TRGS 512 "Begasungen"

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Die Technische Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 512 "Begasungen" konkretisiert die Vorschriften zur Begasung in Anhang I Nr. 4 der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV). Diese Vorschriften betreffen sowohl die für den Export in Deutschland von hiesigen Fachunternehmen begasten Frachtcontainer (in TRGS 512 auch als Transporteinheiten bezeichnet) als auch solche, die im Exportland begast und meist über die Häfen in Deutschland importiert werden. Viele der in Frachtcontainern weltweit transportierten Waren werden samt Paletten und Verpackungen im Herkunftsland mit hochtoxischen Mitteln wie Methylbromid, Phosphorwasserstoff oder Sulfuryldifluorid, seltener mit Formaldehyd oder Cyanwasserstoff (Blausäure) begast. Dieser Abschnitt befasst sich mit Frachtcontainern, mit denen Waren aus dem nichteuropäischen Ausland in die Bundesrepublik Deutschland importiert werden.

Das von einem begasten Frachtcontainer oder seinem Ladungsinhalt möglicherweise ausgehende Gefährdungspotenzial ist grundsätzlich vor dessen Öffnung zu ermitteln. Erste Hinweise auf toxische Gefahren durch Begasungsmittelreste können sich aus der Kennzeichnung einer Ladungseinheit oder den Ladungspapieren ergeben. Darüber hinaus können Ausdünstungen anderer Gefahrstoffe aus dem Ladungsinhalt zusätzlich zu gesundheitlichen Gefährdungen bei Tätigkeiten an und in den Frachtcontainern führen. Auch wenn diese Stoffe von den restriktiven Regelungen des Anhanges I Nr. 4 der GefStoffV nicht erfasst werden, fallen mögliche stoffliche Belastungen von Beschäftigten bei ihren Tätigkeiten in und an Frachtcontainern unter die allgemeinen Bestimmungen der GefStoffV. Die TRGS 512 "Begasungen" enthält deshalb auch hierzu Hinweise im Kapitel 5.4.3.2.

Nach internationalem Recht sind Frachtcontainer zu kennzeichnen, wenn sie begast sind. In der Praxis ist die Kennzeichnung leider häufig unleserlich, beschädigt oder sie fehlt ganz. Als Informationsquelle für eine Gefährdungsbeurteilung ist sie damit nicht immer eindeutig. Die TRGS 512 unterscheidet deshalb zwischen Frachtcontainern, die mit hoher Wahrscheinlichkeit begast sind, und solchen, bei denen eine Begasung nicht auszuschließen ist. Somit ergeben sich zwei Vorgehensweisen:

Öffnen begaster Transporteinheiten (TRGS 512 Nr. 5.4.3.1 Abs. 1)

Beim Vorliegen eines der folgenden Merkmale ist von einer begasten Transporteinheit auszugehen:

  • Kennzeichnung der Transporteinheit als begast nach gefahrgutrechtlichen Vorschriften (Kennzeichnung gut lesbar und nicht älter als 3 Monate)
  • Kennzeichnung der Transporteinheit nach gefahrgutrechtlichen Vorschriften als begast und belüftet (Aufschrift "Danger, ventilated on ….")
  • einschlägige Angaben oder Hinweise in den Lade- und Frachtpapieren wie z. B. UN-Nr. 3359 in Kombination mit IMDG-Code 9 "Fumigation"
  • Messung eines Begasungsmittels nach Einführung einer Messlanze in die ungeöffnete Transporteinheit durch Türdichtungen oder Lüftungsschlitze.
Importierte Frachtcontainer, die als begast identifiziert sind, sollten von einer für Begasungen ausgebildeten sachkundigen Person geöffnet werden. Zumindest sollte sie einen Sachkundelehrgang nach Anlage 1c der TRGS 512 erfolgreich absolviert haben. Steht eine sachkundige Person nicht zur Verfügung, darf eine Öffnung nur und ausnahmsweise unter Aufsicht einer fachkundigen Person erfolgen. Dies muss in der Gefährdungsbeurteilung dokumentiert sein. Insbesondere gilt dies für die Freigabe zum Weitertransport, für Inspektionen des Transportgutes oder der vollständigen Entladung.

Öffnen potenziell begaster Transporteinheiten (TRGS 512 Nr. 5.4.3.1 Abs. 2)

Die nachfolgend aufgeführten Merkmale sind als Hinweise darauf zu werten, dass eine Transporteinheit mit großer Wahrscheinlichkeit mit hochtoxischen Begasungsmitteln behandelt wurde:

  • Kennzeichnung der Transporteinheit als begast nach gefahrgutrechtlichen Vorschriften unvollständig entfernt, nicht lesbar oder anderweitig unklar
  • Lüftungsschlitze der Transporteinheit verklebt oder verschlossen
  • Frachtgut laut Lade- bzw. Frachtpapieren auf Holzpaletten oder in Holzverpackungen gepackt bzw. verstaut
  • Ergebnis von Messungen unspezifisch oder
  • sonstige Verdachtsmomente.

Neben Begasungsmitteln können sich während des Transports im Innenraum des Frachtcontainers auch andere gesundheitsgefährliche chemische Stoffe infolge von Produktausdünstungen dampf- bzw. gasförmig anreichern, z. B. Lösemittel und Monomere aus Kunststoffprodukten (Styrol, Butadien, Ammoniak, Xylol, Benzol u.a.m.) oder chemische Stoffe aus Reaktionen.

Anmerkung: In Anhang 4 Tabelle 1 der TRGS 512 sind die weltweit häufigsten Begasungsmittel aufgeführt, Tabelle 2 enthält eine Liste der am häufigsten in Import-Frachtcontainern vorzufindenden gasförmigen Industriechemikalien, die aus Waren ausdunsten.

Rechtstexte

Weitere Informationen zu begasten Containern