Öffnen von Frachtcontainern

Mit schlecht gesicherten Kartons hoch voll gestapelter Lkw

Bild vergrößern

Gefahr von herausfallender Ladung,
Bild: Hans-Peter Fröhlich, Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution

Auf Holzpalette eingebrannte Kennzeichnung

Bild vergrößern

Hinweis auf mögliche Begasung
Bild: Boris Klein, Bremerhaven

Kennzeichungsschild

Bild vergrößern

Kennzeichnung über erfolgte Begasung
Bild: Boris Klein, Bremerhaven

Im Container vorgefundene Sprayflaschen zur Rundholzbehandlung

Bild vergrößern

Im Container vorgefundene Druckgaspackungen
Bild: Boris Klein, Bremerhaven

Nach erfolgter Messung beginnt ein Mitarbeiter ohne Atemschutz mit dem Ausladen

Bild vergrößern

Containeröffnung nach erfolgter Freigabe
Bild: Boris Klein, Bremerhaven

Aus Studien ergibt sich, dass etwa jeder fünfte Import-Frachtcontainer gesundheitsgefährdende Schadstoffkonzentrationen aufweist. Jeder Betrieb, der Import-Frachtcontainer oder geblisterte oder dicht gepackte Waren wie Textilien aus Import-Frachtcontainern erhält, muss dieses Gefährdungspotenzial kennen. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, dies im Rahmen der Gefährdungsanalyse und in Betriebsanweisungen zu berücksichtigen.

Es gibt hinsichtlich der Herkunftsländer und des Wareninhalts nach den bisherigen Kenntnissen keine völlig sicheren Lieferungen. Überproportional häufig sind allerdings Importcontainer und -waren aus fernöstlichen Ländern mit Textilien und vor allem Schuhen betroffen.

Beim Öffnen von Frachtcontainern sind die folgenden Punkte zu beachten:

1 Hinweise auf Begasungsmittel suchen

  • Beförderungspapiere vor dem Entladen sichten (Frachtbrief, ATLAS-Anmeldung, Speditionsauftrag – Dokumentation von Begasungen, Hinweise auf entrichtete Begasungsgebühren bzw. Kosten für Freigabemessungen)
  • Selten: verdeckte Lüftungsschlitze am Frachtcontainer (Klebestreifen auch aus durchsichtigem Material!), verklebte Gummidichtungen der Türen, Schläuche in den Containeröffnungen, zerstörte Reste eines Begasungsmittel-Warnschildes.

2 Bei Indikatoren einer Begasung Freigabebescheinigung prüfen

  • Phosphorwasserstoff (Phosphin, PH3) ≤ 0,01 ppm
  • Brommethan (Methylbromid, CH3Br) ≤ 0,5 ppm
  • Sulfuryldifluorid (SO2F2) ≤ 1 ppm
  • Hydrogencyanid (Blausäure, HCN) ≤ 2 ppm
  • Vollständigkeit der Angaben (z. B. Begasungsfirma, Datum der Kontrollmessung, Containernummer, Begasungsmittel)

3 Öffnen des Frachtcontainers

  • Das Öffnen von Containertüren ist mit vielfältigen Gefahren verbunden und sollte niemals von einer Person allein durchgeführt werden!
  • Der Öffnungsbereich sollte schnellstmöglich verlassen werden, wenn aus dem Innenraum Gerüche wahrnehmbar sind oder Reizungen der Augen- und Nasenschleimhäute auftreten! Grundsätzlich sollten weitere Tätigkeiten nur unter geeignetem Atemschutz fortgesetzt werden (mindestens Halbmaske mit Kombi-Filtervorsatz ABEK tragen!). Vorsicht bei Sulfuryldifluorid! Hier ist Umgebungsluft unabhängiger Atemschutz notwendig!
  • Mögliche Gefährdungen durch ungesicherte Ladung beachten und eine Gefährdung von Personen durch herabstürzende Ladung oder Ladungsbestandteile verhindern!
  • Im Frachtcontainer befindliche Tütchen mit Granulat oder entleerte Druckgaspackungen (fremdsprachige Hinweise auf Gas, besondere Symbolik) deuten auf eine Begasung hin. Türen schließen, weitere Entladungstätigkeiten einstellen und weitere Maßnahmen treffen (Belüftung des Frachtcontainers – Messung)!
  • Bei Schimmelpilz-belasteten Waren bzw. Paletten besondere Maßnahmen zum Gesundheitsschutz treffen (nach Möglichkeit im Freien entladen).

Gelegentlich ergeben sich Hinweise auf vorhandene Gase und Dämpfe durch deren Geruch (stechend, nach Salmiak, Knoblauch, Bittermandel, ätherisch, benzinartig/aromatisch, …).

Achtung: Der Geruchssinn ist kein geeignetes Warnsystem vor Gesundheitsgefahren, denn: nicht alle Stoffe sind wahrnehmbar, Geruchsschwellen sind ggf. zu hoch, es gibt individuelle Differenzen der Geruchswahrnehmung …

Trotz des Fehlens von Gerüchen kann eine Gefährdung vorliegen! Viele Stoffe wie z. B. Methylbromid (Brommethan) und Sulfuryldifluorid sind entweder geruchlos oder werden im gefährdenden Konzentrationsbereich nicht wahrgenommen!