Schutzmaßnahmen

Mit Klauenkette verschlossene Containertür

Klauenkette an geschlossener Containertür
Bild: Boris Klein, Bremerhaven

Der Arbeitgeber trägt die Verantwortung für die Sicherheit und Gesundheit seiner Beschäftigten bei der Arbeit. Er muss im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ermitteln und beurteilen, welchen Gefährdungen die Beschäftigten ausgesetzt und welche Schutzmaßnahmen zu treffen sind. Gefährdungen sind zu unterscheiden in

  • Unfallgefahren und
  • Gesundheitsgefahren.

Schutzmaßnahmen lassen sich nicht genauso sauber unterscheiden, da die Tätigkeiten der Beschäftigten und die Schutzmaßnahmen miteinander verwoben sind. Grundsätzlich gilt jedoch das im Arbeitsschutz allgemein bewährte TOP-Prinzip, wonach "Technische Maßnahmen" Vorrang besitzen vor "Organisatorischen Maßnahmen" und diese wiederum vor "Personenbezogenen Maßnahmen".


Containertür kann durch die Klauenkette nur einen Spalt geöffnet werden

Abnehmen der Klauenkette
Bild: Boris Klein, Bremerhaven

Technische Maßnahmen

  • Unfallgefahren auf dem Betriebsgelände:
    Unfallgefahren beim Umgang mit Frachtcontainern bestehen nicht nur beim eigentlichen Entladevorgang, sondern können auch durch die weiteren mit der Entladung zusammenhängenden Abläufe auf dem Betriebsgelände ausgelöst sein. Zu denken ist etwa an Rangierarbeiten bei der An- und Ablieferung, den Umgang mit Ladebrücken und Flurförderzeugen oder den Einsatz von Werkzeugen wie z. B. Kettensägen. Diese Unfallgefahren werden in speziellen Regelwerken behandelt und sind hier ausgenommen. Weiterhin sind Gefahren ausgenommen, die sich aus besonderem Ladegut wie zum Beispiel "Gefährlichen Gütern" ergeben.
  • Unfallgefahren beim Öffnen von Frachtcontainern:
    Durch unsachgemäße falsche Stauung oder mangelnde Ladungssicherung können die Ladung oder Teile der Ladung während des Transportes beschädigt werden oder verrutschen. Insbesondere durch mangelnde Ladungssicherung ergeben sich daraus Unfallgefahren beim Öffnen der Frachtcontainer, da ein Herausfallen der Ware und ein Aufschlagen der Containertüren nicht vorhersehbar sind. Deshalb sind Containertüren nach Möglichkeit von einem seitlichen Standplatz aus zu öffnen! Eine andere wirksame Möglichkeit zum Schutz vor herausfallendem Ladegut ist die Verwendung der sogenannten Klauenkette, die als innovative Entwicklung im Jahre 2002 prämiert wurde (siehe Bilder 1 und 2). Die Verwendung ist denkbar einfach: Zwei durch eine Kette verbundene Krallen werden an den Verriegelungsstangen der Containertüren so befestigt, dass ein unbeabsichtigtes Aufschlagen der Türen sicher verhindert wird.
  • Gesundheitsgefahren durch Begasungsmittel und Industriechemikalien:
    Hat die Gefährdungsbeurteilung durch Prüfung der Frachtpapiere, Sichtprüfung oder auch eine Gefahrstoffmessung ergeben, dass ein begaster oder ein mit gesundheitsgefährlichen Gasen und Dämpfen belasteter Frachtcontainer vorliegt oder vorliegen kann, dann darf der Frachtcontainer nicht ohne weitergehende Maßnahmen geöffnet werden. Im Zweifelsfall ist so zu verfahren, als wäre der Frachtcontainer begast.

Stempel auf Holzfläche mit Zeichen IPPC

Kennzeichnung für eine Hitzebehandlung
Bild: Boris Klein, Bremerhaven

  • Die Vorgehensweise beim Umgang mit begasten Frachtcontainern ist in der Technischen Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 512 Nr. 5.4.3 "Begasungen" geschildert. Es ist grundsätzlich nicht gestattet, begaste Frachtcontainer ohne Freigabebescheinigung zu öffnen oder zu betreten. Es besteht Lebensgefahr!

