Lüftung gefahrstoffbelasteter Frachtcontainer

kommt noch

Bild 1: Schweißrauchabsaugung
Bild: Aus DGUV Information 209-077 (bisher: BGI/GUV-I 7006-1, Hrsg.: DGUV)

Oldtimer in geöffnetem Container

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Bild 2: Stauung mit großem Freiraum - leicht zu lüften
Bild: Holger Riemann, Hauptzollamt Hamburg-Hafen

Person bei Entladung von dicht gestauten Paketen aus einem Frachtcontainer

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Bild 3: Dichte Stauung ohne Freiraum - schwer zu lüften
Bild: Holger Riemann, Hauptzollamt Hamburg-Hafen

Minimal geöffnete Containertürist mit Lüftungskeil und zwei Schlauchleitungen

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Bild 4: Technische Lüftung eines Frachtcontainers
Bild: Hans-Peter Fröhlich, Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik, Mannheim

Beschäftigter beim Entladen eines Frachtcontainers an der hinteren Rückwand und bis zur Rückwand reichende Frischluftleitung

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Bild 5: Entladung einer Wechselbrücke unter Frischluftzufuhr mittels Luftleitung (Lutte)
Bild: Hans-Peter Fröhlich, Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik, Mannheim

Bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen ist die primäre technische Schutzmaßnahme die Schadstoffbeseitigung durch lokale Absaugung an der Entstehungsstelle; sie verhindert die Ausbreitung von Gefahrstoffen in der Raumluft. Eine typische Anwendung ist die Absaugung mit nachführbarem Trichter an Schweißerarbeitsplätzen (s. Bild 1). Bei Frachtcontainern mit einer auf den gesamten Luftraum verteilten Gefahrstoffbelastung ist eine lokale Absaugung jedoch nicht wirksam. Um die Gefahrstoffkonzentration in Frachtcontainern zu minimieren und damit einen optimalen Schutz der Beschäftigten zu gewährleisten, ist daher eine Belüftung notwendig. Dazu kann es genügen, nach Öffnen der Containertüren ausreichend lange natürlich zu lüften. Reicht eine natürliche Lüftung nicht aus, um in angemessener Zeit die Konzentrationen auf ungefährliche Werte abzusenken, müssen weitergehende Maßnahmen ergriffen werden. Vorzugsweise kommen dann unterschiedlichste technische Lüftungsverfahren zum Einsatz. Reichen auch technische Lüftungsmaßnahmen nicht aus, müssen persönliche Schutzmaßnahmen (Atemschutz) eingesetzt werden.

Vorgaben aus der TRGS 512

In der Technischen Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 512 "Begasungen" wird die Lüftung des Frachtcontainers als Maßnahme genannt, um die Belastung – insbesondere durch Begasungsmittel – zu reduzieren. Bei der Festlegung von Art der Lüftung und Belüftungsdauer durch eine sachkundige Person sind maßgebliche Einflussfaktoren wie die meteorologischen und räumlichen Umgebungsbedingungen, physikalischen und chemischen Eigenschaften des Begasungsmittels, das Adsorptions- und Desorptionsverhalten des Ladegutes, die Packungsart und -dichte in der Transporteinheit und in Einzelfällen gegebenenfalls weitere Faktoren zu berücksichtigen. In der Regel ist davon auszugehen, dass die Lüftung von Frachtcontainern natürlich durch Öffnen der Containertüren erfolgt.

Begaste Frachtcontainer sind so lange zu belüften, bis die Schadstoffkonzentrationen unterhalb der Beurteilungsmaßstäbe nach Tabelle 1 liegen. Dies ist durch Messungen zu belegen und Voraussetzung für die Freigabe (einschließlich der Freigabebescheinigung) zur Entladung. Insofern enthält die TRGS 512 auch keine allgemeingültigen Vorgaben zur Art und zur Dauer der Lüftung.

Für mit Industriechemikalien belastete Frachtcontainer ist keine Freigabebescheinigung erforderlich. Trotzdem sind auch diese Frachtcontainer so lange zu belüften, bis ein Betreten und Entladen ohne Gefährdung möglich ist. Zur Beurteilung der Belastung eines Frachtcontainers mit Gefahrstoffen sind die in Tabelle 2 genannten Beurteilungsmaßstäbe heranzuziehen.

Natürliche Lüftung

Lüftungsuntersuchungen des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) und der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW) zeigten, dass natürliche Lüftung (Öffnen der Containertüren) die im Frachtcontainer vorliegenden Schadstoffkonzentrationen insbesondere bei dicht gepackter Ware (s. Bild 3) nicht in einem für den Betriebsablauf hinreichend kurzen Zeitraum verringert. Die Versuchsergebnisse belegen, dass bei vergleichsweise dichter Stauung im mittleren und hinteren Bereich des Frachtcontainers lediglich ein Luftwechsel von n = 0,2 h-1 vorliegt (Ein Luftwechsel von n = 1 h-1 bedeutet, dass die Raumluft einmal pro Stunde ausgetauscht wird.). Die erforderliche Lüftungsdauer kann in diesen Fällen mehrere Stunden bis hin zu mehreren Tagen betragen.

Begaste Frachtcontainer, die nach der Freigabe nicht sofort entladen, sondern wieder länger als 24 Stunden verschlossen wurden, sind – nach TRGS 512 – vor dem Entladen einer weiteren Lüftung von mindestens 30 Minuten Dauer zu unterziehen!

Technische Lüftung

Mit technischen Be- oder Entlüftungsmaßnahmen an Frachtcontainern lässt sich die für eine Freigabe notwendige Belüftungsdauer erheblich verkürzen. Zum Einsatz kommen zum Beispiel "Lüftungskeile" (s. Bild 4), die in eine der nur bis auf einen kleinen Spalt geöffneten Containertüren eingesetzt werden. Ein oben und unten über Schlauchleitungen angeschlossenes Gebläse erzeugt einen Luftaustausch im Frachtcontainer.

Untersuchungen ergaben einen relativ hohen Luftwechsel im Türbereich bis hin zur der Mitte des beladenen Frachtcontainers bei Einsatz eines Lüftungskeils. Im hinteren Bereich ist der Luftwechsel trotz aktiver Belüftung gering und nicht effektiv.

Eine weitere Möglichkeit zur Verringerung der Schadstoffe ist die aktive Belüftung oder Entlüftung mittels einer während des Entladens nachgeführten Luftleitung (Lutte, s. Bild 5).

Lässt sich mittels Lüftung die Belastung eines Frachtcontainers durch Begasungsmittel nicht hinreichend mindern, ist seine Entladung nach TRGS 512 nur unter Einsatz geeigneten Atemschutzes zulässig. Die Ware ist dann in geöffneter Verpackung in geeigneten und gegen unbefugtes Betreten gesicherten Hallen so lange mit Ventilatoren weiter zu belüften, bis die Beurteilungsmaßstäbe nach Tabelle 1 unterschritten sind.

Informationen/Links

TRGS 512 "Begasungen"