Ermittlung der Belastung des Muskel-Skelett-Systems bei Verladetätigkeiten am Flughafen (IFA-Report 4/2011)

Titelseite

Titelseite des IFA-Reports 4/2011

Kurzfassung:
Mitarbeiter im Gepäck- und Ladeservice an Flughäfen sind hohen Belastungen durch das Verladen und Umsetzen von Gepäckstücken ausgesetzt. Die große Anzahl und das Gewicht der Gepäckstücke, die an Verkehrsflughäfenmanuell zu bewegen sind, können zu Rückenbeschwerden führen. Darüber hinaus wird der Ladeservice in Standardrumpfflugzeugen kriechend, kniend oder liegend im Laderaum unter dem Passagierdeck ausgeführt. Neben dem Rücken sind daher auch die Kniegelenke hoch belastet. Vor diesem Hintergrund wurden im Projekt TAQP – Technologieinnovation, Arbeitsorganisation, Qualifizierung, Prävention – Systematisches Handlungskonzept für Produktivität und Gesundheit – im Flughafenbetrieb zwei Assistenzsysteme eingeführt, um die Mitarbeiter bei der Arbeit unterstützen.

Bei diesen Systemen handelt es sich zum einen um eine Vakuumhebehilfe. Diese unterstützt die Gepäckabfertiger beim Entladen der Gepäckwagen oder der Container in der zentralen Gepäckverteilung (Transferzentrale). Zum anderen wurde ein Rollbettförderband untersucht, das eine Erweiterung der auf dem Flughafenvorfeld eingesetzten Förderbandwagen ist und das man in den Laderaum der Flugzeuge einführen kann. Die Gepäckstücke werden mit diesem System bis zur Verladeposition im Flugzeug transportiert und dort mit einem Ladetisch auf Verladehöhe angehoben. Das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) untersuchte die Systeme im Praxiseinsatz unter den Aspekten Belastungsreduzierung, Handhabbarkeit und Einfluss auf die Arbeitszeit. Zur Quantifizierung der Ergebnisse wurden bei jedem untersuchten Mitarbeiter die Belastungen in konventioneller Arbeitsweise und mit technischer Unterstützung gemessen. Die Messungen erfolgten mit dem im IFA entwickelten personengebundenen Messsystem CUELA. Sie fanden imZeitraum von März bis April 2009 am Frankfurter Flughafen statt.

Es konnte nachgewiesen werden, dass die untersuchten Systeme die Belastungen der Ladearbeiter wirksam reduzieren. Insbesondere die Vakuumhebehilfe bietet eine Entlastung bei der Handhabung der Gepäckstücke von bis zu 90 % bei maximaler Flexibilität in der Arbeitsprozessgestaltung. Die Systeme hatten keinen nennenswerten Einfluss auf die Körperhaltung der Ladearbeiter. Die Umschlagzeiten pro Gepäckstück sind geringfügig gestiegen, wobei sich allerdings auch keine nachteiligen Auswirkungen auf den betrieblichen Ablauf ergeben.


Mehr zum Projekt TAQP

TAQP – Technologieinnovation, Arbeitsorganisation, Qualifizierung, Prävention – Systematisches Handlungskonzept für Produktivität und Gesundheit

Bibliografische Angaben

Böser, C.; Ellegast, R.P.; Post, M.: Ermittlung der Belastung des
Muskel-Skelett-Systems bei Verladetätigkeiten am Flughafen (IFA-Report 4/2011).
Hrsg.: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), Berlin 2011.
ISBN: 978-3-86423-021-9