    Die Freigabebescheinigung kann nur nach ausreichender Lüftung des Frachtcontainers ausgestellt werden. Hinweise zur Lüftung enthalten die Seite Lüftung von Frachtcontainern oder die TRGS 512.

    Finden sich erst nach dem Öffnen des Frachtcontainers Hinweise auf eine Begasung (innen verklebte Lüftungsschlitze, Reste von Begasungsmitteln wie z. B. Pulver, Beutel, Dosen, sog. Plates, Folien, Schläuche) oder sind z. B. Gerüche wahrnehmbar oder Reizungen und Übelkeit treten auf, so ist der Frachtcontainer wieder zu verschließen und gegen unbefugtes Betreten zu sichern. Die vorgesetzte Person ist zu informieren. Es sind die gleichen Maßnahmen wie bei begasten Frachtcontainern zu ergreifen.

    Auch begaste und bereits im Exportland belüftete Frachtcontainer sind nicht ungefährlich, denn Waren und Verpackungen können nachgasen. Das Ausgasen einzelner in Folien verpackter Waren kann trotz Belüftung mehrere Tage dauern. Auch beim Auspacken/Kommissionieren im Lager/am Arbeitsplatz ist das Nachgasen/Ausgasen noch möglich (typische Beschwerden von Beschäftigten sind z. B. Kopfschmerzen, Reizungen, Übelkeit). Werden Anzeichen einer Belastung mit Begasungsmitteln festgestellt, ist die vorgesetzte Person zu informieren und es sind Maßnahmen wie bei begasten Frachtcontainern zu ergreifen.

    Wird beim Öffnen eines Frachtcontainers ein typischer lösemittelartiger oder stechender Geruch wahrgenommen oder liegen anderweitige Hinweise auf eine mögliche Belastung der Containerluft vor, ist der Frachtcontainer vor der Entladung ausreichend zu belüften. Eine ausreichende Lüftung (mindestens 30 Min.) mindert das Gesundheitsrisiko deutlich.
  • Biologische Gefährdung durch Schimmelbefall:
    Neben den von Gefahrstoffen ausgehenden Gesundheitsgefahren beim Umgang mit Frachtcontainern kann es auch bei Schimmelbefall der Waren oder Verpackungen zu Gesundheitsgefahren kommen. Auch nach Begasung und Belüftung beim Versender kann Schimmelbildung im Frachtcontainer nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Beim Entladen und dem weiteren Umgang mit den Waren oder Verpackungsmaterialien ist entsprechende Schutzausrüstung zu tragen (siehe Hinweise zu Biologischer Gefährdung).

Organisatorische Maßnahmen

  • Vermeidung von Belastungen durch Begasungsmittel:
    Eine für den Empfänger kostengünstige und einfache Verfahrensweise, sich gegen Gefährdungen durch Begasungsmittel beim Öffnen und Entladen von Frachtcontainern zu schützen, besteht darin, bereits bei der Bestellung der Waren eine Anlieferung im entgasten Zustand zu verlangen (z. B. durch Entgasung im Herkunftsland). Bei Waren, die nicht begast werden müssen, sollte verlangt werden, dass bei der Verladung und zur Verpackung der Waren ausschließlich Harthölzer oder hitzebehandelte Holzverpackungen, Stauhölzer und Holzpaletten verwendet werden ("HT"-Kennzeichnung nach ISPM 15, siehe Bild 3).
  • Betriebsanweisung und Unterweisung:
    Im Rahmen seiner Fürsorgepflicht muss der Unternehmer seine Beschäftigten über alle Gefahren beim Umgang mit Frachtcontainern informieren, Schutzmaßnahmen festlegen und deren Umsetzung kontrollieren. Die wichtigste Schutzmaßnahme ist die Information: Nur wer über mögliche Gefahren Bescheid weiß, kann sich schützen. Deshalb kommt der schriftlichen Betriebsanweisung eine besondere Bedeutung zu; sie ist zugleich Grundlage der regelmäßigen mündlichen Unterweisung der Beschäftigten. In der Praxis haben sich auch Arbeitshilfen in Form von Checklisten bewährt.

