Erfassung arbeitsbedingter Kniebelastungen in ausgewählten Berufen (IFA Report 2/2012)

Umschlagseite

Titelseite des IFA Reports 2/2012

Kurzfassung: Berufliche Belastungen durch Tätigkeiten im Knien oder Hocken zählen zu den Risikofaktoren für Verletzungen und Erkrankungen der Kniegelenke wie Meniskopathien oder Arthrosen. Da der Kenntnisstand zu Art, Vorkommen und Häufigkeit von Kniebelastungen in einzelnen Berufen als gering einzustufen ist, war es ein Ziel dieser Arbeit, neue Erkenntnisse zur Qualität und Quantität beruflicher Kniebelastungen zu gewinnen. Zu diesem Zweck wurden in Kooperation mit den zuständigen Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung messtechnische Untersuchungen an verschiedenen Arbeitsplätzen durchgeführt (Studienteil A). Da es z. B. in wissenschaftlichen Studien oder Berufskrankheiten-Feststellungsverfahren eine übliche Methode ist, Probanden bzw. Versicherte per Fragebogen ihre Kniebelastung selbst einschätzen zu lassen, sollte in einem zweiten Studienteil B der Frage nachgegangen werden, wie valide solche Eigenangaben sind.

Zur Analyse der Körperhaltungen in Studienteil A wurde das Messsystem CUELA des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) eingesetzt. Im Praxis-Einsatz konnten insgesamt 242 Arbeitsschichten untersucht und entsprechende Kniebelastungsprofile erstellt werden. Die auf diese Weise erhobenen Daten zur quantitativen Kniebelastung bildeten die Basis für die Entwicklung des Katasters GonKatast. Dieses umfasst Expositionsdaten zu 81 typischen Tätigkeiten (60 Tätigkeitsmodule und 21 Sonderfälle) aus 16 verschiedenen Berufen.

Für die arbeitstägliche Dauer der Belastungen hat sich gezeigt, dass Zeitanteile von über 50 % einer Arbeitsschicht bei Berufen wie Fliesenleger oder Installateur durchaus keine Seltenheit sind. Gleichzeitig war eine erhebliche Variation der täglichen Kniebelastungszeiten innerhalb der einzelnen Berufe zu beobachten, sodass die Kniebelastung nicht berufsspezifisch, sondern tätigkeitsbezogen zu erheben und einzustufen ist.

Der Einsatz einer aufwendigen Messtechnik in dieser Studie erlaubte erstmals die Untersuchung der Anzahl der täglichen Kniebelastungsphasen und ihrer jeweiligen Dauer in verschiedenen Berufen, der beim Knien, Hocken oder Kriechen eingenommenen Kniewinkelbereiche sowie der Symmetrie der Belastungen bezüglich beider Kniegelenke.

Der in Studienteil B durchgeführte Vergleich der gemessenen mit der von den Probanden selbst geschätzten Kniebelastungsdauer ergab große Unterschiede zwischen beiden Methoden. Demnach waren die Probanden nicht in der Lage, die Dauer ihrer Kniebelastung valide einzuschätzen – sowohl direkt im Anschluss an die Messung als auch sechs Monate später. In der Regel wurde die Belastungsdauer überschätzt, aber auch Unterschätzungen traten in nicht zu vernachlässigendem Umfang auf. Niedrig Exponierte konnten ihre Belastung üblicherweise besser abschätzen als hoch Exponierte. Generell ist zu berücksichtigen, dass alle Probandenangaben ohne Plausibilitätskontrolle in die Auswertung eingingen.

Die Ergebnisse der Arbeit sprechen dafür, aufgrund der Limitationen von Selbsteinschätzungen in zukünftigen Studien verstärkt auch Katasterdaten zur Expositionsermittlung zu nutzen. Die messtechnischen Analysen der Kniebelastungen können einen Beitrag zum Verständnis der Pathomechanismen von Kniegelenkserkrankungen leisten.


Druckfassung

über die Publikationsdatenbank

bestellen

Ditchen, D.: Erfassung arbeitsbedingter Kniebelastungen an ausgewählten Arbeitsplätzen (IFA Report 2/2012).
Hrsg.: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), Berlin 2012.
ISBN: 978-3-86423-033-2