Durchführung der Befragungsrunde I im Rahmen des Risikoobservatoriums für die UVT

Projekt-Nr. IFA 0096

Status:

abgeschlossen 01/2017

Zielsetzung:

An Arbeitsplätzen, aber auch in Kindertagesstätten, Schulen und Hochschulen entstehen immer wieder neue Risiken für die Versicherten der gesetzlichen Unfallversicherung (UVT). Diese neuen Risiken bedeuten neue Herausforderungen für den Arbeits- und Gesundheitsschutz. Als ein Institut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung unterstützt das IFA die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung darin, ihren Präventionsauftrag effizient und zielgerichtet zu erfüllen. Eine wichtige Hilfe bei der vorausschauenden und zugleich praxisorientierten Ressourcenplanung kann darin bestehen, die neuen und zu erwartenden Anforderungen in Sachen Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz frühzeitig und möglichst präzise zu identifizieren. Das kann mithilfe eines sogenannten Risikoobservatoriums geschehen. Dieses identifiziert neu aufkommende Trends der Arbeitswelt, beleuchtet die Risiken und schlägt frühzeitig passgenaue Präventionsmaßnahmen vor. Bereits seit 2002 beteiligt sich das IFA auf europäischer Ebene an Expertenbefragungen und Literaturrecherchen zur Ermittlung von wirtschaftlich, sozial, demografisch und technisch motivierten Trends, die zu neuen Risiken bei versicherten Tätigkeiten führen. Beispiele für solche Trends sind: verstärkte Nutzung von Nanotechnologien, neue Gefahrstoffbelastungen, zunehmende Arbeitsplatzunsicherheit, steigender Leistungsdruck in Schule und Ausbildung usw. Die Ergebnisse dieser europäischen Aktivitäten kommen nun auch den UVT in Deutschland zugute, und zwar in Form eines auf ihre speziellen Bedürfnisse abgestimmten Risikoobservatoriums (DGUV RO). Das Risikoobservatorium ist 2011 vom IFA mit Unterstützung eines UVT-Arbeitskreises aufgebaut worden und ab 2012, vom Institut betreut, in die operative Phase gegangen.

Aktivitäten/Methoden:

In einem Vorläuferprojekt (Projektnummer IFA 0094) hat das IFA einen Online-Fragebogen entwickelt, der das Kerninstrument für DGUV RO darstellt. Der Fragebogen legt acht Globaltrends zugrunde: neue Technologien, neue gesundheitsgefährdende Stoffe/Produkte, zunehmende Bedeutung physikalischer Einwirkungen, Globalisierung/Wandel der Arbeits- und Bildungswelt, Entwicklung der Dienstleistungsgesellschaft, demografischer Wandel, Katastrophen und ungesunder Lebensstil. Diesen Globaltrends sind wiederum 94 zentrale Entwicklungen in der Arbeits- und Bildungswelt zugeordnet, beispielsweise die Entwicklungen „Zunehmende Computer-/Softwarenutzung“ oder die Entwicklung „Arbeit mit Robotern“ als spezifische Ausprägungen des Globaltrends „neue Technologien“. Zu jeder Entwicklung haben die befragten Aufsichtspersonen zwei Einschätzungen für die nächsten fünf Jahre abgegeben: hinsichtlich der Bedeutung einer Entwicklung für die von ihnen betreuten Betriebe/Einrichtungen und hinsichtlich der Bedeutung der daraus resultierenden Sicherheits- und Gesundheitsrisiken. Ergänzend wurden pro Entwicklung drei prioritäre Präventionsinstrumente abgefragt, mit denen den Risiken begegnet werden soll.

Die Befragung der Unfallversicherungsträger hat in drei UVT-Gruppen (Clustern) zeitlich versetzt stattgefunden, und zwar so, dass verwandte Branchen gemeinsam ausgewertet werden konnten. Der Stichprobenumfang war dabei so festgelegt, dass sowohl der Versichertenzahl des einzelnen Trägers als auch seiner Branchenstruktur Rechnung getragen wurde. Befragt wurden bevorzugt Aufsichtspersonen der UVT, die mit der betrieblichen Praxis besonders vertraut sind. Durch eine Auswertung konnten träger- und branchenspezifisch die Entwicklungen identifiziert werden, die von der Mehrheit der Befragten als besonders relevant bewertet wurden. Mithilfe von ergänzenden Literaturrecherchen hat das IFA anschließend den Handlungsbedarf in Bezug auf hohe Risiken und/oder assoziierte Belastungen und Erkrankungen ermittelt und neue Präventionsmaßnahmen vorgeschlagen. Schließlich wurde eine Evaluation der Ergebnisse im betrieblichen Umfeld durchgeführt, und zwar mit mehr als 700 Fachkräften für Arbeitssicherheit (SiFas), die online über die Internetplattform Sifa-Community befragt wurden.

