. Die Ergebnisse der messtechnischen Untersuchungen ergaben keine signifikanten Hinweise auf physiologisch limitierend wirkende Faktoren an den untersuchten Bildschirmarbeitsplätzen.

Eine grundlegende Erweiterung der bestehenden Präventionsempfehlungen zur Bildschirmnutzung an Büroarbeitsplätzen erscheint auf der Grundlage dieser Studienergebnisse nicht notwendig.

Brütting, M.; Ditchen, D.; Ellegast, R.; Petersen, J.; Schäfer, P.: Nutzung von einem oder zwei Bildschirmen an Büroarbeitsplätzen – Auswirkungen auf physiologische Parameter und Leistung (IFA Report 5/2016). Hrsg.: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V. (DGUV), Berlin 2016
ISBN: 978-3-86423-170-4
ISSN: 2190-7994