Qualitätsmonitoring in der Rehabilitationspraxis. Ein ICF-basiertes Modell zur patientenorientierten Rehabilitation handverletzter Patienten

Projekt-Nr. FF-FR 0127

Status:

abgeschlossen 10/2009

Zielsetzung:

Basierend auf der im Jahr 2006 abgeschlossenen DASH-Studie, bestand die Hauptzielsetzung dieser Studie in der erstmaligen Etablierung praktischer Handlungsanweisungen, um ein allgemein gültiges, patientenorientiertes Programm für die Praxis der Handrehabilitation zu gewährleisten.
Die "Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit" (ICF) diente als konzeptioneller Rahmen, um ein umfassendes Prognosemodell und ein pragmatisch handhabbares "Ludwigshafener Modell der Hand Rehabilitation" (LMHR) zu entwickeln. Dieses Modell sollte in der Lage sein, praktische Schwierigkeiten aufzudecken und Erklärungen für erfolgreiche bzw. mindererfolgreiche Rehabilitationen liefern zu können.

Aktivitäten/Methoden:

1. Anhand der erhobenen objektiven und subjektiven Daten wurden Patientenuntergruppen durch computergestützte Verfahren gebildet (Klassifikation)
2. Patienten innerhalb einer Gruppe mussten sich maximal ähnlich in ihren Merkmalsprofilen sein
3. Zwischen den Untergruppen mussten sich die Patienten maximal in ihren Merkmalsprofilen unterscheiden
4. Mithilfe von Unterschiedsprüfungen zwischen den Gruppen sollte erkennbar werden, welche Merkmale bei welchen Patienten für eine erfolgreiche REHA-Behandlung relevant sind

Ergebnisse:

Es nahmen 93 Patienten an der Studie teil (76 männlich, 17 weiblich). Das Durchschnittsalter betrug 44 Jahre. Hinsichtlich der klinischen Variablen und DASH-Werte zeigten sich signifikante Verbesserungen während der Rehabilitation. Diese Erfolge konnten bis zum Katamnese-Zeitpunkt erhalten bleiben und sind Nachweis für die Effizienz der handrehabilitativen Behandlung im Hause. Die gemäß den ICF-Bereichen klassifizierten Patientenziele steuerten und validierten als berufliche "Core Sets" die therapeutischen Angebote. Die Unterstützung durch die jeweilige Berufsgenossenschaft wurde von den Patienten unterschiedlich empfunden: 47 % meldeten eine starke bis sehr starke Unterstützung durch ihre Berufsgenossenschft zu t0 zurück, 17 % eine mittelmäßige und 36 % erlebten die Unterstützung als schwach oder nicht existent. Bei Betrachtung der Schmerzverläufe konnten drei Subgruppen unterschieden werden. Die Gruppe mit dauerhaft starken Schmerzen zeigte unabhängig von der Verletzungskategorie die schlechtesten Rehabilitationsergebnisse. Die Gesamtgruppe verbesserte sich hinsichtlich der Werte für Depression und allgemeinen psychischen Beschwerdedruck signifikant zwischen Beginn und Ende der Behandlung. Etwa 25 % der untersuchten Patienten wiesen eine hohe psychische Belastung auf und benötigten psychologische Betreuung. Psychisch belastete Patienten berichteten zu allen drei Zeitpunkten durchschnittlich stärkere Schmerzen und wiesen größere Funktionseinschränkungen auf als die Vergleichsgruppe. Starke Schmerzen und eine hohe psychische Belastung stellen somit für das Rehabilitationsoutcome eine "fatale Kombination" dar. Die Zufriedenheit mit der Behandlung war insgesamt sehr hoch. 89 % der Stichprobe bewerteten das patientenorientierte Konzept positiv.
Es ergeben sich aus der Studie eine Reihe von Erkenntnissen, die für die DGUV Relevanz besitzen:
1. Die ICF ist sowohl als konzeptueller Rahmen, als auch als praktisch relevantes Modell im Prozessverlauf der Handrehabilitation geeignet.
2. Ein Nachweis für die Effektivität und Nachhaltigkeit des patientenorientierten Ansatzes wurde erbracht und rechtfertigt damit seine routinemäßige, flächendeckende Etablierung im klinischen Alltag.
3. Bei Rehabilitationsbeginn berichteten 36 % der Patienten über mangelhaften Kontakt zu und geringe Unterstützung seitens ihrer Berufsgenossenschaft. Dieser Befund eröffnet Spielraum für Verbesserungen innerhalb der Berufsgenossenschaften selbst.
4. Ein beträchtlicher Anteil der Stichprobe von immerhin 25 % zeigte ein erhöhtes Ausmaß an psychischem Beschwerdedruck und bedurfte psychologischer Betreuung. Aufgrund von personeller Unterbesetzung des psychologischen Dienstes kann dieser Bedarf nach Abschluss des Forschungsprojekts in keiner Weise gedeckt werden.
5. In der Schmerztherapie herrscht eine ähnliche Situation vor. Aufgrund von personeller Unterbesetzung erhalten Patienten oft nur verzögert einen Termin beim Schmerztherapeuten, was den optimalen Einsatz der Ergo- und Physiotherapie behindert.
6. Patienten der Gruppe mit dauerhaft starken Schmerzen und hoher psychischer Belastung waren in jeder Verletzungskategorie zu finden. Dieses Ergebnis bestätigt, dass das Rehabilitationsergebnis nicht alleine anhand der Art bzw. des Ausmaßes der Verletzung vorhergesagt werden kann, sondern dieses multifaktorielle, komplexe Geschehen eines biopsychosozialen Erklärungsansatzes bedarf.

Stand:

12.04.2010

Projekt

Gefördert durch:
  • Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V. (DGUV)
Projektdurchführung:
  • Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Ludwigshafen
Branche(n):

-branchenübergreifend-

Gefährdungsart(en):

-Verschiedenes-

Schlagworte:

Rehabilitation

Weitere Schlagworte zum Projekt:

Rehabilitation, Handverletzungen, Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF)

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