Biologische Gefährdungen

Gefüllte Säcke unbekannten Inhalts, die dick von Schimmel überzogen sind

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Gefahr durch Schimmel (Bild 1)

Weiße Schimmelfäden auf dem Holz

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Verschimmeltes Holz einer Palette (Bild 2)

Verschimmeltes Transportholz

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Verschimmeltes Verpackungsholz (obere beiden Reihen ohne zusätzliche Behandlung; darunter liegende Reihen mit verschiedenen Substanzen behandelt) (Bild 3)

Geschichtetes, verschimmeltes Verpackungsholz

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Schimmelbefall durch hohe Luftfeuchtigkeit (4)
Bild: 1: Boris Klein, Bremerhaven; Bild 2: VMBG; Bilder 3 und 4: Gerda Lambertz, vTI, Hamburg

Um eine Verschleppung von Schadorganismen beim Im- und Export von Gütern in Frachtcontainern zu verhindern, werden die beladenen Frachtcontainer entweder begast oder die Ladung wird hitzebehandelt. Die Hitzebehandlung tötet zwar die Schadinsekten ab, sie reicht jedoch in der Regel nicht aus, um Schimmelpilzwachstum zu verhindern. Bei ausreichender Feuchtigkeit können sich während des Transports geeignete Lebensbedingungen für Schimmelpilze ergeben.Dies betrifft insbesondere Frachtcontainer, in denen Holz transportiert oder zur Verpackung bzw. Ladungssicherung verwendet wird. Aber auch andere Materialien oder Produkte wie Pappe, Textilien, Möbel, Deko-Produkte etc. können von Schimmelpilzwachstum betroffen sein.

Der Sammelbegriff Schimmelpilze umfasst zahlreiche Pilzarten. Diese besiedeln unter bestimmten Bedingungen rasch das in den Frachtcontainern verwendete Holz und bilden zahlreiche, in Partikelform vorliegende Sporen an der Holzoberfläche. Optisch lässt sich dies durch ein watteartiges, fadenartiges oder pulverförmiges Wachstum des Pilzes, das in verschiedenen Farben auftreten kann, feststellen.

Gesundheitsgefährdung bei Tätigkeiten mit pilzbefallenen Materialien

Pilzsporen, die beim Öffnen der Containertür und besonders beim Entfernen von pilzbefallenen Materialien aus dem Frachtcontainer aufgewirbelt werden, können durch Einatmen in den Körper gelangen. Von Schimmelpilzen können verschiedene gesundheitsschädliche Wirkungen ausgehen. Pilze weisen grundsätzlich ein sensibilisierendes bzw. allergenes Potenzial auf. Erfahrungsgemäß führt erst längerfristige Exposition gegenüber atemwegssensibilisierenden biologischen Arbeitsstoffen in hoher Konzentration zu einer Sensibilisierung bis hin zu schwerwiegenden allergischen Erkrankungen. Symptome können direkt bei Exposition (Sofort-Typ-Allergie) oder um zwei bis acht Stunden zeitversetzt und oft schleichend einsetzend (Typ-III-Allergie) auftreten. Bislang sind nur von wenigen Pilzen allergene Wirkungen bekannt und daher kann das allergene Potenzial allgemein als gering eingeschätzt werden. Eine erhöhte Gefährdung weisen Beschäftigte auf, die bereits an einer Allergie leiden, insbesondere einer Schimmelpilzallergie. In diesen Fällen können bereits geringe Konzentrationen ausreichen, um die Allergiesymptome auszulösen, die sich im Wesentlichen an den Atemwegen äußern.

Schimmelpilze können auch Infektionen hervorrufen. Dies betrifft erfahrungsgemäß nur Beschäftigte, deren Immunsystem geschwächt ist, z. B. bei chronischen Erkrankungen oder nach Einnahme von immunsuppressiven Medikamenten. Betroffene Beschäftigte müssen eine Exposition auf jeden Fall vermeiden, um nicht eine sehr seltene, aber ggf. folgenreiche Infektion mit Schimmelpilzen zu erleiden.

Von Schimmelpilzen können auch toxische Wirkungen ausgehen, und zwar durch Mykotoxine, die als Stoffwechselprodukte der Schimmelpilze in die Umgebung freigesetzt werden können, sowie durch Zellwandbestandteile. Deren Aufnahme kann sowohl über die Atemwege als auch über die Haut erfolgen.

Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit pilzbefallenen Materialien

Die Schutzmaßnahmen müssen sowohl die Aufnahme über die Atemwege als auch über die Haut berücksichtigen.

Der Lieferant sollte dazu angehalten werden, durch die Verwendung trockenen Holzes für Verpackungen oder für die Transportsicherung einen Pilzbefall zu vermeiden.

Werden pilzbefallene Materialien festgestellt, sollten insbesondere folgende Maßnahmen ergriffen werden:

Technische und bauliche Maßnahmen:

  • Ggf. räumliche Trennung von belasteten und unbelasteten Arbeitsbereichen
  • Waschgelegenheiten und vom Arbeitsplatz getrennte Umkleidemöglichkeiten zur Verfügung stellen.

Organisatorische Maßnahmen:

  • Frachtcontainer mit Schimmelpilz-belasteter Ware nach Möglichkeit im Freien entladen.
  • Beim Öffnen Schimmelpilz-belasteter Holzverschläge und/oder Verpackungen im Freien ist darauf zu achten, dass aufgewirbelte Pilzsporen nicht durch Wind in den Atembereich der Beschäftigten gelangen.
  • Sofern Schimmelpilz-belastete Ware im Lager entladen und umgeschlagen werden muss, ist darauf zu achten, dass keine angrenzenden Arbeitsbereiche belastet werden.
  • Sofern Frachtcontainer technisch belüftet werden, ist darauf zu achten, dass durch die Abluft niemand gefährdet wird.
  • Wenn möglich, die Holzverschläge und/oder Verpackungen oder befallene Ware leicht anfeuchten, um die Freisetzung von Sporen zu verhindern.
  • Die Holzverschläge und/oder Verpackungen mit erschütterungsarmen Verfahren entfernen; nicht mit einem Hammer o. Ä. auseinanderschlagen.
  • Regelmäßiges Reinigen und Wechseln von Arbeitskleidung und persönlicher Schutzausrüstung.
  • Belastete Arbeitskleidung darf nicht zu Hause gewaschen werden.
  • Getrennte Aufbewahrung von Straßenkleidung und Arbeitskleidung bzw. persönlicher Schutzausrüstung.
  • Vor Pausen und nach Tätigkeitsende Hände waschen.
  • Bereitstellen von Mitteln zum hygienischen Reinigen und Trocknen der Hände sowie von Hautschutz- und Hautpflegemitteln.
  • Aufbewahrungsmöglichkeiten für Pausenverpflegung/Möglichkeiten zum Essen und Trinken ohne Beeinträchtigung der Gesundheit.
  • Sozial- und Bereitschaftsräume nicht mit verschmutzter Arbeitskleidung betreten.
  • Abfälle sind so zu sammeln, zu lagern und zu entsorgen, dass keine Schimmelpilze freigesetzt werden.
  • Die Zahl der Beschäftigten, die biologischen Arbeitsstoffen ausgesetzt sind oder sein können, ist auf das für die Erfüllung der Arbeitsaufgabe notwendige Maß zu begrenzen.

Persönliche Schutzmaßnahmen:

  • Geschlossene Arbeitskleidung tragen. Bei starker Exposition ggf. Einmalschutzanzug mit Kapuze Kategorie 3, Typ 5.
  • Reißfeste Handschuhe tragen (Schutz vor Holzsplittern).
  • Partikel filtrierenden Atemschutz verwenden, mindestens Partikelfilterklasse 2.
  • Treten gleichzeitig gasförmige Gefahrstoffe auf, Kombinationsfilter verwenden.

Hinweise zur Tragezeit und Auswahl des Atemschutzes liefert die DGUV Regel 112-190 (bisher: BGR/GUV-R 190) "Benutzung von Atemschutzgeräten".

Zum Thema

  • TRBA 500 "Allgemeine Hygienemaßnahmen: Mindestanforderungen"
  • TRBA/TRGS 406 "Sensibilisierende Stoffe für die Atemwege"
  • DGUV Regel 112-190 (bisher: BGR/GUV-R 190) "Benutzung von Atemschutzgeräten"