Ergebnisse:

Insgesamt haben in der ersten Befragungsrunde – im Zeitraum zwischen 2012 und 2015 – 398 Aufsichtspersonen den Fragebogen ausgefüllt, das entspricht einer Rücklaufquote von 86 %. Die Antworten wurden statistisch ausgewertet und die Relevanz der 94 Entwicklungen für die Arbeitswelt der nahen Zukunft ermittelt. Für die Unfallversicherungsträger sind die Ergebnisse sowohl träger- als auch branchenbezogen ausgewertet worden, um Unterschieden in der Relevanz von Entwicklungen zwischen Trägern bzw. Branchen gerecht zu werden. In drei Workshops sind die Ergebnisse mit allen Unfallversicherungsträgern diskutiert worden. Die Ergebnisberichte für die Unfallversicherungsträger enthalten neben den individuell wichtigen Entwicklungen auch umfangreiches Zahlenmaterial als Hintergrundinformation, Hinweise zu verknüpften Sicherheits- und Gesundheitsrisiken sowie konkrete Vorschläge zu Präventionsmaßnahmen. Diese Aspekte speisen sich aus Literaturrecherchen, die das IFA auch auf der Basis von Freitextantworten durchgeführt hat. Alle Ergebnisberichte stehen den UVT intern zur Verfügung.

Die Top10-Entwicklungen der Gesamtstichprobe, also über alle Träger ausgewertet, sind: Arbeitsverdichtung und lange Arbeitszeiten; ältere Beschäftigte; Vernetzung, Erreichbarkeit und Kontrolle durch Computer- und Informationstechnologien, hohe Mobilitätsanforderungen und Verkehrsdichte; ergonomische Belastungen; Verantwortungsausweitung; Fachkräftemangel; Arbeitsplatzunsicherheit und prekäre Arbeitsverträge; Lärm; Inaktivität in der Freizeit. Die Mehrheit dieser Entwicklungen lässt sich dem Globaltrend „Globalisierung, Wandel der Arbeits- und Bildungswelt“ zuordnen, auch der demografische Wandel spielt eine wesentliche Rolle. Zu den zukünftigen Schwerpunktthemen der Prävention zählen aber bei allen UVT auch bekannte Probleme wie Lärm und einseitige ergonomische Belastungen. Auffallend ist, dass offensichtlich ebenfalls Handlungsbedarf in Bereichen besteht, die nicht zu den Kernbereichen der Unfallversicherung gehören, etwa bei Bewegungsmangel in der Freizeit oder ungesunder Ernährung. Diese beiden Trends betreffen vorzugsweise die Unfallkassen.

Die betriebliche Evaluation mit mehr als 700 Fachkräften für Arbeitssicherheit (SiFas) hat die Ergebnisse des Risikoobservatoriums weitestgehend bestätigt. Etwa drei Viertel der SiFas bestätigen die Relevanz der Top-Entwicklungen. Bei 15 von 55 abgefragten Entwicklungen (27 %) gab es geringe Unterschiede in der Risikoeinschätzung, Die Ergebnisse des DGUV Risikoobservatoriums dienen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen als Orientierung für die Präventionsarbeit der nahen Zukunft. Ein Vergleich der wichtigsten Entwicklungen für die verschiedenen Unfallversicherungsträger zeigt Überschneidungen und Ansatzpunkte für Vernetzung, Austausch und Zusammenarbeit. So können die UVT Ressourcen sparen und Doppelarbeit vermeiden.

Stand:

11.05.2017

Projekt

Gefördert durch:
  • Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V. (DGUV)
Projektdurchführung:
  • Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA)
Branche(n):

-branchenübergreifend-

Gefährdungsart(en):

Arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren

Schlagworte:

Risikoabschätzung

Weitere Schlagworte zum Projekt:

Risikoobservatorium, Prävention, Risiko, neu auftretende Risiken, Trend, Entwicklung, Unfallversicherungsträger (UVT), Wandel der Arbeitswelt

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