Gefährdung durch Bestrahlung aus Laserpointern - Untersuchungen zur Gefährdung von Piloten und Fahrzeugführern öffentlicher Verkehrsmittel beim Arbeitseinsatz

Projekt-Nr. FF-FP 0322

Status:

abgeschlossen 06/2014

Zielsetzung:

Aufgrund stetig steigender Zahlen von Laserpointerattacken wurden im Laserzentrum FH Münster (LFM) Forschungsarbeiten zur Ermittlung des Gefahrenpotenzials und Bewertung möglicher Präventionsmaßnahmen durchgeführt. Anschließende Forschungsarbeiten konzentrierten sich auf geeignete Gegenmaßnahmen.

Aktivitäten/Methoden:

Die Strahleigenschaften von über 40 verschiedenen Pointern von Online-Anbietern aus Fernost im Wellenlängenbereich von 405 nm bis 655 nm ("blau", "grün", "rot") und Leistungen bis zu 1000 mW wurden messtechnisch ermittelt.

Grenzwerte für die jeweilige Gefährdung wurden europäischen und US-amerikanischen Normen entnommen (DIN EN 60825-1, ANSI Z136). Basierend auf diesen Grenzwerten wurden Sicherheitsabstände für die jeweilige Augengefährdung durch Berechnung und experimentelle Simulation bestimmt. In theoretischen Modellen wurden neben Strahlparametern auch weitere Umgebungseinflüsse wie Absorption durch Atmosphäre sowie Frontscheiben von Flugzeugen/Helikoptern und Fahrzeugen berücksichtigt. Repräsentativ für die Berufsgruppen dieses Vorhabens wurden Feldversuche mit Helikoptern der Bundespolizei-Fliegerstaffel durchgeführt. Hierbei wurde während Testflügen ermittelt, dass die Dauer von "Augentreffern" (simuliert durch 7 mm-Blende/Sensor) typischerweise einige 10 ms bei einer Pointerdistanz von beispielsweise 500 m beträgt. Weiterhin wurden berechnete Sicherheitsabstände unter Praxisbedingungen verifiziert. Testflüge unter Verwendung von Schutzfolien an den unteren Bodenfenstern wurden anhand von subjektiver Pilotenbewertungen analysiert. Die Erfahrungen waren jedoch überwiegend negativ.

Ergebnisse:

Es hat sich gezeigt, dass die spezifizierte Laserleistung in fast allen Fällen überschritten wird; in Extremfällen sogar bis über den Faktor 20! Weitere Untersuchungen haben ergeben, dass Laserpointerstrahlung einen hohen Polarisationsgrad bis zu 99 % aufweist und bei blauer sowie roter Strahlung charakteristische "hot-spots" im stark inhomogen ausgeprägten Intensitätsprofil auftreten. Je nach Strahlleistung und Dauer der Bestrahlung eines menschlichen Auges kann es in Extremfällen zu einem Netzhauteinbrand und somit zur permanenten Augenschädigung oder zu verschiedenen Blendeffekten ohne bleibenden Schaden kommen (letzteres wird auch durch die Laserwellenlänge bestimmt).

Die Ergebnisse haben gezeigt, dass mit verfügbaren Laserpointern noch nach mehreren 100 Metern permanente Augenschädigungen verursacht werden können. Auch Blendeffekte können noch nach mehreren 1000 Metern auftreten.

Auf dem Markt sind heute Schutzbrillen und -fenster für alle Laserpointerwellenlängen verfügbar. Da diese jedoch auch zu einer Veränderung des natürlichen Sehempfindens führen, eignet sich diese Art der Präventionsmaßnahme nur für wenige Anwendungen spezieller Berufsgruppen. Aktive Schutzbrillen könnten dieses Problem vermeiden, befinden sich jedoch zurzeit noch im Entwicklungsstadium. Vielversprechend sind neuartige "nanostrukturierte Schutzfolien", die sich noch im Teststadium befinden und gleichzeitigen Schutz vor allen Pointerwellenlängen bei hoher Tageslichttransmission bieten sollen.

Stand:

14.07.2015

Projekt

Gefördert durch:
  • Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V. (DGUV)
Projektdurchführung:
  • Laserzentrum FH Münster
Branche(n):

Verkehr

Gefährdungsart(en):

Strahlung

Schlagworte:

Prävention, Strahlung

Weitere Schlagworte zum Projekt:

Laserpointer, Piloten, Fahrzeugführer, öffentliche Verkehrsmittel