    Musterbetriebsanweisungen zum Download für:
    - Betriebe, die begaste Frachtcontainer öffnen
    - Öffnen, Lüften und Freigabe begaster Frachtcontainer
    - Schimmelpilze in Frachtcontainern.

    Hinweis: Bei den Betriebsanweisungen handelt es sich um MUSTER, die Sie in jedem Fall auf Ihre betrieblichen Gegebenheiten anpassen und evtl. ergänzen müssen!

Persönliche Maßnahmen

  • Tragen von Atemschutz:
    Bleiben Unsicherheiten über eine ausreichende Lüftung des Frachtcontainers, dürfen die Beschäftigten die Entladung nur unter Einsatz von Atemschutz vornehmen; die Vorschriften des Atemschutzmerkblattes sind unbedingt zu beachten. Bei Schimmelbelastung von Frachtcontainer und Ladegut sind die in den Hinweisen zur Biologischen Gefährdung genannten Schutzmaßnahmen wie Tragen von Atemschutz und Schutzkleidung zu treffen, siehe auch Übersicht zur Verwendung geeigneten Atemschutzes.
  • Tragen von Schutzkleidung:
    Schutzkleidung soll die Beschäftigten vor Gefahren bzw. Risiken bei der Arbeit schützen. Gleichzeitig soll eine Kontamination von Arbeits- und Privatkleidung vermieden werden. Ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung, dass persönliche Schutzausrüstungen zu verwenden sind, müssen diese für die jeweiligen Arbeitsbedingungen geeignet sein und den Beschäftigten zur Verfügung gestellt werden. Bei der Auswahl von Schutzkleidung sind ergonomische Aspekte, z. B. Passform und Gewicht, Handhabbarkeit sowie Einstellbarkeit zu berücksichtigen.

Hygienische Maßnahmen

Für alle Tätigkeiten muss eine Gefährdungsbeurteilung erstellt werden – so auch für Tätigkeiten mit verschimmelten Verpackungen oder Waren, z. B. beim Entladen von Frachtcontainern. Schimmelpilze können sensibilisierende und oder toxische Wirkungen hervorrufen. Um allergische Reaktionen bei Beschäftigten oder deren Angehörigen zu verhindern, sind bei Arbeiten, bei denen Belastungen durch Schimmelpilze auftreten, die Hygieneregeln der Technischen Regel für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA) 500 einzuhalten.

Zu den technischen/baulichen Maßnahmen zählen u. a. die räumliche Trennung von belasteten und unbelasteten Arbeitsbereichen, raumlufttechnische Maßnahmen, Kapselung und Absaugung am Ort der Freisetzung mit Staubsaugern der Staubklasse H, ggf. mit Vorabscheidern. Leicht erreichbare Waschgelegenheiten mit fließendem Wasser, Einrichtungen zum hygienischen Trocknen der Hände sowie geeignete Hautschutz- und Hautpflegemittel sind vorzuhalten. Auch an abgelegenen Arbeitsplätzen ist für eine Möglichkeit der hygienischen Händereinigung und -trocknung zu sorgen. Soweit nach der Gefährdungsbeurteilung erforderlich, sind Waschräume oder Duschmöglichkeiten vorzusehen. Vom Arbeitsplatz getrennte Umkleidemöglichkeiten sind ebenso zu schaffen wie vom Arbeitsplatz getrennte Möglichkeiten der Aufbewahrung und Einnahme der Pausenverpflegung. Kontaminierte Arbeitskleidung darf in Pausen- und Bereitschafträumen nicht getragen und nicht zu Hause gereinigt werden. Die ggf. gemäß Betriebsanweisung vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung ist getrennt von der Privatkleidung zu lagern und bestimmungsgemäß zu benutzen.


Zum Bestellen oder Herunterladen

Die DGUV Information 208-051 Gefahren beim Öffnen und Entladen von Frachtcontainern ist als PDF und gedruckte Schrift kostenlos erhältlich.

Informationen/Links

  • TRGS 512 "Begasungen"
  • TRBA 500 "Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen"