Untersuchung zur individuellen Risikokonstellation psychischer und mentaler Faktoren bei der Arbeit

Projekt-Nr. FFFP 0215

Status:

abgeschlossen 09/2004

Zielsetzung:

Anhand eines größeren Stichprobenumfangs sollte geprüft werden, ob mit den verbesserten Untersuchungsbausteinen, i. e. dem überarbeiteten psychometrischen Fragebogen, dem geänderten Cortisol-Probenahmeregime, Gruppenunterschiede zwischen den Prüfvariablen festzustellen sind. Des Weiteren sollten Trends, die in der Pilotphase festgestellt wurden, zum Beispiel ein Zusammenhang zwischen Cortisol und Beanspruchung auf Skalenniveau, bestätigt oder verworfen werden.

Aufgrund dieser Ergebnisse werden die einzelnen Untersuchungsbausteine danach beurteilt, ob sie geeignet sind, eine kritische Beanspruchung, die als "Stresszustand" einzuschätzen ist, zu entdecken und zu beschreiben. Damit soll die aus dem Mehrebenenkonzept der Diagnostik von Stress und Stressfolgen gefolgerte Annahme geprüft werden, dass erst durch die kombinierte Bewertung aller Beanspruchungsaspekte, die in den drei Untersuchungsbausteinen erfasst werden, eine stressbedingte Gesundheitsstörung festzustellen ist. Mithilfe von Faktorenanalysen soll eine reduzierte Screening-Version für die Routine-Untersuchung entwickelt werden, die die wesentliche Information aus der Lang-Version zusammenfasst.

Im Rahmen der kombinierten Bewertung werden die Zusammenhänge zwischen den Untersuchungsbausteinen untereinander geprüft. Dazu wird die entwickelte Screening-Version eingesetzt, da diese in den weiteren Untersuchungen eingesetzt werden soll.

Aktivitäten/Methoden:

Auswahl der Untersuchungsparameter entsprechend der Arbeitsplatzanalyse hinsichtlich Gefährdung durch psychische Belastung; Prüfung der entsprechenden Diagnoseverfahren auf Anwendbarkeit und Aussagekraft; Erprobung und Validierung des Untersuchungsprogramms an einer modellhaften Berufsgruppe.
Die Methodik mit den drei Untersuchungsbausteinen
- Ärztliche Untersuchung
- Psychometrische Untersuchung mit Fragebogen
- Labordiagnostik (Untersuchung des Speichelcortisols)
wurde, wie in der Pilotphase konzipiert, fortgesetzt. Entsprechend dem Ergebnis aus der Pilotphase wurden die einzelnen Bausteine jedoch modifiziert.

Ergebnisse:

Die Zielsetzung des Projekts wurde in den wesentlichen Punkten erreicht: Die drei Untersuchungsinstrumente ärztliche Untersuchung, psychometrische Tests und endokriner Marker sind nach Aufwand und Akzeptanz praktikabel und liefern im Querschnitt schlüssige Ergebnisse und Zusammenhänge. Eine externe Validierung am prospektiven Erkrankungsrisiko war innerhalb des begrenzten Rahmens nicht angezielt. Der psychometrische Fragebogen und die durch Dimensionsreduktion daraus entwickelte Kurzversion für das Screening ergeben Faktoren, die den in der Literatur beschriebenen Stressdimensionen entsprechen, und erklären ein ausreichendes Maß der interindividuellen Varianz. Die gute Trennung der Faktorladungen zeigt außerdem, dass keine wesentlichen Überlappungen bestehen. Jeder einzelne Faktor trägt damit zur Gewinnung des Ergebnisses bei. Sie sind damit zur übersichtsmäßigen Diagnostik arbeitsbedingter psychischer Beanspruchung geeignet.

Das hier erprobte Cortisolprotokoll ist praktikabel und hat sich in ähnlicher Form in zahlreichen Studien anderer Forschergruppen bewährt. Zusammenhänge von Cortisol zu Faktoren des Screeninginstruments waren in der Gesamtstichprobe gering und vom Anschein her eher zufällig. In den einzelnen Gruppen hingegen fanden sich mittlere bis starke Korrelationen, was darauf hindeutet, dass tatsächlich psychometrische (Gruppen-)Merkmale mit Reaktion seitens des Cortisols einhergehen. Dass kein durchgehendes Muster festzustellen ist, mag z. B. an der Heterogenität zwischen den Faktoren/Gruppen liegen. Grundsätzlich aber ist zu diskutieren, dass Cortisol die unspezifische neuroendokrine Beanspruchungsreaktion auf eine kritische Belastung darstellt, wobei es nicht mehr auf die Art der Belastung und der daraus resultierenden psychischen Beanspruchung ankommt. Da sie andererseits weder aus den Belastungsmerkmalen noch aus psychischen Beanspruchungsmerkmalen rückwirkend erschlossen werden kann, ist ein biologischer Marker wie das Cortisol für eine risikoorientierte Stressdiagnostik unerlässlich.

Veröffentlichungen:

Marquard, E.; Bernhardt, A.; Hölzl, R.; Möltner, A.; Weber, V.: Untersuchung zur individuellen Risikokonstellation psychischer und mentaler Faktoren bei der Arbeit. Kurzfassung des Endberichtes (PDF, 88 kB) zum Download

Stand:

17.10.2006

Projekt

Gefördert durch:
  • Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG)
  • Rheinischer Gemeinde-Unfallversicherungsverband
Projektdurchführung:
  • Berufsgenossenschaftlicher Arbeitsmedizinischer Dienst, Bonn
  • Otto-Selz-Institut, Universität Mannheim
  • Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten, Mannheim
Branche(n):

-branchenübergreifend-

Gefährdungsart(en):

Psychische Fehlbelastungen

Schlagworte:

Arbeitsmedizinische Vorsorge, Psychische Beanspruchung/Belastung, Stress

Weitere Schlagworte zum Projekt:

Stress, Risiko